Sport

Clemens Prokop: „Die Entscheidung ist problematisch“

Reaktionen zum IOC-Urteil für Russlands Olympia-Teilnahme

Witali Mutko (Sportminister Russlands): „Die Kriterien sind sehr hart, aber ich bin überzeugt, dass die meisten Athleten sie erfüllen. Wir werden für einen sauberen Sport kämpfen. Nur uns zu kritisieren, scheint mir nicht ganz korrekt. Doping ist nicht nur ein Problem Russlands.“

Clemens Prokop (Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes): „Angesichts des Cas-Urteils hätte es durchaus eine Grundlage für einen Komplettausschluss Russlands gegeben. Ich halte die Entscheidung für problematisch, hier entsteht leicht der Eindruck, dass politische Rücksichtnahmen höher gewichtet worden sind als die Frage der Glaubwürdigkeit des Sports. Angesichts des McLaren-Reports ist es für mich schwierig nachzuvollziehen, wie bei einer Art des Staatsdopings zwischen involvierten und nicht involvierten Athleten glaubwürdig differenziert werden kann.“

Alfons Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes): „Damit hat das IOC nun eine zweifelsohne schwierige, harte und in mehrfacher Hinsicht konsequente Entscheidung getroffen: Der erstmalige generelle Ausschluss aller vom Staatsdoping betroffenen Athletinnen und Athleten eines nationalen Teams zeigt, dass die Nulltoleranz-Politik auch künftig weltweit gilt. Im Sinne des Fairplay können nun aber die Sportler, die den Nachweis von Kontrollen außerhalb Russlands erbringen, eine Teilnahme erwirken.“

Siegfried Kaidel (Präsident des Deutschen Ruder-Verbandes und Sprecher der deutschen Spitzensportverbände): „Ein anderer Weg mit dem Ausschluss wäre das stärkere Zeichen im Kampf gegen Doping gewesen. Es wäre sicher auch das bessere Zeichen gewesen, wenn das IOC die Verantwortung übernommen und den Ball nicht an die internationalen Fachverbände weitergegeben hätte. Es bleibt angesichts der Vorwürfe von Staatsdoping auch die Frage, ob russische Athleten wirklich sauber oder eben nur nicht überführt worden sind.“

Jelena Issinbajewa (russische Stabhochsprung-Olympiasiegerin, in Rio nicht startberechtigt): „Ein kompletter Ausschluss der russischen Mannschaft wäre ein riesiger sportpolitischer Skandal gewesen. Das IOC hat das glücklicherweise verstanden, es kann sich im Moment auch keinen Skandal erlauben.“

Dagmar Freitag (Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages): „Ich halte das für keine gute Entscheidung. Die Verantwortung wird wieder an Dritte abgeschoben, diesmal an die internationalen Fachverbände. Das IOC hat sich gegen eine eindeutige Empfehlung der Welt-Antidopingagentur Wada ausgesprochen, in Sachen eines glaubwürdigen Anti-Doping-Kampfes ist dies das schlechteste Zeichen überhaupt.“