Formel 1

Nico Rosberg fährt mit Vollgas in die Zukunft

In Budapest beginnt auf dem Hungaroring das Wettrüsten für 2017. Nico Rosberg unterschreibt neuen Vertrag mit Mercedes bis 2018.

Nico Rosberg nimmt gern auch mal im historischen Rennauto Platz. In Budapest will der Wiesbadener seine WM-Führung verteidigen

Nico Rosberg nimmt gern auch mal im historischen Rennauto Platz. In Budapest will der Wiesbadener seine WM-Führung verteidigen

Foto: Uwe Anspach / dpa

Mogyorod/Salzburg.  Die aktuellen WM-Rivalen Nico Rosberg und Lewis Hamilton machten gerade ihre ersten Schritte. 15 ihrer Kollegen, von Sebastian Vettel bis Nico Hülkenberg und Pascal Wehrlein, waren noch nicht einmal geboren, als vor 30 Jahren die Formel 1 erstmals im Kommunismus antrat – vor über 300.000 Fans auf dem neuen Hungaroring.

Der Grand Prix von Ungarn ist seither ein Fixpunkt im Kalender, wurde in den letzten Atemzügen des Kommunismus vor allem von ostdeutschen und polnischen Fans genauso gestürmt wie später von Finnen, Polen, Deutschen und natürlich Österreichern, die lange Zeit 15 Kilometer nordöstlich von Budapest ihren Ersatz-GP feierten.

Einziges Rennen in Europa, das vom Staat subventioniert wird

Der Grand Prix von Ungarn ist auch nach der politischen Wende der einzige europäische WM-Lauf, der durch Staatsgelder subventioniert ist und sich daher ohne Diskussionen im Zirkus von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hält.

Doch auch an diesem Wochenende wird der Zuschauerschwund die Ungarn treffen, mehr als die 50.000 Zuschauer am Rennsonntag (14 Uhr, RTL und Sky) wie zuletzt in Spielberg in Österreich werden auch auf dem Hungaroring nicht zugegen sein.

Begann vor 30 Jahren in Ungarn die Osterweiterung der Formel 1, so beginnt jetzt, eine Woche vor dem deutschen Grand Prix in Hockenheim und der folgenden Sommerpause, das Wettrüsten der Teams für 2017. Denn dann stehen die gravierendsten Regeländerungen seit der Saison 2014 (Beginn der Hybridphase) an. Neue Autos mit größerer Dimension, weiterentwickelte Antriebe, neue, breitere Reifen – das alles wird um bis zu fünf Sekunden schnellere Rundenzeiten ermöglichen.

Mercedes am besten gerüstet für Hybridtechnik

Da ist es kein Wunder, wenn immer mehr Teams zugeben: Wir fahren die Arbeiten am jetzigen Auto zurück und konzentrieren uns mehr und mehr auf die Arbeit für das neue Modell. Was im Fall von Weltmeister Mercedes am wenigsten verwundert: Die deutsch-britische Mannschaft mit ihren Wiener Chefs hat in der Saison 2013, als Sebastian Vettel und Red Bull in der WM davonfuhren, früh erkannt, dass sie auf die Zukunft setzen muss.

Das Resultat der Strategie ist bekannt: Kein anderes Team und kein anderer Motorenhersteller war derart gerüstet für die neue Hybridtechnik wie Mercedes. Die WM-Titel 2014 und 2015 wurden intern ausgefahren. Und 2016 wird es nicht anders sein. Denn Mercedes muss im Rest der laufenden Saison nur auf zwei Faktoren aufpassen: auf die Standfestigkeit des eigenen Wagens und das Temperament bzw. die Vernunft seiner Chauffeure.

Denn wenn der F1 W07 Hybrid (wie das Auto genannt wird) hält und sich Hamilton und Rosberg nicht wieder gegenseitig abschießen, ist die WM für die Silberpfeile gelaufen. Die Konkurrenz kann nur um die Ehrenplätze kämpfen, und da hat Red Bull speziell auf dem kurvigen Hungaroring bessere Chancen als Ferrari, wo die Debatte um Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene nach jüngsten Enttäuschungen wieder ausbrach. Und wo Medienberichte über eine Rückkehr von Ross Brawn für Zündstoff sorgten.

Rosberg droht Ablösung an der Spitze der WM-Wertung

„Jede Woche müssen wir analysieren, wie viele Ressourcen wir noch ins 2016er-Auto einbringen und wie viele wir für 2017 aufwenden. Das ist keine leichte Entscheidung, aber wer nicht früh mit der Arbeit für nächste Saison beginnt, kommt schnell ins Hintertreffen gegenüber anderen Teams“, erklärte Christian Wolff, Motorsportchef bei Mercedes.

Mit dem Fokus auf 2017 arbeiten andere bereits, am frühesten hat Renault nach der dieses Jahr desaströsen Saison umgeschwenkt. Was das fahrende Personal betrifft, sind die Entscheidungen in den Topteams längst gefallen. Und Nico Rosberg teilte Freitag selbst über Twitter mit, dass der neue Mercedes-Vertrag bis 2018 endlich unterschrieben sei. Mercedes stellte ein Video online, das Rosberg und Wolff beim Signieren zeigt: „Es ist vollbracht.“

Eine zusätzliche Motivation für den Deutschen, der nur mehr einen Punkt Vorsprung auf den Briten hat? Vielleicht. Aber: Hamilton hat in Ungarn schon vier Mal gewonnen, Rosberg noch nie. Es wird richtig zur Sache gehen. Rosberg jedenfalls droht am Sonntag erstmals in diesem Jahr der Verlust der WM-Führung, nach 126 Tagen an der Spitze. Hamilton kann aus eigener Kraft am Deutschen vorbeiziehen.

Offenbar beflügelt von seiner Vertragsverlängerung hat Rosberg den Auftakt des Großen Preises von Ungarn dominiert. Er drehte in 1:20,435 Minuten die mit Abstand schnellste Runde auf dem Hungaroring und profitierte dabei vom Pech seines Teamrivalen Hamilton. Der Engländer verpasste nach einem Unfall am Freitagnachmittag mehr als eine Stunde des freien Trainings.