Rio de Janeiro

Beleidigt und empört

Das auf 285 Sportler geschrumpfte Team Russlands stürzt in Medaillenbilanz ab

Rio de Janeiro.  Soviel Zeit musste sein. Präsident Wladimir Putin gratulierte jedem russischen Medaillengewinner auf altmodische Art per Telegramm. Ein wenig Aufbauhilfe aus der Heimat konnte nicht schaden, schließlich hatten die russischen Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro einen schweren Stand. Von den Zuschauern wurden sie oft ausgepfiffen, von den Gegnern mit Missachtung gestraft. Russland erhielt die Quittung für die schweren Anschuldigungen wegen des systematischen Staatsdopings und stürzte mit verkleinertem Kader hinter dem großen Rivalen USA ab.

„Was den Medaillenspiegel anbelangt, war Russland der große Verlierer und das sicher zu Recht“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Ohne die ausgeschlossenen Leichtathleten und Gewichtheber blieb Russland mit seinen 285 Sportlern vor Deutschland auf Rang vier, war jedoch weit vom London-Ergebnis entfernt. Am Schlusstag der Spiele 2012 standen die Russen mit 82 (24-25-33) Mal Edelmetall im Medaillenspiegel. Jetzt waren es 56 (19-18-19).

Die Fronten sind verhärtet. Daran hat Thomas Bach nichts ändern können. Womöglich hat der IOC-Präsident mit seiner Entscheidung, keinen Komplett-Bann auszusprechen, dazu noch mehr beigetragen. Und Entspannung in der hochbrisanten Causa ist auch für die Zukunft kaum zu erwarten. Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) hat die „Sbornaja“ von den Spielen der Menschen mit Behinderung (ab 7. September) ausgeschlossen. Der Sportgerichtshof Cas soll am Dienstag entscheiden, ob der Ausschluss bestehen bleibt.

Anti-Doping-Agenturen fordern weitere Ermittlungen und Strafen für Russland. In Moskau ist von Einsicht keine Spur. Beleidigt und empört reagiert man auf solche Forderungen. Sportminister Witali Mutko droht, die Zahlungen an die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) einzustellen. Und Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa ließ bereits durchblicken, welche Rolle sie zukünftig in der IOC-Athletenkommission spielen wird: „Russland wurde ungerecht behandelt und ich werde alles tun, um so eine Situation in Zukunft zu verhindern.“