Fußball

Gegen Bröndby macht Herthas Ibisevic den Unterschied

Hertha kommt in der Europa League zu einem schwer erkämpften 1:0 gegen Bröndby Kopenhagen. Am Donnerstag ist das Rückspiel.

Wie im Fluge erzielt Vedad Ibisevic das 1:0 für Hertha. Freund und Feind staunen gleichermaßen über den sehenswerten Treffer

Wie im Fluge erzielt Vedad Ibisevic das 1:0 für Hertha. Freund und Feind staunen gleichermaßen über den sehenswerten Treffer

Foto: imago/Camera 4

Vedad Ibisevic hat einmal mehr seinem ehemaligen Chef Alexander Zorniger seine Qualitäten gezeigt. Durch einen spektakulären Seitfallzieher des Bosniers gewann Hertha BSC das Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League gegen Bröndby IF mit 1:0 (1:0). Trainer der Dänen ist Zorniger, der im vergangenen Sommer als Trainer des VfB Stuttgart Ibisevic ignoriert hatte. Der Torjäger war nach Berlin gewechselt, Zorniger hatte wenige Wochen später seinen Job in Stuttgart verloren.

Hertha geht nun mit einem knappen Vorsprung in das Rückspiel in Kopenhagen am kommenden Donnerstag. „Ein großes Lob an die Mannschaft, dass wir zu Null gewonnen haben“, freute sich Hertha-Trainer Pal Dardai, „Bröndby war ein bissiger Gegner, es war ein gutes, intensives Spiel.“

Gäste sind nur in den ersten zwanzig Minuten überlegen

Nach einer knappen halben Stunde waren die Fans im mit 18.545 Zuschauern ausverkauften Jahnsportpark in der neuen Saison angekommen. „Wir holen die Meisterschaft und den Europacup. Und der Pokal ist uns sch...egal“, sangen die Hertha-Anhänger im ersten Europacup-Spiel der Berliner seit fast sieben Jahren. Mit einem furiosen Angriff hatten die Berliner das Fußballherz hüpfen lassen. Peter Pekarik machte das Spiel auf der rechten Seite schnell, bediente Mitchell Weiser. Der chippte die Flanke auf Schulterhöhe in Richtung Elfmeterpunkt. Dort setzte Ibisevic zum Seitfallzieher an, unten links schlug der Ball ein, 1:0 für Hertha (28.). „Das war ein wunderschöner Abend“, sagte der Torschütze. „So ein Tor habe ich schon oft versucht, aber im Spiel ist das selten gelungen.“

Eine wichtige Führung, die sich nicht angedeutet hatte. Die Gäste aus Kopenhagen, seit drei Wochen im Spielbetrieb, waren sofort präsent, schnürten Hertha ein. Die Berliner vermochten kaum einen Ball in den eigenen Reihen zu halten. Nach 20 Minuten wurde es besser. Wie in der vergangenen Saison häufig gesehen, holte sich Hertha die Sicherheit über längere Ballstafetten. Da mochten 2000 Bröndby-Fans noch so pfeifen, auch hinten rum über Torwart Rune Jarstein.

John Brooks überzeugte mit Energie und Präsenz

In erstaunlicher Frühform präsentierte sich John Brooks. Der US-Nationalspieler hatte nach seiner Teilnahme an der Copa America erst eine Woche später einsteigen sollen. Aber Brooks zeigte sich sehr präsent, ging energisch in die Zweikämpfe und hatte ein sicheres Passspiel von hinten raus.

Die Gastgeber drängten Bröndby nun zurück. Auf der linken Seite setzte sich Marvin Plattenhardt durch, seine Flanke köpfte Mitchell Weiser am Tor vorbei (21.). Weiser holte sich Selbstvertrauen durch zwei, drei gewonnene Zweikämpfe, die die Hertha-Fans bejubelten. So schwungvoll die Dänen begonnen hatten, fehlte es ihnen an Durchschlagskraft. Für den einzigen Aufreger vor dem Hertha-Tor sorgte Jarstein selbst, als der Norweger den heranstürmenden Teemu Pukki mit einer Finte im eigenen Strafraum ins Leere laufen ließ, riskant, ging aber gut.

Nach der Pause zündeten die Unverbesserlichen unter den Hertha-Fans und wenig später unter den Bröndby-Anhängern Dutzende Bengalos und Signalraketen. Beide Vereine werden für die Unvernunft erhebliche Strafen zahlen müssen, die Partie wurde für zwei Minuten unterbrochen.

Für die Dänen erarbeitete sich einzig Mittelstürmer Pukki eine Torchance

Wer nach der Pause erwartet hatte, dass die Dänen bedingungslosen Angriffsfußball spielen würden, wurde enttäuscht. Einzig Mittelstürmer Pukki erarbeitete sich eine Torchance, löffelte den Ball aber von der Strafraumgrenze über das Hertha-Tor (59.). Die Berliner fuhren gefährliche Konter. Weiser spitzelte den Ball nach einer Ibisevic-Vorlage knapp am Tor vorbei (52.). Einen 16-Meter-Schuss von Salomon Kalou lenkte Bröndbys Torwart Frederik Rönnow über die Latte (65.).

Bei Bröndby war der ehemalige Herthaner Hany Mukhtar eingewechselt worden. Pal Dardai brachte den schnellen Japaner Genki Haraguchi. Die letzte Viertelstunde war ein zähes Ringen. Die Gäste mühten sich um den Ausgleich. Die Berliner versuchten noch einen entscheidenden Konter zu fahren. Doch je länger die Begegnung dauerte, desto mehr fehlte es an der Präszion. Hertha überstand auch die fünfminütige Nachspielzeit unbeschadet.

Die Erleichterung bei Dardai war groß. Aber er weiß, dass sich Hertha in einer Woche noch steigern muss, um die nächste Runde zu erreichen. „Ich bin stolz, dass meine Mannschaft es zumeist mit spielerischen Mitteln versucht hat“, sagte er, „aber wir wissen, dass es im Rückspiel in Kopenhagen ein schwieriges Spiel wird.“