Rio de Janeiro

Auf den Rausch von Rio folgt jetzt der Kater

Deutsche Verbände zittern vor der Spitzensportreform

Rio de Janeiro.  Auf dem Frankfurter Römer steigt die letzte große Party der deutschen Olympia-Mannschaft, dann ist der Rausch von Rio endgültig vorbei. Am Dienstag empfangen Bundespräsident Joachim Gauck und Innenminister Thomas de Maizière die Athletinnen und Athleten nach deren Rückkehr in die Heimat (12.15 Uhr, ARD).

Zurückbleiben wird bei vielen Verbänden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ein ungutes Gefühl, ausgelöst durch das Schreckgespenst mit dem Namen Spitzensportreform. Sportler und Funktionäre sorgen sich um finanzielle Einschnitte. Denn: Nach der Analyse der Sommerspiele will der DOSB mit seinem größten Geldgeber, dem Bundesinnenministerium, alles auf den Prüfstand stellen. Krisen-Sportarten wie Schwimmen und Fechten fürchten ohnehin weitere Kürzungen.

Die staatlichen Mittel sind knapp, etwa 150 Millionen Euro steuert das BMI jährlich bei, offensichtlich nicht genug, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Seit Jahren bleiben Medaillen aus. Länder wie Großbritannien, die dank eines 1997 installierten, halbstaatlichen Fördersystems im Geld schwimmen, sind längst enteilt.

Eine Kopie des britischen Erfolgsmodells halten alle Beteiligten im deutschen System für unmöglich, also basteln sie an anderen Lösungen. Nach der Spitzensportreform soll zielgerichteter gefördert werden. Ein perspektivisches Berechnungsmodell mit einer potenzialorientierten Förderstruktur ist das Ziel. Sportarten und vor allem auch Disziplinen sollen in drei Cluster eingeordnet werden. Verbänden und Disziplinen, die kein Medaillenpotenzial mehr vorweisen können, drohen harte Einschnitte. Zudem kommt alles, was Geld kostet, auf den Prüfstand. Sechs von 19 Olympia- und 50 von 205 Bundesstützpunkten stehen vor dem Aus, Existenzen auf dem Spiel. Sportler und Funktionäre sollten die Olympia-Party auf dem Frankfurter Römer ausgiebig genießen. Es könnte ihre letzte sein.