Hockenheimring

Jetzt geht es um die Zukunft der Formel 1 in Deutschland

Nico Rosberg kämpft um den WM-Titel, doch das ist nur die halbe Wahrheit. In Deutschland geht es für die Formel 1 um den Fortbestand.

Winke, winke: Nico Rosberg (M.) freut sich nach der Qualifikation über dern ersten Platz. Neben ihm der Zweitplatzierte Lewis Hamilton (r.) und Danilel Ricchiardo, der am Sonntag als Dritter ins Rennen geht

Winke, winke: Nico Rosberg (M.) freut sich nach der Qualifikation über dern ersten Platz. Neben ihm der Zweitplatzierte Lewis Hamilton (r.) und Danilel Ricchiardo, der am Sonntag als Dritter ins Rennen geht

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Hockenheim. Trotz aller Bemühungen der deutschen Fahrer, trotz aller Freude auf das Heimspiel. Eine Frage beschäftigt viele an diesem Sonntag: Wohin fährt die Formel 1 in Deutschland? Die Tribünen sind beim Großen Preis von Deutschland (14 Uhr, RTL und Sky) teilweise mit riesigen Werbebannern zugedeckt, die Plätze standen nie zum Verkauf. Bilder, die man sonst eher von Strecken wie in Shanghai kannte. Eine Suche nach Gründen.

Das Regelchaos

Zu Spielen der Fußball-Bundesliga kommen nicht selten deutlich mehr Fans. Rund 54.000 Tickets konnten die Verantwortlichen des Hockenheimrings diesmal verkaufen. Zu Hochzeiten mit Rekordweltmeister Michael Schumacher wurden sechsstellige Werte erreicht. Doch schwer verständliche Regeln und der leisere Motorsound sorgen für nachlassendes Interesse.

Der aktuelle Ticketverkauf sei besser als vor zwei Jahren (52.000), stellte der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH Georg Seiler fest: „Trotz allem brauchen wir noch einige Fans.“ Eine seiner Hoffnungen richtet sich sogar ans Nachbarland Niederlande. Weil dort mit Max Verstappen (18) ein Supertalent reift.

Der fehlende Star

Sebastian Vettel (29) ist viermaliger Weltmeister. Er fährt mittlerweile wie einst Rekordchampion Michael Schumacher sogar für Ferrari. Doch die Roten kurven gerade weit hinterher. „Es war irgendwo der Wurm drin“, konstatierte der in diesem Jahr noch sieglose Vettel nach Trainingsplatz sechs am Sonnabend: „Die anderen sind schneller geworden, bei uns war die Luft draußen. Bitter, dass wir wieder weiter hinten stehen als geplant.“

Nico Rosberg (27) kämpft schon im dritten Jahr um die WM – im Wagen des deutschen Werksteams Mercedes. Und doch üben offensichtlich beide nicht die Faszination auf die Fans wie einst ein Michael Schumacher aus. Daran vermag auch Rosbergs jüngste Imageoffensive mit einer Serie in der größten Boulevardzeitung oder seine rege Arbeit in den sozialen Netzwerken inklusive eigenem Fotograf nichts ändern.

Immerhin sicherte er sich trotz Elektronikproblemen, die ihn zum Abbruch seines ersten Versuchs in der entscheidenden Qualifikationsphase zwangen, noch die Poleposition vor Weltmeister Lewis Hamilton. „Nicos Stärke hat den Lewis in den Fehler getrieben“, befand Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda: „Er hat den Lewis auf seiner Heimstrecke so richtig niedergemacht.“

Aber auch der Ex-Champion weiß: Selbst als Vettel von 2010 bis 2013 im Red Bull in Serie gewann wie einst Schumacher, löste er keinen vergleichbaren Hype aus. „Wir hatten lange, lange Zeit einfach keinen Lokalhelden“, sagt Vettel selbst. Zwar wird Michael Schumachers inzwischen 17-jähriger Sohn Mick nun als künftiger Sympathieträger ins Rahmenprogramm eingebaut, der Weg hinauf aus der Formel 4 ist aber noch weit und braucht noch Zeit.

Aber der große Name zieht natürlich mehr als ein Nico Hülkenberg (als Achter immerhin noch Bester vom Rest, er wurde wegen des Einsatzes falscher Reifen nach dem Abschlusstraining noch um einen Platz nach hinten gestuft) und Pascal Wehrlein (Heimdebüt von Platz 18).

Die Finanzierungsprobleme

Den Rennstrecken bleibt allein das Geld durch die Zuschauer. Andere Einnahmequellen haben sie nicht. Damit aber möglichst viele kommen, sollten die Preise nicht zu hoch sein. Den Einnahmen stehen die Ausgaben gegenüber. Und da kommt die Antrittsgebühr zum Tragen, die Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone verlangt.

Schon lange sind Summen von 40 Millionen Euro nicht mehr utopisch. Nur, dass Rennstrecken wie der Nürburgring oder der Hockenheimring sich dies im Gegensatz zu staatlich (mit)finanzierten Rennen wie in Abu Dhabi oder Aserbaidschan schlicht nicht leisten können. Wie viel der Hockenheimring zahlt, ist nicht bestätigt. Spekuliert wird mit einer Summe von zwölf bis 15 Millionen Euro.

Das Problem Nürburgring

Vor einem Jahr erlebte die Formel 1 ihren Tiefpunkt. 73 Mal gastierte sie bis dahin im Autoland Deutschland – nirgendwo anders trat die Königsklasse so oft an. Nach der Insolvenz des Nürburgrings war in der Eifel aber kein Geld mehr da für die Formel 1.

Der Hockenheimring sah sich damals nicht in der Lage, trotz des jährlichen Wechsels kurzfristig einzuspringen. „Wir brauchen nächstes Jahr ein gut gefülltes Haus, damit die Formel 1 eine Zukunft hat“, sagte Seiler 2015. Ein gut gefülltes Haus sieht anders aus.