Berlin

Quaners Doppelpack ist zu wenig

Union kommt gegen Aufsteiger Dresden nicht über ein Unentschieden hinaus und liegt nach zwei Spieltagen mit nur einem Punkt im unteren Drittel der Zweiten Liga

Berlin. Bei seinen Fußball-Klubs verfolgt der Trainer Uwe Neuhaus ein klares Schema, das leugnet er gar nicht. Traditionsvereine sind es, die es ihm angetan haben. Klubs, die, wie er sagt, richtig leben, bei denen man die Emotionen spürt. Die positiven wie die negativen.

Bei seiner Rückkehr nach Berlin, wo er einst sieben Jahre tätig gewesen ist, dürfte er einmal mehr Bestätigung gefunden haben. Union beklagt den Verlust von Janine Jänicke, der gesamte Anhang verabschiedete sich vor dem ersten Heimspiel der neuen Zweitliga-Saison von der verunglückten Behinderten-Beauftragten, die Mitte Juli bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die Fans von Dynamo Dresden, Neuhaus‘ neuem Klub, stimmten respektvoll mit ein in die kleine Zeremonie. Große Emotionen.

Sportlich dauerte es dann etwas, bis sich ein Gänsehautgefühl einstellte. Die Berliner taten sich lange schwer, steigerten sich jedoch in der zweiten Halbzeit und drehten die Partie durch zwei Treffer von Collin Quaner (58./66.). Im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei reichte das vor 22.012 Zuschauern dennoch nicht, um die Serie von acht Heimsiegen auszubauen. Mit dem 2:2 (0:1) bleiben die Berliner saisonübergreifend aber immerhin zum neunten Mal in Folge daheim ungeschlagen.

Was Unions neuer Trainer Jens Keller vorhatte, ließ sich schnell erkennen. Mit seinem 4-3-3-System wollte er den Gegner früh unter Druck setzten, wenn dieser den Ball hatte. Doch die Pläne gerieten schnell ins Stocken. Eine Reihe defensiver Probleme in der Anfangsphase waren dafür verantwortlich. Eine Flanke von rechts landete beim Dresdner Pascal Testroet. Dessen Schuss konnte Jakob Busk noch abwehren, den Nachschuss von Aias Aosman musste der Torhüter passieren lassen (8.). Eine Situation, die nach der Niederlage zum Auftakt in Bochum (1:2) nicht gerade Sicherheit bei den Köpenickern verbreitete. „Wir kassieren zu einfache Tore, das ärgert mich“, monierte Keller.

Nach dem frühen Gegentor fehlt der Mut

Auf einer Position hatte der Union-Coach umstellen müssen, da sich die Hoffnung auf einen Einsatz von Angreifer Philipp Hosiner (Muskelfaserriss) nicht erfüllte. Als Ersatz rückte Collin Quaner in die Startelf. Er war einer derjenigen, die in den kurzen Berliner Drangphasen nach dem Gegentreffer mal zum Abschluss kamen. Gefährlich wurde es dabei aber kaum. Das lag zum einen an der geschickten Defensive der Sachsen. Sie ließen den Berlinern kaum Platz. Neuhaus hatte den Aufsteiger gut eingestellt gegen sein altes Team, in dem noch immer neun Profis dabei sind, die schon bei seiner Entlassung 2014 das Union-Trikot trugen. Dazu klappte das Pressing der Berliner nicht, weil nach dem frühen Gegentreffer etwas der Mut fehlte. Statt auf den Ausgleich zu drängen, hatte Union daher Glück, nicht höher in Rückstand zu geraten. Testroet traf freistehend nur den Pfosten (31.).

Ineffizient spielten die Köpenicker auch in der zweiten Hälfte weiter, die mit einer pyrotechnischen Begleitaktion aus dem vollen Dresdner Fan-Block startete. Sie taten dies jedoch weniger zaghaft als zuvor. Deutlich ließ sich der Wille erkennen, den schon traditionellen Fehlstart zu vermeiden. Dabei agierten die Berliner zunehmend zielstrebiger.

Einen Pass von Steven Skrzybski nahm Quaner am Fünfmeterraum an und schob den Ball zum Ausgleich unter die Latte. Wenig später zeigte der Stürmer, dass er für Keller mehr als nur eine Alternative werden will. Eine Flanke von Skrzybski nach einer geklärten Ecke köpfte Fabian Schönheim vor das Tor, Dresdens Keeper Marvin Schwäbe lenkte den Ball zu Quaner, der ruhig zur Führung einschoss.

In der Euphorie des Moments berauschte Union sich etwas zu lange an sich selbst. So konnte Andreas Lambertz allein vor Busk auftauchen und nur drei Minuten später den erneuten Ausgleich herstellen. Damit hielt für die Dresdner auch im zweiten Spiel in der Zweiten Liga die Serie, die sie bei ihrem grandiosen Aufstieg begonnen hatten. Unter dem früheren Union-Trainer Uwe Neuhaus ist Dynamo nun seit 18 Liga-Spielen ungeschlagen.

„Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und haben lange die Ruhe im Spielaufbau vermissen lassen“, sagte Unions-Abwehrchef Toni Leistner.