Rio de Janeiro

Beachvolleyball ist viel mehr als nur nackte Haut

Ägyptens Frauen sind nur dank der neuen Kleiderregel am Start

Rio de Janeiro. Etwas frisch war es ja am Sonntagabend an der Copacabana. Windig und nicht mehr so mild wie die Tage zuvor. Das war aber nicht der Grund für Doaa Elghobashy (19) und Nada Meawad (18), bei ihrem ersten Olympia-Auftritt im Beachvolleyball in langen Hosen und langärmeligen Oberteilen anzutreten. Ihre deutschen Gegnerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst trugen die typische Uniform: Bikinihosen und Beachtops. Das wäre für die Ägypterinnen aus religiösen Gründen aber nicht passend. Noch vor vier Jahren hätten sie aus diesem Grund gar nicht in ihrem geliebten Sport antreten können. Bis 2012 galt beim Weltverband FIVB noch eine Kleiderordnung, die die Breite von Bikinihosen auf maximal sieben Zentimeter beschränkte. Da waren Athletinnen gezwungen, viel Haut zu zeigen. Im Zuge der Bestrebungen der FIVB, Beachvolleyball in allen Ländern der Welt populärer zu machen, wurde diese umstrittene Regel vor vier Jahren abgeschafft. Jetzt sind auch lange Hosen und Tops mit oder ohne Ärmel erlaubt.

Also traten die Ägypterinnen nun bedeckt an, Elgobashy verhüllte den Kopf sogar mit einer Hidschab (Schal). „Ich bin sehr stolz auf meinen Hidschab, ich trage ihn seit zehn Jahren“, sagte sie. „Er behindert mich auch überhaupt nicht, und ich bin froh, dass die FIVB mir die Berechtigung gab, damit zu spielen. Denn ich liebe Beachvolleyball, es ist so ziemlich das Beste, was mir je passiert ist“, sagt sie.

Das Spiel gegen Ludwig/Walkenhorst war für sie und ihre Partnerin der erste gemeinsame Auftritt außerhalb Afrikas. Die Olympiateilnahme haben sie sich durch den Sieg beim Qualifikationsturnier ihres Kontinentalverbandes erspielt. Sportlich sah man den Unterschied zu den Weltranglistenersten schon deutlich. Am Ende stand ein 21:12, 21:15 für die deutschen Athletinnen auf der Anzeigetafel, doch Elghobashy/Meawad zeigten sich kämpferisch: „Sie sind sehr gut, aber eigentlich dachten wir, dass die olympischen Teams noch viel, viel besser wären als wir. Mit ein bisschen mehr Training und den richtigen Möglichkeiten, könnten wir auch besser sein als sie.“

Auf der Profi-Tour des Weltverbandes hatten die beiden Ägypterinnen noch keinen Auftritt. Dort trifft man kaum eine Spielerin, die die veränderte Kleiderordnung in Anspruch nimmt. „Wir spielen alle in Bikinis. Das ist eben unsere Arbeitskleidung“, sagt Laura Ludwig. Mit wenig Stoff am Körper ist es schließlich auch angenehmer, sich schwitzend durch den Sand zu bewegen. Die knappe Arbeitskleidung ist auch mit ein Grund dafür, dass sich so viele Zuschauer für den Sport interessieren – zumindest am Anfang. Aufnahmen von weiblichen Hinterteilen, auf denen die Blockzeichen präsentiert werden, sind die wohl am häufigsten genutzten Bilder des Sports, in dem es so viel mehr zu sehen gibt als nur nackte Haut.

Nationalspielerin Karla Borger sieht das pragmatisch: „Wenn einige Zuschauer zunächst wegen der Popos kommen, meinetwegen, aber spätestens dann sehen sie, dass es auch ein cooler Sport ist und bleiben dabei.“ Darauf hoffen auch Doaa Elghobashy und Nada Meawad, die am Dienstag (12 Uhr Ortszeit) auf die Italienerinnen Marta Menegatti und Laura Giombini treffen. Giombini ersetzte kurzfristig die des Dopings überführte Viktoria Orsi-Toth – eine Tatsache, die für weit mehr Debatten sorgen sollte als ein paar Zentimeter Stoff.

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