Olympia

Australien hält das Olympische Dorf für unbewohnbar

Blockierte Toiletten, undichte Rohre, freiliegende Strohkabel im Olympischen Dorf sorgen nicht nur bei Australiens Athleten für Ärger.

Das Olympische Dorf mit seinen 31 Hochhäusern, jedes 17 Stockwerke hoch, ist für die maximal 18.000 Athleten alles andere als eine Wohlfühloase

Das Olympische Dorf mit seinen 31 Hochhäusern, jedes 17 Stockwerke hoch, ist für die maximal 18.000 Athleten alles andere als eine Wohlfühloase

Foto: Buda Mendes / Getty Images

Rio de Janeiro.  Die Mängelliste liest sich dramatisch angesichts der Tatsache, dass hier in wenigen Tagen über 10.000 Sportler wohnen sollen. „Blockierte Toiletten, undichte Rohre, freiliegende Stromkabel, dunkle Treppenaufgänge, wo kein Licht installiert wurde, verdreckte Böden, die eine intensive Reinigung erfordern“, listet Australiens Delegationschefin Chef Kitty Chiller frustriert auf.

Die Konsequenz: Kein Teammitglied zieht vorerst in das Olympische Dorf in Rio de Janeiro ein. Neben 410 Sportlern umfasst das Team rund 300 weitere Delegationsmitglieder. Die ersten ankommenden Sportler werden nun in Hotels untergebracht, Mittwoch will man entscheiden, ob die Mängel behoben werden konnten.

Für die Organisatoren der ersten Olympischen Spiele in Südamerika ist das mehr als peinlich. Und der für seinen flapsigen Stil bekannte Bürgermeister Eduadro Paes fördert nicht gerade die Laune bei den Australiern, als er meint, man könne auch Kängurus herschaffen, damit die Australier sich hier wohlfühlen.

„Wir brauchen keine Kängurus, wir brauchen Klempner“

„Wir brauchen keine Kängurus, wir brauchen Klempner, um die ,Schwimmbäder’ in den Apartments zu beheben“, lässt das Olympische Komitee Australiens pikiert mitteilen. Chiller meint, so etwas habe sie noch nicht erlebt. Die Australier sind nicht allein, auch die Briten oder Neuseeländer klagen über Mängel. Aus der australischen Delegation heißt es, viele Apartments seien „unbewohnbar“. Am Sonntag hatte die Anlage mit 31 Hochhaustürmen ihre Pforten geöffnet.

„Es ist nicht alles wirklich sauber und fertig, es ist halt etwas brasilianisch“, sagte Michael Trummer, Chef-Bundestrainer der Kanuten, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Von 99 Wohneinheiten der deutschen Mannschaft seien 40 bewohnbar. Die Außenanlagen seien noch nicht olympiareif, das sei 2004 in Athen nicht anders gewesen, sagte Stefan Henze, Disziplin-Bundestrainer der Kajak-Damen.

Am Sonnabend hatten die Australier einen „Stresstest“ für ihre Wohnungen unternommen. „Der ist schiefgegangen“, sagt Chiller. Alle Wasserhähne und Toilettenspülungen wurden dabei auf mehreren Etagen gleichzeitig bedient. „Wasser kam Wände herunter, es gab einen starken Geruch von Gas in einigen Wohnungen und einen Kurzschluss“. Das Olympische Dorf sei weder sicher noch fertig, meint Chiller.

Das Organisationskomitee räumt ein: Ja, es gebe Mängel. „Arbeiter werden 24 Stunden am Tag arbeiten, bis die Probleme gelöst sind.“ Bis zu 500 Personen sollen das Dorf nun fit machen. Im Olympischen Dorf werden bis zu 18.000 Menschen wohnen – sie können schlecht in Hotels untergebracht werden, die sind rund um den Olympiapark fast komplett ausgebucht. Die Delegationen der USA, Niederlande, Italien und Brasilien sollen sogar aus eigener Tasche Spezialtrupps bezahlt haben, um die Probleme zu lösen.

Bauherr ist in Korruptionsskandal verwickelt

In manchen Zimmern wurde alles, was tragbar ist, von Arbeitern mitgenommen. Lampen, Spiegel, Toilettendeckel. Auf den letzten Drücker mussten die Hausmeister auch noch Defekte in den Bereichen Strom, Gas und Wasser beheben, bevor die Quartiere übernommen wurden. Die Wohnungen sind mit Billigbetten und Plastik-Kleiderschränken bestückt, bis kurz vor der Eröffnung wirkte vieles unfertig.

Das Athletendorf ist ein umstrittenes Projekt. Gebaut wurde die Anlage „Ilha Pura“ (Reine Insel) vom Milliardär Carlos Carvalho, zusammen mit dem im Fokus eines Korruptionsskandals stehenden Baukonzern Odebrecht. Nach Olympia soll alles aufgehübscht und die 3604 Apartments an zahlungskräftige Bürger verkauft werden.

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