JUDO

Kosovarin Kelmendi stürzt ein ganzes Land in Freudentaumel

Mit der Goldmedaille um den Hals kommen Majlinda Kelmendi wieder die Tränen. Die Judoka atmet tief durch, dann lauscht sie glücklich lächelnd der Nationalhymne des Kosovo. Es ist das erste Mal, dass das kleine Land bei Olympia antritt, und Kelmendi hat für ihre Heimat in Rio die erste Goldmedaille gewonnen. „Ich wollte einfach nur weinen, es war so besonders“, sagte die 25-Jährige über den Moment der Siegerehrung, als IOC-Präsident Thomas Bach ihr die Medaille überreichte.

Direkt nach ihrem Sieg durch Yuko im Finale gegen die Italienerin Odette Giuffrida hatte sich Kelmendi auf den Boden geworfen, die Hände vor das Gesicht geschlagen und hemmungslos schluchzend ihren Trainer umarmt. „Nach dem Finale konnte ich nicht mehr stehen, ich war so glücklich“, berichtete die Judoka (Klasse bis 52 Kilo), die 2012 in London noch unter albanischer Flagge gestartet war. „Dieses Mal hatte ich meine Flagge, meine Hymne und das ist einer der ersten Gründe, warum ich so motiviert war und unbedingt gewinnen wollte“, sagte sie. Erst seit acht Jahren ist das Kosovo unabhängig, Serbien hatte die Eigenständigkeit seiner Ex-Provinz jahrelang nicht anerkannt. „Ich wollte der Welt zeigen, dass Kosovo ein Land ist, in dem es nicht nur Krieg gibt“, sagt Kelmendi.