Rio de Janeiro

Der Sport trauert um Stefan Henze

Kondolenzbuch im Deutschen Haus, Gedenkfeier im Athletendorf

Rio de Janeiro.  Einen Tag nach dem Tod von Kanuslalom-Trainer Stefan Henze ist das deutsche Olympia-Team in Rio nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen. Am Dienstag wehten die deutschen Fahnen an den olympischen Sportstätten auf halbmast. Im Deutschen Haus wurden aus technischen Gründen nur schwarze Trauerbänder zum Gedenken an den 35-Jährigen, der 2004 selbst Olympiasilber gewann, geknüpft. Am Eingang lag vor einem gerahmten Schwarz-Weiß-Foto ein Kondolenzbuch aus. Am Nachmittag war im olympischen Dorf eine Trauerfeier vorgesehen.

In der Heimat reagierte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit Bestürzung auf den Tod Henzes. „Die Nachricht über den tragischen Tod von Stefan Henze hat mich schwer erschüttert“, sagte der für den Sport zuständige Minister in Berlin und fügte an: „Nicht nur die Sportfamilie trauert. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen. Der deutschen Olympia-Familie wünsche ich viel Kraft in diesen schweren Stunden.“

Henzes Heimatverein, der Böllberger SV in Halle an der Saale, lobte ihn als einen treuen Freund, einen starken Wegbegleiter und ein großes Vorbild. „Du bleibst immer in unseren Herzen und es schmerzt so sehr, Dich nicht mehr unter uns zu wissen“, heißt es auf der Internetseite des Klubs.

Auch Werth und Heidler zeigen große Anteilnahme

Am Vortag war der Trainer im Beisein seiner Familie an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen gestorben, die er drei Tage zuvor bei einem Verkehrsunfall erlitten hatte. Auf die üblichen Feiern für die Medaillengewinner wurde im Deutschen Haus daher verzichtet. Stattdessen war die Beleuchtung gedimmt, es gab kein musikalisches Rahmenprogramm. „Wir sind sehr dankbar, dass die deutsche und internationale Sportfamilie so viel Anteil nimmt“, meinte der deutsche Kanuverbands-Chef Thomas Konietzko. „Das kann den Schmerz lindern, auch für die Angehörigen.“

Die Rennkanuten paddelten am Dienstag zu Gold und Silber. „Vielleicht sind wir heute auch alle ein bisschen für Stefan gepaddelt“, sagte Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel. Verbandspräsident Konietzko betonte: „Die Trauer ist in uns drin. Wir müssen uns aber auf den Sport konzentrieren. Das hätte auch Stefan so gewollt.“

Es sei „unglaublich grausam“, dass die Familie nach Rio gekommen war, um sich von Stefan Henze zu verabschieden, meinte Dressurreiterin Isabell Werth. „Das nimmt auch ein Stück den eigenen Erwartungshorizont, weil es so vieles relativiert“, sagte die zehnfache olympische Medaillengewinnerin. Betty Heidler, die als Hammerwurf-Vierte von Rio ihre Karriere beendet, drückte der Familie ihr Mitgefühl aus. „Der eigene Wettkampf tritt in den Hintergrund, wenn man sich auf das besinnt, was man hat, und das ist das eigene Leben“, sagte die 32 Jahre alte Leichtathletin. „Das hier zu verlieren, ist tragisch.“