DFL-Versammlung in Berlin

Der Kampf ums Geld ist eröffnet

Beim Treffen der Deutschen Fußball Liga in Berlin geht es auch um die Verteilung der neuen TV-Millionen. Das Konfliktpotenzial ist groß

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Berlin.  Das Ziel ist klar: Harmonie herstellen, und zwar möglichst unter allen 36 Erst- und Zweitligaklubs der Deutschen Fußball Liga (DFL), die sich heute im Berliner Hotel Intercontinental treffen. Laut Tagesordnung sollen bei der Generalversammlung zwar in erster Linie Vorstand und Aufsichtsrat neu gewählt werden, doch abseits dieses Pflichtprogramms dürfte es vor allem um das liebe Geld gehen.

Das ahnt auch DFL-Boss Reinhard Rauball (69) und sprach daher schon frühzeitig ein Machtwort. Dafür, dass sich der Ligaverband „nach dem größten Medienvertrag aller Zeiten“ über die Verteilung streite, habe „niemand Verständnis“, mahnte der DFL-Boss.

Die Liga knackt erstmals die Milliarden-Grenze

Eine Auffassung, die längst nicht jeder der 36 Klubs teilt – im Fußball geht es schließlich nicht anders zu als in anderen Bereichen des Lebens. Es wäre vermessen, zu glauben, dass ein Mehr an Geld zu weniger Streit führt.

Präsent ist das Thema spätestens seit Juni. Damals verkündete DFL-Geschäftsführer Christian Seifert den erfolgreichen Durchbruch einer wirtschaftlichen Schallmauer. Die nationalen TV-Rechte für die vier Spielzeiten von 2017 bis 2021 hatte er soeben für insgesamt 4,64 Milliarden Euro verkauft, also für mehr als eine Milliarde pro Saison. Zum Vergleich: Aktuell kassiert die DFL „nur“ 628 Millionen Euro. Allein die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF zahlen laut „Manager-Magazin“ in Zukunft fast eine viertel Milliarde Euro mehr an Gebührengeldern als bisher.

Der Rekord-Deal sorgte allerdings auch prompt für Diskussionen um die Verteilung, zum Beispiel zwischen Bundesliga und Unterhaus. Bislang erhielt die Zweite Liga 20 Prozent vom Kuchen, verteilte diese auf seine 18 Vereine. Dabei soll es aus ihrer Sicht bleiben, doch in Liga eins scheint die Solidarität zu bröckeln.

Auch Hertha hofft auf einen neuen Verteilungsschlüssel

Zu gering sei die Bedeutung bei der Aushandlung des TV-Vertrags gewesen, weshalb sich die Klubs von St. Pauli bis Heidenheim doch bitte mit dem begnügen sollen, was sie bislang hatten. Statt des bisherigen Verteilungsschlüssels wird eine Deckelung bei 140 Millionen Euro diskutiert. Somit blieben knapp 100 Millionen mehr für die Elitespielklasse. Viel Geld, allerdings nicht im Vergleich zu den 6,9 Milliarden Euro, die die Premier League für drei Jahre bekommt.

Hinzu kommt das Ringen zwischen den einzelnen Vereinen. Bisher erfolgt die Verteilung nach einem vergleichsweise einfachen Modell. 65 Prozent der TV-Einnahmen werden als Sockelbetrag an die Klubs ausgezahlt – die restlichen 35 Prozent anhand der Fünfjahreswertung vergeben. Doch mit dem reinen Leistungsprinzip (wer erfolgreich spielt, bekommt auch mehr Geld) möchten sich einige Vereine nicht mehr abfinden.

Unter dem Namen „Team Marktwert“ meldete sich ein Zusammenschluss von sechs Traditionsklubs zu Wort, darunter auch Hertha BSC. Ihre Forderung: Neben der Leistung sollten künftig auch Faktoren wie Einschaltquote, Zuschauerschnitt oder Social-Media-Follower berücksichtigt werden. Eine Praxis, die in anderen europäischen Ligen nicht unüblich ist, hierzulande aber kritisch beäugt wird – zumal sie vor allem die ohnehin schon wirtschaftlich enteilten Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund begünstigen würde.

Liga-Boss Rauball tritt ohne Gegenkandidat zur Wahl an

„Die Verteilung der TV-Gelder angemessen und ausgewogen zu gestalten, war schon immer schwierig, aber wir bringen dem Vorstand großes Vertrauen entgegen“, sagt Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller, der für eine zweite Amtszeit im Aufsichtsrat der DFL kandidiert.

„Team Marktwert“ will sein Konzept in den kommenden Monaten dem neuen Liga-Vorstand präsentieren. Dessen Zusammensetzung wird sich heute kaum ändern. Die Wiederwahl von Präsident Rauball (BVB) findet ohne Gegenkandidat statt, die seines Stellvertreters Peter Peters (Schalke) ebenfalls.

Neu gewählt wird der von der Zweiten Liga entsandte 2. Vizepräsident. Hier gilt Helmut Hack (Greuther Fürth) als Favorit, der den Mainzer Harald Strutz beerben würde. Zumindest bei diesen Entscheidungen dürfte in Berlin große Einigkeit herrschen.