Bonn

Buschreiter haben keine Angst vor der goldenen Last

Olympiasiegerin Ingrid Klimke könnte in Rio die Fahne tragen

Bonn.  Am liebsten möchte er sie überhaupt nicht mehr absetzen. Die neonrote, verspiegelte Sonnenbrille des Olympia-Ausrüsters hat es Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt angetan. „Angeblich ist das ganze Equipment ja in enger Abstimmung mit den Sportlern zusammengestellt worden“, sagt er und grinst: „Aber diese Brille hat definitiv ein Basketballer ausgesucht.“

Die Stimmung ist ausgezeichnet auf dem Rodderberg vor den Toren von Bonn, dort verbringen die deutschen Buschreiter um den zweimaligen London-Olympiasieger Michael Jung die letzten Tage vor der Abreise nach Rio am Sonnabend. Auch der Schreck um den Ausfall von Jungs für Olympia vorgesehenes Pferd Takinou hat sich schnell gelegt. Der bereits 16 Jahre alte Wallach Sam, so versichert Jung, sei nämlich weit mehr als ein Ersatz: „Er ist in unzähligen großen Wettbewerben gegangen, mit ihm habe ich in London zweimal Gold gewonnen, wir beide kennen uns in- und auswendig, da mache ich mir absolut keine Sorgen.“

Takinou war der einzige Ausfall im Team, und die Reiter wachen mit Argusaugen darüber, dass kein weiterer dazukommt. Die Pferde stehen in geräumigen Boxen, sie werden gehegt und gepflegt und kaum aus den Augen gelassen. Die körperliche Fitness der Vierbeiner wird auf dem olympischen Gelände in Deodoro knapp 30 Kilometer vom Stadtzentrum Rios entfernt ein ganz wesentlicher Faktor sein.

Für Ingrid Klimke könnten die Spiele in Rio eine ganz besonders emotionale Note bekommen. Die zweimalige Mannschafts-Olympiasiegerin gehört zu den fünf Auserwählten, die als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier zur Wahl stehen. „Das wäre für mich eine unglaubliche Ehre“, sagt die 48-Jährige. Vor 28 Jahren hatte ihr 1999 verstorbener Vater Reiner Klimke die Mannschaft ins Olympiastadion von Seoul geführt.

Das Ergebnis der Wahl ist noch offen, das Ergebnis des olympischen Mannschafts-Wettbewerbs steht dagegen für die meisten Experten längst fest. Glaubt man den Prognosen, werden die deutschen Reiter in Rio kaum zu schlagen sein. Druck oder Motivation? „Das ist kein Druck“, sagt Doppel-Weltmeisterin Sandra Auffarth. Auch Bundestrainer Hans Melzer findet, „dass eine gewisse Erwartungshaltung durchaus positiv ist. Natürlich fahren wir nicht nach Rio, um mal zu gucken, wie es da so läuft. Wir wollen Gold.“