Rio de Janeiro

Murray weint hemmungslos nach historischem Double

Rio de Janeiro. Andy Murray war schlichtweg überfragt. Nach dem Gewinn seines historischen zweiten Olympia-Golds in Rio wollte jemand wissen, wie er seiner sechsmonatigen Tochter Sophia Olivia denn später einmal Daddys brasilianische Heldentaten vor Augen führen werde. Wimbledonsieger Murray überlegte nach dem 7:5, 4:6, 6:2, 7:5 in einem denkwürdigen Finale gegen Juan Martin del Potro (Argentinien) lange, dann hatte sich der schottische Weltranglistenzweite entschieden: „Ich werde es ihr auf Video zeigen. Aber nur, wenn sie es auch sehen will“, meinte Murray, dem allerdings schon Übles schwant: „Oft ist es ja so, dass Kinder nicht den eigenen Vater toll finden, sondern sich für andere Spieler interessieren.“

Wäre Sophia Olivia schon alt genug, könnte spätestens seit dem olympischen Endspiel Juan Martin del Potro ganz oben auf der Liste der kleinen Murray stehen. Denn während ihr Vater mit seinem zweiten Einzel-Gold in Serie bislang Unerreichtes schaffte, durfte sich „Delpo“ als Sieger der Herzen fühlen. Sein Silber jedenfalls schimmerte golden. „Die Anfeuerung der Fans hat mir Beine gemacht. Die Atmosphäre war traumhaft. Ich habe so etwas noch nie erlebt“, schwärmte der ehemalige US-Open-Sieger von der Stimmung auf dem Centre Court, die an ein emotionales Fußballspiel erinnerte. Zwei etwas zu wilde Gaucho-Fans mussten im letzten Spiel der Partie sogar von Sicherheitskräften abgeführt werden.

Auch Murray war voll des Lobes über die Turnierüberraschung aus Argentinien. „Das Finale war eines meiner härtesten Matches, die ich auf dem Weg zu einem großen Titel spielen musste“, gestand der dreimalige Grand-Slam-Champion. Ein Lob für del Potro, die ehemalige Nummer vier der Welt, die nach drei Handgelenk-Operationen seit 2013 und Depressionen weit im ATP-Ranking zurückgefallen ist.

Murray hatte nach dem Matchball auf seiner Bank hemmungslos geheult. „Dieser Erfolg bedeutet mir sehr viel, weil mir Olympia sehr viel bedeutet“, sagte der 29-Jährige. Erst nach 4:02 Stunden hatte der Brite del Potro in einer elektrisierenden Partie endlich geschlagen.