lausanne

Tage des Donners

Das IOC will spätestens bis zum 26. Juli über einen Ausschluss des dopingverseuchten russischen Sports von Olympia in Rio entscheiden

lausanne. IOC-Präsident Thomas Bach ist 1976 Fecht-Olympiasieger mit dem feinen Florett geworden, das auch stets seine Waffe auf dem sportpolitischen Parkett war. Im kniffligen Fall eines Olympia-Ausschlusses von Russland soll er mit dem Säbel rasseln und seinen Worten von Null-Toleranz bei Doping Taten folgen lassen. „Wir brauchen jetzt einen Präsidenten im Internationalen Olympischen Komitee, der seiner Führungsrolle nachkommt und Führungsstärke zeigt“, sagte Dagmar Freitag, Sportausschussvorsitzende des Deutschen Bundestages.

Das IOC will erst das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas am Donnerstag abwarten, ob der Berufung von 68 russischen Leichtathleten gegen die vom Weltverband IAAF verfügte Suspendierung von den Rio-Spielen stattgegeben wird oder nicht. „Die aktuelle Situation ist mit keiner früheren vergleichbar. Es gibt dafür keine Blaupause“, sagte Freitag. Gemeint ist damit der schockierende Russen-Report von Richard McLaren über staatlich verordnete Doping-Manipulationen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi und darüber hinaus.

Bisher sah es so aus, als würde Bach eher nach einem Ausweg suchen, den kompletten Ausschluss Russlands von den Sommerspielen zu vermeiden. Dennoch versicherte er, die „härtest möglichen Sanktionen“ zu ergreifen. Zuvor sollen die Juristen aber prüfen, welche rechtlichen Optionen es für einen Ausschluss aller russischer Athleten gebe und wie sie mit dem individuellen Recht des einzelnen Sportlers vereinbar seien.

Freitag würde Sanktionen knapp unterhalb eines kollektiven Ausschlusses noch für angebracht halten. Ein Start dürfte aber „allenfalls unter neutraler Flagge“ erfolgen, „so wie es der Internationale Leichtathletik-Verband fordert“. Sie betonte: „Wenn die russische Fahne in Rio de Janeiro zu sehen ist, wird das aufgrund der aktuellen Sachlage niemand verstehen können, der sich einem sauberen, integren Sport verpflichtet fühlt.“ Das Strafmaß will das IOC bis Dienstag verkünden. In Russland hat man offenbar schon detaillierte Erkenntnisse über den Zeitpunkt. Wie es hieß, rechnet man in Moskau am Sonntag mit einer Entscheidung.

„Alles andere als eine Bestätigung wäre von der sportpolitischen Wirkung her eine Katastrophe, weil systematischer Betrug damit eine Art von Legitimierung erhalten würde“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bezüglich der Cas-Entscheidung am heutigen Donnerstag. Ihm falle es schwer, „eine Maßnahme unterhalb eines Komplettausschlusses der Russen zu sehen, die die Glaubwürdigkeit des Sports bewahren würde“. Eine Kehrtwende hat die Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes vollzogen, die zunächst ein Olympia-Startrecht für nachweislich saubere russische Sportler gefordert hatte. Nun sprach sich das Gremium „aufgrund der erdrückenden Beweise für einen Ausschluss“ der kompletten Mannschaft aus. Der Deutsche Tischtennis-Bund und der Deutsche Handballbund sind gegen den Ausschluss der Russen in ihren Sportarten.

IOC-Mitglied Dick Pound, früherer Chef der Welt-Anti-Dopingagentur, die den McLaren-Bericht initiierte, erklärte, dass das IOC sehr zurückhaltend auftrete, sobald es um die Aussperrung einer ganzen Nation geht. „Wenn du so etwas Dramatisches machst, dann willst du sicher sein, dass du im Vorfeld nicht irgendetwas übersehen hast, was dich später zu Fall bringen könnte“, sagte Pound der BBC.