Sport

Der Gringo im Medien-Dorf

Dietmar Wenck schreibt in das olympische Tagebuch

Fabio ist überall. Der junge Mann gehört zu den rund einhundert Helfern in unserem Medien-Dorf, wo über 1000 Journalisten untergebracht sind. Der 26-Jährige spricht nicht nur Portugiesisch, sondern auch Englisch und Deutsch. In diesem Fall ein fragwürdiges Vergnügen. Denn es hat zur Folge, dass er sich in verschiedenen Sprachen Klagen anhören muss. Davon gibt es reichlich. Die meisten landen bei ihm.

Fabio Marcelo Zuber Issing, wie er mit ganzem Namen heißt, hört geduldig zu, obwohl er einen 14-Stunden-Job hat. Und saust gleich los, um Schäden wie nicht funktionierende Wasserhähne oder nicht schließende Safes beseitigen zu lassen. Oder Menschen, die gemeinsam in einer Apartmentwohnung leben sollen, sich aber gar nicht kennen, einander etwas näher zu bringen.

Seine Ausgeglichenheit ist beeindruckend. Vielleicht hat er sie, weil er beide Seiten versteht. Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte Fabio in Brasilien; dann zogen seine deutsche Mutter und sein Vater, der aus der Schweiz stammt, nach Deutschland, nach Bayern. Fabio hat Internationales Tourismus Management studiert, was ihm hier auch sehr hilft. Und er rollt das „rrr“ so herrlich, wie es nur die Franken können.

Nun ist er zurück im Land seiner Geburt, als „einziger Gringo hier“, sagt er lächelnd. Für hiesige Verhältnisse verdiene er sehr gut, für deutsche unterirdisch. Was soll’s? Er schätzt Lebensfreude und Zusammenhalt der Brasilianer, erkennt aber auch den Wert von Sicherheit und starker Organisation in Deutschland. „Perfekt wäre eine Kombination aus beidem“, meint Fabio. Aber ehrlich, was die Gäste hier aufregt, findet er, sei Meckern auf hohem Niveau.

Gestern habe ich an der Rezeption, als Fabio mal kurz nicht da war, die gute Arbeit der Volunteers gelobt, war mir ein Bedürfnis. Es wurde gelacht. Seitdem werde ich andauernd gegrüßt.