Rio

Deutsche Handball-Männer erleben die Krönung in Bronze

Die Deutschen haben die Bronzemedaille gewonnen. Vier Füchse-Profis im Handballteam stocken Berlins Rio-Bilanz auf 18 Medaillen auf.

Deutschland feiert die Bronze-Medaille

Deutschland feiert die Bronze-Medaille

Foto: REUTERS/Damir Sagolj

Rio de Janeiro. Es waren noch 30 Sekunden zu spielen, da hielt es niemanden mehr auf der Bank. Die deutschen Handballspieler sehnten das Schlusssignal herbei, dann stürmten sie aufs Feld und legten Arm in Arm einen Tanzkreis aufs Parkett.

31:25 (17:13) gegen Polen, niemand aus diesem Team hatte je Olympische Spiele mitgemacht, es war das jüngste des Turniers, und nun nahm es Bronze mit nach Hause. „Ein unglaublich geiles Gefühl“, jubelte der Gummersbacher Julius Kühn, „und diese Mannschaft hat eine große Zukunft vor sich.“

Die Geschichte des unerwarteten Erfolgs fängt an einem Tiefpunkt an. Als Deutschland am 14. Juni 2014 die WM-Qualifikation verpasst hatte, ausgerechnet gegen Polen übrigens, musste Bundestrainer Martin Heuberger gehen. Der Deutsche Handball-Bund verpflichtete den damaligen Coach der Füchse Berlin, Dagur Sigurdsson. Die kess formulierte Aufgabe an den Isländer: 2020 bei den Olympischen Spielen in Tokio um Gold spielen.

Mit einer Wildcard begann der Erfolg

Was die wenigsten erwartet hatten: Viel schneller als erwartet stellten sich Erfolge ein. Für die WM in Katar erhielten die Deutschen eine Wildcard und stießen bis ins Viertelfinale vor. In diesem Jahr folgte der Triumph bei der Europameisterschaft in Polen im Januar. Und nun Olympia-Bronze. Es ist das beste Jahr für den deutschen Handball seit 2004, als ebenfalls der EM-Titel gewonnen wurde und in Athen sogar Olympia-Silber.

„Mission erfüllt, Weltspitze bestätigt“, sagte jetzt Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Er ist in Personalunion Geschäftsführer der Füchse Berlin und gab damals seinen Trainer nicht ohne Wehmut ab. Aber der Deal machte sich bezahlt, auch weil mit Silvio Heinevetter, Steffen Fäth, Fabian Wieder und Paul Drux nun vier Olympiahelden in die Bundesliga starten (2. September). Berlins Olympiabilanz schraubt ihr Bronze auf 18 Medaillen.

Abwehr war der Sieggarant

Gegen Polen war die deutsche Abwehr um den starken Torwart Andreas Wolff die Basis für alles, immer wieder zermürbten Tobias Reichmann (sieben Treffer) und Uwe Gensheimer ihren Gegner mit erfolgreich abgeschlossenen Schnellangriffen. Beim 8:8 in der 19. Minute stand es zuletzt unentschieden, danach führten nur noch die Deutschen und bauten ihren Vorsprung Stück für Stück aus, bis auf 25:18 (43. Minute). Polen kam nicht mehr zurück.

Bronze sei ein Riesenerfolg, sagte Drux. Zwar fiel die geplante Feier im Deutschen Haus aus, weil es bereits geschlossen hatte. Aber: „Das eine oder andere Bier“, schloss Drux, „ist jetzt fällig.“ Mehr als verdient.