Rio de Janeiro

Mit viel Liebe, Unbekümmertheit und Heavy Metal

Wie Deutschlands Leichtathleten in Rio um Medaillen kämpfen

Rio de Janeiro.  Ab heute blickt die Sport-Welt auf die „Königin der olympischen Sportarten“, die Leichtathletik. Die Morgenpost stellt die zehn deutschen Medaillen-Anwärter vor.

Christina Schwanitz (Kugelstoßen): Vor einigen Wochen konnte sich die Europameisterin wegen einer Verletzung nur mit der linken Hand die Zähne putzen, jetzt ist sie schon wieder Gold-Kandidatin. Wurde wegen ihres Gewichts einst bei der Polizei abgelehnt. „Da hätten sie gleich eine Ballerina fragen können“, sagt die 30-Jährige, die stattdessen zur Bundeswehr ging.

Robert Harting (Diskus): Der Berliner (31) ist heiß auf seinen zweiten Olympiasieg nach 2012. Zuletzt machte er weniger mit seinem schnellen Arm als mit seinen markigen Worten auf sich aufmerksam. Erst sagte er, dass er sich für IOC-Präsident Thomas Bach schäme, dann rüffelte er Usain Bolt, dass dieser sich zu wenig im Anti-Doping-Kampf engagiere.

Julia Fischer (Diskus): Hat sich von Lebens- und Trainingspartner Robert Harting viel Gutes abgeschaut. Sandra Perkovic (Kroatien), Olympiasiegerin von London, dürfte zwar nicht zu schlagen sein, dahinter aber gilt die Berlinerin Fischer (26) als heiße Silber-Anwärterin.

Gesa Felicitas Krause (3000 Meter Hindernis): 2015 sorgte die Frankfurterin (24) für eine Sensation, gewann WM-Bronze. Fliegt mindestens dreimal pro Jahr zu mehrwöchigen Trainingslagern in die Höhe Kenias. Ein Aufwand, der sich in Rio auszahlen soll.

Max Heß (Dreisprung): Der Chemnitzer (20) steht noch am Anfang seiner Karriere. Besticht durch seine Unbekümmertheit, bezeichnet sich selbst als „coolen Hund“. Sprang bei der EM mit 17,20 Meter zum Titel. Auch in Rio mehr als ein Außenseiter-Tipp.

Cindy Roleder (100 Meter Hürden): Seitdem die 26-Jährige nicht mehr speziell Hürden trainiert, sondern sich als Siebenkämpferin versucht, hat sie ihre Position in der Weltspitze gefunden. Stürmte 2015 zu WM-Silber und dieses Jahr zu EM-Gold. „Man muss versuchen, sein Ding durchzuziehen. Das kann ich ganz gut“, sagt die Leipzigerin.

David Storl (Kugelstoßen): Mit 26 Jahren wirkt er neben anderen Kraftpaketen wie ein Jungspund mit Wespentaille. Trotzdem ist er nicht nur im Beruf Meister (der Polizei), sondern hat schon zweimal Gold bei Welt- und dreimal bei Europameisterschaften geholt. Jetzt soll der goldene Stoß auch bei Olympia klappen. Vertraut beim Aufwärmen auf Heavy-Metal-Musik.

4x100 Meter der Frauen: Die jungen Wilden des deutschen Teams. Tatjana Pinto, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase setzten in starken 41,62 Sekunden die Weltjahresbestzeit. Mit starken Wechseln ist hinter den Über-Teams aus Jamaika und den USA eine Medaille drin.

Marie-Laurence Jungfleisch (Hochsprung): Floppte vor drei Wochen erstmals über die Zwei-Meter-Marke. Die Kampfansage folgte prompt: „Das war wohl der perfekte Sprung“, sagte die 25-Jährige, „jetzt denke ich an eine Medaille in Rio.“

Thomas Röhler (Speerwerfen): Katapultierte sich mit seinem Wurf im finnischen Turku (91,28 Meter) an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Bei der EM zwickte dann der Rücken – Platz vier, eine Enttäuschung. In Rio soll der Speer wieder besser fliegen für Röhler (24).