Rio de Janeiro

Rekordflut im Pool, aber der Verdacht schwimmt mit

Am ersten Tag wurden gleich drei Weltrekorde verbessert

Rio de Janeiro.  Während die deutschen Schwimmer zum Auftakt der olympischen Schwimmwettbewerbe nur Statisten im Konzert der Großen waren, purzelten die Weltrekorde im Aquatics Stadium. Erst schraubte der Brite Adam Peaty bereits im Vorlauf seinen Weltrekord über 100 Meter Brust von 57,92 auf 57,55 Sekunden, dann knackte die Ungarin Katinka Hosszu die Marke über 400 Meter Lagen. Mit ihrer Siegeszeit von 4:26,36 Minuten war sie mehr als zwei Sekunden schneller als Ye Shiwen, die vor vier Jahren in London die Welt verblüfft hatte, als sie die letzten 100 Meter schneller als US-Olympiasieger Ryan Lochte schwamm. Und schließlich kraulten die Australierinnen um die überragenden Campbell-Schwestern Cate und Bronte über 4x100 Meter Freistil in 3:30,65 Minuten so schnell wie niemand zuvor.

Drei Weltrekorde und das ohne die Hilfe der High-Tech-Anzüge, die den Schwimmern 2009 zu so vielen Fabelzeiten verholfen hatten. Ist es die spezielle Motivation bei Olympischen Spielen, ist es das noch weiter gesteigerte Training, ist es die mit Hilfe von Strömungskanälen und biomechanischen Messungen noch weiter verbesserte wissenschaftliche Hilfe, oder ist es doch vielleicht auch schnöder Betrug mit neuen Pharmamitteln? Eine klare Antwort ist nicht möglich, aber grundsätzlich muss jeder Weltrekordler damit leben, dass der Verdacht mitschwimmt.

„Ob die neuen Weltrekordler alle sauber sind, kann ich natürlich nicht sagen“, erklärt der Mark Warnecke, Weltmeister 2005 und Olympiadritter 1996, der selbst schon Weltrekordler über 50 Meter Brust war. „Im Schwimmen sind die Grenzen noch nicht so erreicht wie zum Beispiel bei den Sprintern in der Leichtathletik.“ Natürlich hat Warnecke als früherer Brustschwimmer bei Peaty genauer hingeschaut. Zweifel an dessen Sauberkeit hat er grundsätzlich nicht: „Seine Leistung ist nachvollziehbar. Seine Technik hatte ich mir so ähnlich auch schon am Ende meiner Karriere angeeignet, mich aber nicht mehr getraut, sie im Wettkampf umzustellen.“

Peaty schwört aufs große Fressen, Hosszu auf Härte

Peaty hat mit seinem Weltrekord im Vorlauf eine der spektakulärsten Olympia-Premieren gefeiert. Der 21-Jährige gibt als Erfolgsrezept seine 8000-Kalorien-Diät am Tag, sein gezieltes Krafttraining und seine Trainerin Melanie Marshall an. „Sie weiß genau, an welchen Knöpfen sie bei mir drehen muss.”

Bei der Ungarin Katinka Hosszu ist der Trainer der wichtigste Mann. Shane Tusup ist auch ihr Gatte. „Sie sind ein eingespieltes Tandem“, sagt der Essener Ex-Weltmeister Christian Keller. „Ob sie sauber ist? Da musst du die Welt-Anti Doping-Agentur fragen.“ Ihre Tests sind bisher immer negativ ausgefallen, aber das muss nichts heißen. Hosszu nennt sich „Iron Lady“. Doping hat sie stets bestritten. „Kein Gold und kein Ruhm würden es rechtfertigen, meine Seele zu verkaufen, um zu gewinnen“, sagte sie einmal. Die eiserne Lady ist dafür bekannt, bis zu 100 Wettkämpfe im Jahr zu machen. Meist mit mehreren Starts am Tag. Ihr Trainer gilt in der Branche als der Schleifer schlechthin.

Der Weltrekord der Australierinnen war dagegen programmiert. Das australische Quartett beeindruckte schon im Vorfeld. Und Cate Campbell, die mit Bronte als erstes Schwesterpaar gemeinsam Gold holte, wird wohl auch über 100 Meter Freistil nicht zu schlagen sein. Bei der Rio-Generalprobe hatte sie bereits den Weltrekord von Britta Steffen über 100 Meter Freistil verbessert.