Rio de Janeiro

Doping schwächt das Interesse an den Spielen in Rio

Rio de Janeiro. IOC-Präsident Thomas Bach gibt sich betont zuversichtlich, doch bisher haben die in einer Woche beginnenden Olympischen Spiele zumeist negative Schlagzeilen produziert. Die gedopten russischen Athleten, Mängel im Olympischen Dorf, Gewalt in Rio: Das Ansehen der Spiele ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Letzte Hoffnung der Organisatoren scheint, dass mit Beginn der Wettbewerbe wie so oft alle Probleme in den Hintergrund rücken.

Bis dahin bestimmt vor allem der ungeklärte Status der russischen Athleten die Aufmerksamkeit. Demonstrativ angriffslustig brach am Donnerstag der Haupttross des russischen Olympiateams nach Rio auf. „Ich bin sicher, wir werden triumphieren“, sagte Alexander Schukow, Präsident des nationalen Olympia-Komitees ROC in Moskau. Die Sportler forderte er auf, ihren „Kampfgeist“ zu wahren und Provokationen aller Art zu ignorieren. Der Nachrichtenagentur Tass sagte Schukow außerdem, dass das Aufgebot trotz der Ausschlüsse etwa 270 Athleten zählen werde. Von knapp 390 Athleten, die fahren sollten, traf der Bannstrahl bis Donnerstag 112.

85.000 Sicherheitskräfte sollen die Spiele schützen

Die Zahl ist allerdings noch gar nicht ganz klar. Zwar haben nur wenige internationale Sportverbände russischen Athleten den Start in Rio untersagt, aber das letzte Wort hat der Internationale Sportgerichtshof Cas. Doch die entscheidende Instanz hält sich zurück, ließ eine Anfrage, bis wann und nach welchen Kriterien die Richter über einen Start russischer Sportler entscheiden werden, unbeantwortet.

Längst hat das Thema Doping auch Einfluss auf weite Teile der Zuschauer auf der ganzen Welt. Eine Umfrage im Auftrag der BBC unter mehr als 19.000 Menschen in 19 Ländern ergab, dass für mehr als die Hälfte der Befragten das Thema Doping einen negativen Effekt auf ihr Interesse an den Spielen habe. Durchgeführt wurde diese zwischen Januar und April 2016 – also noch vor der derzeitigen Krise.

Nicht hilfreich waren in der öffentlichen Diskussion die Probleme im Olympischen Dorf. „Das Dorf wird fantastisch. Wir haben die Zusicherung, dass die verbleibenden Arbeiten bis Freitag erledigt sein werden“, sagte Bach nach seiner Ankunft in Rio. In Wahrheit gibt es noch einige Baumängel. Mit Spannung wird die kommende Woche erwartet, wenn die U-Bahn-Linie 4 ihren Betrieb aufnehmen soll – vier Tage vor Beginn der Wettkämpfe. Die Linie ist das größte Bauprojekt im Rahmen der Spiele und soll das Zentrum der Metropole mit dem Olympiapark im Stadtteil Barra da Tijuca verbinden. Schon vor Monaten sollte es fertiggestellt sein. Klappt es nicht, droht ein Verkehrskollaps.

Entwarnung gibt es beim Thema Zika-Virus aufgrund der niedrigeren Wintertemperaturen. Im Gegensatz dazu bereiten das Gewaltproblem und die Terrorgefahr weiter Sorgen. Insgesamt 85.000 Polizisten und Soldaten sollen das Großereignis schützen.