Rio de Janeiro

Kerber hat jetzt Gold im Blick

Mit einem 6:1, 6:2 gegen die Britin Konta zieht die Deutsche ins Halbfinale ein

Rio de Janeiro. Den anstrengendsten Teil ihres Arbeitstages absolvierte Angelique Kerber erst nach ihrer nächsten Glanzleistung. Die Selfie- und Autogrammjäger auf dem Centre Court der olympischen Tennisanlage in Rio de Janeiro wollten die deutsche Medaillenhoffnung nicht mehr gehen lassen. Geduldig erfüllte Kerber alle Wünsche – Kraft hatte sie nach dem 6:1, 6:2 im Viertelfinale gegen die Britin Johanna Konta noch genug. „Es ist noch ein weiter Weg. Ich will nicht drüber nachdenken, denn ich weiß, was Druck mit mir machen kann“, sagte sie mit Blick auf das greifbare Gold.

Als erste Deutsche seit Steffi Graf 1992 in Barcelona steht die Australian-Open-Siegerin bei Olympischen Spielen in der Runde der besten Vier. Dort trifft sie am Freitag auf Madison Keys (Nr. 7). Vier von fünf Duellen mit der Amerikanerin hat Kerber gewonnen – zuletzt im März das Viertelfinale von Miami. Nach dem überraschenden Achtelfinal-Aus von Keys’ Landsfrau Serena Williams gilt Kerber als Top-Favoritin auf Gold und untermauert dies Runde für Runde.

Für Überraschungs-Viertelfinalistin Laura Siegemund indes platzte der Medaillen-Traum. Die Weltranglisten-32. aus Metzingen war gegen die ebenfalls ungesetzte Monica Puig (Puerto Rico) mit 1:6, 1:6 chancenlos, zog aber dennoch ein positives Fazit. „Rio war trotzdem ein Riesenerfolg für mich. Ich bin super stolz, weil ich ganz, ganz tolle Matches gespielt habe“, sagte die deutsche Nummer zwei.

Kerber wurde ihrer Favoritenrolle gegen Konta in einer Neuauflage des Melbourne-Halbfinals vollauf gerecht. Die Fed-Cup-Spielerin agierte auf dem Centre Court sicher von der Grundlinie und streute immer wieder erfolgreich Stopps ein. Etliche deutsche Schlachtenbummler mit Transparenten feierten die Hoffnungsträgerin mit Sprechchören an.

Mit Blick auf ein Endspiel um die Goldmedaille wollte sie Williams’ Aus im Achtelfinale nicht zu große Bedeutung beimessen. „Es ist immer schön, gegen Serena zu spielen – aber es geht auch ohne“, sagte die Wimbledonfinalistin schmunzelnd.

Kerber wirkt in den Tagen von Rio tiefenentspannt. Im Olympischen Dorf genießt die bodenständige Linkshänderin ihre neue Popularität. „Mittlerweile kommen andere Sportler zu mir und wollen Selfies. Das war vor vier Jahren bei den Sommerspielen in London noch nicht so“, berichtete Kerber. Die Wünsche erfüllt sie geduldig: „Das mache ich gerne.“ Obwohl manches eine echte Herausforderung ist. Kerber selbst hat die Balance gefunden zwischen professioneller Vorbereitung und dem Spaß an der ungewohnten Jugendherbergs-Atmosphäre. „Ich bin natürlich hier, um Tennis zu spielen. Aber abends im Dorf schaue ich mir schon im Fernsehen die anderen Sportarten an“, sagte Kerber.

Laura Siegemund war nach ihrem K.o. gefasst. „Es hat bei mir heute nicht so viel geklappt. Ich hatte einen unglücklichen Start, dann ist mir das Match weggelaufen. Aber man muss einfach auch anerkennen, dass Monica sehr gut war“, sagte Siegemund, die am Anfang des Jahres noch die Nummer 90 der Welt war.