Olympia

US-Basketballer geraten ins Straucheln

Der knappe Sieg gegen Australien zeigt: Die Basketball-Stars aus den USA sind verwundbar. Immerhin: Einem Amerikaner gelingt ein Rekord

Foto: Jorge Zapata / dpa

Rio de Janeiro.  Immer wieder richteten die Zuschauer in der Carioca Arena 1 den Blick auf die Anzeigetafel, fast so, als müssten sie sich noch einmal vergewissern. Die Basketballer der USA, die millionenschweren Superstars aus der NBA in Rückstand? Im letzten Viertel? Konnte das wirklich sein? Es konnte.

Gegen Australien musste der Gold-Favorit, der bislang mit Kantersiegen gegen China und Venezuela durch das olympische Turnier spaziert war, am Mittwoch bis zur letzten Minute kämpfen. Am Ende wendete das US-Team eine mögliche sechste amerikanische Niederlage bei Sommerspielen mit Mühe ab – 98:88 (49:54).

Der Favorit scheint schlagbar

„Wenn wir normalerweise auf dem Highway mit 55 unterwegs sind, hat das Spiel heute auf der linken Spur stattgefunden“, sagte Trainer Mike Krzyzewski, „und zwar ohne Tempolimit.“ Die Gangart gaben dabei die Australier vor, die ihre Qualität zuvor schon mit Siegen gegen die europäischen Top-Teams Frankreich und Serbien bewiesen hatten. Der erste wirkliche Härtetest machte klar: Um ein Überteam handelt es sich bei den USA nicht. Der Favorit scheint schlagbar.

Dass die Erben des legendären Dream Teams von 1992 das Feld als Sieger verließen, lag vor allem an Carmelo Anthony. Der 32 Jahre alte Forward der New York Knicks war mit 31 Punkten (davon neun Dreier) bester Werfer der Partie. Allein 14 Zähler erzielte er im Schlussviertel, in dem ihm Spielmacher Kyrie Irving vom NBA-Champions Cleveland Cavaliers mit zwölf Punkten zur Seite sprang.

Anthony übertrumpft James

Mit nun insgesamt 289 Punkten bei Olympischen Spielen überflügelte Anthony dabei LeBron James (273) und David Robinson (270) und ist nun alleiniger Rekordhalter der USA. Bei Australien überragte Aufbauspieler Patrick Mills, der bei den San Antonio Spurs unter Vertrag steht. Er kam auf 30 Zähler.

„Wir kennen die Australier und haben ein physisches Spiel erwartet“, sagte Anthony. Die richtige Einstellung schienen die US-Stars trotzdem nicht gefunden zu haben. In der Defensive fehlte es in der ersten Hälfte an Intensität, und im Angriff an Treffsicherheit. Kevin Durant und Klay Thompson, sonst zwei der besten Distanzschützen des Planeten, trafen gemeinsam nur sechs ihrer 24 Würfe.

Besser machten es die Australier. Allen voran Mills und Center Andrew Bogut – künftig Teamkollege von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks – glänzten mit tollem Zusammenspiel. Zu sehen, wie nicht die USA sondern die Australier mit Alley-oop-Dunkings brillierten, war genauso gewöhnungsbedürftig wie der Halbzeitstand (49:54). Dass die Amerikaner mit einem Rückstand in die Kabine gegangen waren, hatte es zuletzt vor zwölf Jahren gegeben.

Europameister Spanien schwächelt

Schlussendlich setzte sich die individuelle Klasse von Anthony und Co. gegen den intensiven, klugen Team-Basketball der Australier durch. Ob diese Qualität auch in den nächsten Härtetests reicht, bleibt abzuwarten. Mit Serbien (Sonnabend, 0 Uhr) und Frankreich warten bereits die nächsten Charaktertest. So eine Prüfung wie gegen Australien habe das Team gebraucht, sagte NBA-Champ Irving vielsagend – für das, was noch komme. Vorerst aber bleiben die USA in Gruppe A das Maß der Dinge.

Überraschend erfolglos blieben bislang die Spanier in Gruppe B. Gegen Kroatien und Gastgeber Brasilien setzte es für den Europameister jeweils knappe Niederlagen.