Kommentar

Jetzt ist das IOC gefordert

Warum Russlands Sportler nicht in Rio antreten dürfen. Das IOC muss Farbe bekennen und soll nicht mehr rumeiern, meint Dietmar Wenck.

Steht vor einer schwierigen Entscheidung: IOC-Chef Thomas Bach

Steht vor einer schwierigen Entscheidung: IOC-Chef Thomas Bach

Foto: Martial Trezzini / dpa

Jetzt ist Thomas Bach am Zug. Der oberste Sportgerichtshof Cas hat am Donnerstag für rechtmäßig erklärt, dass die russischen Leichtathleten nicht bei den Olympischen Spielen in Rio antreten dürfen. Dieser Cas wurde vor mehr als 30 Jahren auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegründet mit dem Ziel, in Streitfragen als letzte sportrechtliche Instanz zu entscheiden. IOC-Präsident Bach hatte im Vorfeld ausdrücklich auf die Bedeutung des ausstehenden Urteils verwiesen. Kann er nun etwas anderes verkünden als den Ausschluss des gesamten russischen Sports von den Spielen?

Die Beweislage ist eindeutig. In Russland wurden Sportler systematisch mit staatlicher Unterstützung gedopt. Wie durch den am Montag veröffentlichten McLaren-Report belegt wurde, beileibe nicht nur Leichtathleten. Dass Präsident Wladimir Putin bis auf Sportminister Witali Mutko die wichtigsten Vertreter des Betrugsdezernats suspendierte, ist ein Schuldeingeständnis. Aber die Erkenntnis, etwas verändern zu müssen, kommt viel zu spät.

Strafe muss sein. Das IOC will sich Zeit nehmen, die Cas-Urteilsbegründung genau zu studieren. Es wird erkennen, dass die juristische Basis da ist für den Ausschluss eines kompletten Teams. Gleichzeitig will es Zeit gewinnen, um vielleicht einen Schlupfweg zu finden, wie wenigstens einige russische Sportler doch ihr Ticket nach Rio bekommen können, unter welcher Flagge auch immer. Es geht auch um die Chance der Gesichtswahrung.

Viele sagen, es gehe hier um die Verteidigung der Glaubwürdigkeit des Spitzensports. Sie übersehen, dass da nicht mehr viel zu verteidigen ist. Alle Welt weiß inzwischen doch, da wird gedopt, geschmiert, betrogen und in die eigene Tasche gewirtschaftet. Nicht nur in Russland. Aber das IOC hat jetzt die Chance, ein kleines bisschen Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Wenn Thomas Bach nicht rumeiert, sondern eine klare Entscheidung trifft.