Rio de Janeiro

Russlands Sperre für die Paralympics blamiert IOC-Chef

Anders als bei Thomas Bach wird das Staatsdoping bestraft

Rio de Janeiro. Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) hat mit aller Härte durchgegriffen und alle russischen Behindertensportler für die Sommerspiele in Rio de Janeiro gesperrt. Im Gegensatz zum gnädigen IOC mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach entschloss sich das IPC in der Affäre um vermeintliches Staatsdoping am Sonntag für einen Komplett-Bann. „Das System in Russland ist korrupt“, lautete das Urteil von IPC-Chef Philip Craven.

Das IPC hatte noch vor seiner Verkündung weitere Informationen des kanadischen Juristen Richard McLaren erhalten, der die Untersuchung der Welt-Anti-Dopingagentur (Wada) zum vermeintlichen Staatsdoping leitete. Seine Ermittlungen ließen dem IPC aus dessen Sicht nun keine andere Wahl als die Kollektivstrafe für die Russen bei den Paralympics vom 7. bis 18. September. Russland reagierte mit Empörung und kündigte einen Einspruch vor dem Sportgerichtshof Cas an.

Zahl der Russen-Starter in Rio steigt sogar auf 278 Athleten

„Der McLaren-Report markierte meiner Ansicht nach und auch der Ansicht des IPC-Vorstands nach einen der dunkelsten Momente des Sports“, sagte Craven. Russland sei „nicht in der Lage, dem Anti-Doping-Code des IPC und dem Anti-Doping der Wada zu entsprechen.“ Im Gegensatz zum IPC hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Ende Juli noch auf einen historischen Komplett-Bann verzichtet. Stattdessen nahm das Gremium die internationalen Sommersportverbände in die Pflicht, nach strengen Auflagen über Ausschluss oder Start der Russen zu entscheiden. Für seine Politik erntete Bach große Kritik, auch die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Dopingagentur Andrea Gotzmann legte noch einmal nach. „Das hätten wir vom IOC erwartet“, monierte Gotzmann und warf dem IOC vor, die Situation schlecht gemeistert zu haben.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte Craven und das IPC bestärkt. „Damit setzt der Paralympische Sport ein klares Zeichen und zeigt, dass im Gegensatz zum IOC die Null-Toleranz-Politik in der Dopingbekämpfung des Paralympischen Sports keine leere Worthülse ist“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. Nachdem zunächst 271 Athleten zugelassen worden waren für Olympia, wuchs das russische Team nun sogar auf 278 Sportler an. Grund dafür sind Urteile des Cas, vor dem einige Sportler geklagt hatten.