Berlin

Volleyballer dürfen wieder auf Start bei Olympia hoffen

Deutsche Athleten könnten von Russlands Rio-Aus profitieren

Berlin.  Noch ist das Urteil über das Olympia-Aus Russlands nicht gefallen (siehe großer Text links), doch schon jetzt sind deutsche Athleten als Nachrücker für die Sommerspiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) im Gespräch. Allen voran die deutschen Volleyball-Männer, die beim Qualifikationsturnier in Berlin Anfang des Jahres auf tragische Weise nur denkbar knapp scheiterten. „Wir wissen nicht, wie unsere Chancen aussehen, weil der Weltverband für den Fall noch keine klaren Kriterien aufgestellt hat. Wir warten mal ab“, sagte Generalsekretär Jörg Ziegler vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV).

Die Chancen stünden im Fall der Fälle jedoch gut. Das Nationalteam scheiterte beim europäischen Quali-Turnier in Berlin im Spiel um Platz drei nur denkbar knapp mit 2:3 an Polen. Polen und der Zweitplatzierte Frankreich lösten später bei einem weiteren Turnier in Japan ihre Rio-Tickets. Turniersieger in Berlin wurde Russland.

Und der DVV hat ein weiteres Eisen im Feuer. Die Beachvolleyballer Jonathan Erdmann und Kay Matysik (Berlin) sind laut olympischen Rankings erste Kandidaten auf die womöglich frei werdenden Plätze. Bislang ist Deutschland nur mit einem Duo in Rio vertreten. Fraglich bleibt aber, ob die Athleten allesamt in Form sind und ob der Verband auch die nötige Anzahl an Sportlern, Trainern und Betreuern in so kurzer Zeit an den Start bringen kann.

Pechstein könnte rückwirkend die Bronzemedaille erhalten

Das ist in den Einzelsportarten einfacher. So spekuliert der Deutsche Boxsportverband (DBV) durch das mögliche Russland-Aus darauf, in Rio doch noch eine Frau in den Ring schicken zu können. Auch hier stehen die Chancen gut. Vize-Europameisterin Sarah Scheurich (Schwerin/75 kg) war beim Quali-Turnier in Samsun/Türkei im Halbfinale an Jaroslawa Jakuschina gescheitert und musste der Russin das Ticket überlassen. „Es wäre nur gerecht, wenn sie jetzt nach Rio fahren dürfte“, sagte DBV-Sportdirektor Michael Müller. Hoffnungen auf einen Nachrücker-Platz macht sich auch der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG).

Bei den Winterspielen 2014 in Sotschi gewann Gastgeber Russland insgesamt 33 Medaillen. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach den Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada diese Medaillen nachträglich aberkennen, könnten deutsche Sportler davon profitieren, allen voran die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin würde bei einer Aberkennung der Bronzemedaille der Russin Olga Graf auf Rang drei über 3000 Meter landen. Im Biathlon könnte die deutsche Männerstaffel sogar nachträglich Gold zugesprochen bekommen. Das Chemnitzer Eislaufpaar Aljona Savchenko und Robin Szolkowy würde bei einer Disqualifikation der russischen Paare Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow und Ksenija Stolbowa/Fjodor Klimow sogar vom dritten Platz aufs oberste Treppchen vorrücken.