Stuttgart

Wehrlein sucht den schnellen Aufstieg

Nach guten Leistungen beim Formel-1-Hinterbänkler Manor würde der 21-Jährige gern bald das Team wechseln. Williams ist eine Alternative

Stuttgart. Pascal Wehrlein hat schnell gelernt. „Dass Nico Rosberg seinen Vertrag bei Mercedes bis 2018 verlängert hat, hat mich überrascht“, sagt der Rennfahrer bei einer Talkrunde, wenige Tage vor dem Großen Preis von Deutschland in Hockenheim am Sonntag (14 Uhr, RTL und Sky), „ich bin fix von meiner Beförderung ins Silberpfeil-Team im nächsten Jahr ausgegangen.“ Dabei grinst der 21-Jährige. Die Formel 1 ist Unterhaltung, da kann es nicht schaden, wenn man vor Publikum seinen Teil zu dieser Schau beiträgt.

In Wirklichkeit hat der junge Mann aus Worndorf genau damit gerechnet. „Warum sollte Mercedes momentan etwas ändern? Lewis Hamilton und Nico sind so dominant, das Team ist so dominant.“ Dabei hat Rosbergs Unterschrift auch Auswirkungen auf seine Laufbahn. Schließlich verzögert sie seinen Aufstieg ins Weltmeisterteam. „Im Moment gilt die ganze Konzentration der Aufgabe bei Manor“, stellt Mercedes-Motorsportchef Christian „Toto“ Wolff klar. Mit Unterstützung von Mercedes war der DTM-Champion vor dieser Saison beim Hinterbänkler-Team Manor untergekommen.

Von so einer Karriere hat Wehrlein nach seinem ersten Besuch eines Formel-1-Rennens in Hockenheim im Jahr 2000 zwar nur geträumt. Doch schon früh konnte er in den Nachwuchsklassen auf sich aufmerksam machen. 2010 hatte Teambesitzer Peter Mücke, Mercedes-Partner in der DTM und Formel 3, auf den jungen Mann aufmerksam gemacht. Umgehend wurde er ins Förderprogramm aufgenommen. Als Vizeeuropameister in der Formel 3 und DTM-Champion hat Wehrlein sein Talent bewiesen. Auch in der Formel 1 überzeugt er. Beim Großen Preis von Österreich wurde er Zehnter, holte den ersten Punkt für sich und sein Team. „Rennen wie Spielberg machen riesig Spaß, wenn man mit einem unterlegenen Fahrzeug auf Platz zehn fährt“, sagt er. „Das war das Highlight, das er setzen musste“, urteilt Wolff.

Offiziell verneint Wehrlein, dass er einen Karriereplan habe. Dagegen spricht sein Ehrgeiz. „Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich um Rennsiege kämpfen kann. Und dann um die Weltmeisterschaft.“ Momentan sei er davon jedoch sehr, sehr weit entfernt. Für Wolff ist das Jahr bei Manor trotzdem nicht vergeudet. Er verweist auf den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso, der seine Formel-1-Karriere bei Minardi begonnen hat. Die Italiener waren lange Jahre das Schlusslicht, wie es Manor momentan ist. „Pascal muss in diesem Team die Rolle des Teamleaders übernehmen, den Teamkollegen besiegen - das macht er im Moment. Und dann sich weiterempfehlen.“

Wolff dämpft zugleich die Hoffnungen. „Ob er noch ein Jahr bei Manor bleibt, ist eine Frage, die wir im Herbst entscheiden“, sagt er, „vielleicht öffnen sich andere Türen.“ Immerhin beliefert Mercedes auch die Rennställe von Williams und Force India mit Antriebseinheiten. Und so sagt Wolff: „Williams ist eine der Alternativen.“ Vielleicht tut sich aber auch im Mercedes-Werksteam schneller eine Tür auf als gedacht. Denn wenn Weltmeister Lewis Hamilton und Vize Nico Rosberg ihre Duelle auf der Piste mit noch größerer Intensität, also Kollisionen, führen sollten, könnte Mercedes einen Fahrer strafversetzen. Für Wolff ein Worst-Case-Szenario. Aber: „Wenn die Animosität auf einem Niveau ankommt, dass es für das Team unmöglich wird, kann das schon eine Überlegung sein.“ Natürlich hofft er, dass er zu dieser Maßnahme nicht greifen muss. „Ich weiß nicht, ob Lewis oder Nico bei Manor so viel Spaß hätten.“ Aber Pascal Wehrlein beim Mercedes-Werksteam sei „absolut eine denkbare Variante“.