London

Weltmeisterschaft der Trainer

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Uwe Bremer

Jose Mourinho, Pep Guardiola, Arsene Wenger, Jürgen Klopp, Antonio Conte - die Premier League beschäftigt die besten Übungsleiter des Profifußballs

London. Arsène Wenger plagen Schuldgefühle. Dass sein FC Arsenal in der vergangenen Premier-League-Saison nur auf Platz zwei hinter Leicester landete, wurmt Wenger noch immer. In der neuen, an diesem Wochenende beginnenden Saison, dürfte aber kaum ein Underdog die ewigen Titelambitionen der Londoner verhindern. Denn: Die prominente Konkurrenz hat aufgerüstet und dabei besonders in Trainer investiert. Pep Guardiola (Manchester City), José Mourinho (Manchester United), Antonio Conte (FC Chelsea) und vielleicht Jürgen Klopp (FC Liverpool) in seiner ersten kompletten ­England-Saison dürften die größten Konkurrenten sein.

Meister Leicester hat nicht mal Außenseiter-Chancen

Dass Leicester noch einmal Meister wird, hält selbst Meister-Trainer Claudio Ranieri für abwegig. „Eher taucht ET am Piccadilly Circus auf“, meinte der Italiener. Die aufgerüstete Konkurrenz führt laut Wenger gar zu einer „Weltmeisterschaft der Trainer“. Um mitzuhalten muss Wenger das Team von Mesut Özil und Per Mertesacker wohl noch verstärken. Im bisherigen Gladbacher Granit Xhaka gönnten sich die Londoner für rund 45 Millionen Euro bereits einen EM-Star. Der deutsche Nationalspieler Shkodran Mustafi soll vom FC Valencia kommen und nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Mertesacker und Gabriel die ­Arsenal-Defensive verstärken.

Brisanz ist garantiert. In Manchester lebt das einst in Spanien kultivierte Rivalität zwischen Guardiola und Mourinho wieder auf. „Es klingt albern, aber mein Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen“, erklärte Mourinho. Manchester United gab allein für Paul Pogba 105 Millionen Euro aus. Dazu kommen Henrikh Mkhitaryan, Eric Bailly und Stürmer-Star Zlatan Ibrahimovic. Für Weltmeister Bastian Schweinsteiger bleibt da kein Platz mehr. Er steht vor dem Abschied aus Manchester.

Kurios: Pogba ist für die erste Partie mit United, an diesem Sonntag auswärts beim AFC Bournemouth gesperrt. Der Franzose hat bei Juve in zwei Pokalspielen jeweils Gelb gesehen - diese Sperre wird auch beim Wechsel in ein anderes Land mitgenommen. AFC Bournemouth. Pogba könnte also erst am 19. August für Manchester ­United im Heimspiel gegen den FC Southampton zum Einsatz kommen.

Wenige Kilometer weiter arbeitet nun Mourinhos Erzfeind Guardiola bei Manchester City. Der ehemalige Bayern-Trainer holte Schalkes Leroy Sané für 48 Millionen Euro plus Bonizahlungen - Rekord für einen deutschen ­Nationalspieler. Dazu kam aus Dortmund Ilkay Gündogan (Ablöse: 26 ­Millionen Euro).

Diese „German Connection“ sei ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Meisterschaft, glaubt Manchesters ­Mittelfeld-As Kevin De Bruyne. „Mein Ziel ist der Titel“, sagt der Ex-Wolfsburger, „dafür brauchen wir Spieler wie Sané und Gündogan.“

Auch Klopp rechnet sich in Liverpool etwas aus. „Ich will, dass wir eine im besten Sinne unvergessliche Saison spielen“, sagte der Trainer dem „Daily Mirror“. „Die guten Dinge aufnehmen, unsere Entwicklung genießen“ lautet Klopps Motto. Doch der frühere Coach von Borussia Dortmund weiß, dass sie am „Kop“ Titel wollen. Zweimal war Liverpool zuletzt nah dran, verlor aber im Ligapokal und in der Europa League das Finale. „Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen die Enttäuschungen vergessen“, sagte Klopp. „Mich an negative Dinge zu erinnern, liegt mir nicht.“

Dies sollte auch das Motto beim FC Chelsea sein. Den früheren Champions-League-Sieger sollte man nach einer mit Platz zehn in jeder Hinsicht enttäuschenden Saison zumindest wieder auf der Rechnung haben. Trainer Antonio Conte, der mit der italienischen Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale an Deutschland scheiterte, kann sich voll auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren. Für europäische Aufgaben hat sich Chelsea nicht qualifiziert.

Beim Stadtrivalen Tottenham Hotspur war die Enttäuschung aus anderen Gründen nicht weniger groß. Im Schatten von Leicester ging die hervorragende Saison der Spurs, die sie auf Rang drei beendeten, unter. Erst am Saisonende verabschiedete sich Tottenham aus dem Titelrennen. Trainer Mauricio Pochettino will aus der Spielzeit 2015/16 lernen: „Das ist unsere Herausforderung - unsere Leistung zu verbessern, besser mitzuhalten und das nächste Level zu erreichen.“

All das beobachtet man bei Leicester City ganz unaufgeregt. Größere Verluste im Meisterkader gab es bis auf N’Golo Kante, der zu Chelsea gewechselt ist, nicht. Stürmerstar Jamie Vardy lehnte ein Arsenal-Angebot ab. Und in Ahmed Musa ist für die Offensive noch ein nigerianisches Toptalent dazu gekommen. Im Tor soll der bisherige Hannoveraner Ron-Robert Zieler Kasper Schmeichel auf Trab halten.

Die Mannschaft sei erst bei 60 Prozent ihrer Fitness, sagte Coach Claudio Ranieri. Zudem spielt Leicester City als Meister erstmals in der Champions League - eine zusätzliche Belastung.

Dass die „Foxes“ ihren Titel verteidigen können, glaubt niemand, zu stark ist die Konkurrenz. Aber die Buchmacher in England haben aus der vergangenen Saison gelernt. Damals standen die Wetten vor dem ersten Spieltag 5000:1 für Leicester City. Jetzt liegen die Quoten nur noch bei 25:1.

( dpa )