Kopenhagen

Hertha wirft sich selbst raus

Berliner verlieren nach katastrophalen Fehlern gegen Bröndby und scheitern in der Europa-League-Qualifikation

Kopenhagen.  Pal Dardai war sauer wie selten: „Das ist die Realität von Hertha BSC, was wir heute gesehen haben. Wenn jemand von Champions League oder Europa träumt, soll er sich das Spiel ansehen“, schimpfte der Berliner Cheftrainer nach einem Abend, der für Hertha nicht anders als katastrophal endete. Mit einer desolaten Abwehrleistung hat sich Dardais Team selbst um die Chance gebracht, in die Europa League einzuziehen. 1:3 (1:2) unterlagen die Berliner am Donnerstag Im Rückspiel bei Bröndby IF. Damit reichte das 1:0 aus dem Hinspiel nicht. Der Bundesligist scheiterte in der dritten Qualifikations-Runde zur Europa League an dem Außenseiter aus Dänemark. Mann des Tages aus Sicht der Dänen war Teemu Pukki: Der ehemalige Schalker erzielte alle drei Tore für Bröndby (3., 34. und 52. Minute). Vedad Ibisevic hatte zwischenzeitlich für Hertha ausgeglichen (30.).

„Wenn wir ehrlich sind, haben wir dem Gegner drei Tore geschenkt“, zürnte Dardai und beschwerte sich, dass in seiner Mannschaft wieder nur Ibisevic Torgefahr erzeugen konnte, wie schon im Hinspiel: „Wenn Vedad kein Tor schießt, schießt niemand ein Tor bei uns“, sagte der Ungar. „Das wird noch zum Problem in der Saison.“

Unbekannte demolieren den Berliner Mannschaftsbus

Aber nicht nur der Trainer ging hart mit seiner Mannschaft ins Gericht, auch die Spieler selbst: „Wir haben uns das Ausscheiden selbst zuzuschreiben. Wir haben den Gegner mit Fehlern eingeladen. So wie wir das Ende der letzten Saison verbockt haben, haben wir es jetzt auch verbockt“, sagte Kapitän Fabian Lustenberger.

Die Berliner erwischten den schlechtest möglichen Start: Nach exakt 2:22 Minuten lag der Ball im Netz von Thomas Kraft. Dabei hatte der Torwart, der wie erwartet eine Bewährungschance erhielt, zuvor einen Schuss von Kamil Wilczek wegfausten können. Doch der Abpraller landet bei Lebogang Phiri, der an Kraft vorbei zu Pukki passte, der Mittelstürmer drückte den Ball über die Linie, 0:1.

Der Tag hatte schon negativ begonnen: Unbekannte hatten den Hertha-Mannschaftsbus in der Nacht demoliert. Die Frontscheibe war eingeschlagen, die Seitentür beschädigt, zudem gab es an Seitenfenstern Farbschmierereien. Der Bus war nicht fahrtauglich, Hertha reiste in einem Mietbus zum Stadion. Später zündeten Hertha-Anhänger Pyrotechnik im Stadion. Auch das dürfte ein Nachspiel haben.

Pech hatte Hertha in der Partie, als ein Handspiel des Dänen Andrew Hjulsager nach einem Schuss von Mitchell Weiser nicht mit Elfmeter geahndet wurde (17.). Dafür nutzte Ibisevic eiskalt die erste Gelegenheit, die sich ihm bot. Auf der rechten Seite kam Peter Pekarik zum Flanken, Ibisevic bückte sich und verlängerte den Ball per Kopf ins linke Eck, 1:1 (30.). Ein Torjägertor.

Über einen solchen verfügt allerdings auch die Gastgeber. Als wenig später Marvin Plattenhardt eine Aktion klären wollte, erwischte der Herthaner den Ball nicht richtig, der rollte in den eigenen Sechzehner, dort war erneut Pukki und traf aus 13 Metern flach vorbei an Torwart Kraft, 1:2 (34.). Eben noch schien das Hertha-Schiff in sicheres Wasser zu steuern, doch prompt bewegten sich die Blau-Weißen in schwerer See. Nun fehlte Bröndby nur noch ein Treffer. Für Hertha war fortan jeder Situation vor dem eigenen Tor ein Ritt auf der Rasierklinge. Per Skjelbred, eigentlich Mr. Zuverlässig, setzte den Reigen von hanebüchenen Fehlern fort: Statt vor dem eigenen Tor rustikal ins Aus zu klären, spielte der Norwegen einen Pass in den eigenen Strafraum – auf Bröndbys Kamil Wilczek. Der passte auf den freistehenden Pukki, und der traf zum 1:3 (52.).

Dem Favoriten aus der Bundesliga blieben aber noch 38 Minuten, um der Schmach zu entgehen, aber er ließ beste Gelegenheiten liegen: Die größten Chancen boten sich Salomon Kalou: Der Ivorer tauchte kurz vor Schluss freistehend vor dem Tor auf, scheiterte aber am dänischen Schlussmann (86.).

Als Bonus für die gute vorangegangene Saison hatte Dardai diese K.o.-Runde bezeichnet. Doch es war ärgerlich zu sehen, wie leichtfertig Hertha die Möglichkeit aus der Hand gab, die lukrative Europa League zu erreichen. Insofern kann es den Berlinern egal sein, dass heute um 13 Uhr die Playoff-Runde zur Europa League ausgelost wird. Dafür werden sich die Hertha-Verantwortlichen Gedanken machen müssen, welche Verstärkungen sie noch in der bis Ende August laufenden Wechselfrist realisieren können.