Formel 1

Niki Lauda: „Mir fehlt nur das Ohrwaschel, sonst nix“

Vor 40 Jahren hatte der österreichische Formel-1- Star auf dem Nürburgring seinen grauenhaften Feuerunfall. Er erinnert sich.

Niki Lauda ist bis heute gezeichnet vom Feuerunfall

Niki Lauda ist bis heute gezeichnet vom Feuerunfall

Foto: Matthew Childs / REUTERS

Hockenheim.  Der 1. August 1976 war „der gravierendste Einschnitt in meinem Leben“, sagt Niki Lauda (67) heute emotionslos. Dabei lässt sein Unfall die Formel-1-Fans noch 40 Jahre danach erschauern.

Mitte der zweiten Runde brach sein Ferrari auf der Nordschleife des Nürburgrings aus, krachte in die Leitplanken und fing Feuer. Nachfolgende Fahrer zerrten ihn aus dem Auto und leisteten Erste Hilfe.

Beim Aufprall verlor Lauda den Sturzhelm: Er saß nur mit der Asbesthaube auf dem Kopf fast 50 Sekunden im brennenden Ferrari-Wrack. Seine Schreie klangen dabei fürchterlich, schilderte Arturo Merzario.

Sechs Wochen nach dem Unfall saß er wieder im Cockpit

Der damals 27-Jährige kämpfte in Kliniken tagelang um sein Leben, fuhr sechs Wochen später in Monza dennoch wieder Rennen und wurde Vierter. Die WM verlor er erst im letzten Rennen in Fuji gegen James Hunt um einen Punkt – 1977 und 1984 wurde Lauda aber nochmals Weltmeister, das Karriereende folgte erst 1985 nach 25 Siegen.

„Wir alle wussten, dass die Formel 1 gefährlich ist. Aber du verdrängst das, sonst hast du keine Chance“, sagte Lauda später. Die Erinnerung an die Zeit im Feuer ist nie wieder gekommen. „Die nächste Erinnerung ist die an den Transport im Hubschrauber und die Tage in der Klinik. Hätte ich mir nicht das Video angesehen, wüsste ich heute noch nicht, was eigentlich los war.“

Nierenprobleme als Spätfolge

Der Film „Rush“ brachte viel, aber nicht alles zurück. Beim Comeback in Monza, erinnert sich Lauda, „hatte ich die Hose voll vor Angst“. Und weiter: „Hätte ich damals nicht sofort versucht, alles zu verarbeiten, hätte ich nie wieder ein Rennauto steuern können. Was mir vom Unfall blieb, ist das fehlende Ohrwaschel, sonst nix.“ Sagt Lauda, obwohl er als Spätfolge auch noch Nierenprobleme bekam.

Und dann zieht Lauda, heute Aufsichtsrat im Mercedes-Team, den Vergleich zu heute: „Die Fahrer heute müssen sich nicht wie wir damals die Frage stellen, ob ihnen das Leben oder das Rennfahren mehr wert ist. Sie fahren drauflos. Die Formel 1 ist ein nicht mehr jugendfreier Sport geworden.“ Und dennoch sind seit Laudas Unfall neun Formel-1-Piloten gestorben.