Fußball

Dem DFB gehen die Olympia-Kandidaten aus

Der DFB hat Probleme, sein Team für Rio zusammenzustellen. Trainer Hrubesch muss die Nominierung verschieben - das betrifft auch Hertha

Ob U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch (l.) und Herthas Niklas Stark gemeinsam in Rio auftauchen, bleibt abzuwarten

Ob U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch (l.) und Herthas Niklas Stark gemeinsam in Rio auftauchen, bleibt abzuwarten

Foto: Foto RAUCHENSTEINER / picture alliance / Augenklick/Ra

Berlin.  Als hätten sie nicht schon lange genug gewartet: Mitchell Weiser (22) und Niklas Stark (21) mussten reichlich Geduld aufbringen am Donnerstag, dem Tag, an dem U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch seinen Olympia-Kader bekannt geben wollte. Berechtigte Hoffnungen auf ein Ticket nach Rio hatten sich beide Profis von Hertha BSC gemacht. „Natürlich würde ich gerne in Brasilien spielen“, sagte Weiser erst vergangene Woche.

Einmal im Fußball-Mekka Maracana auflaufen oder im olympischen Dorf auf Tuchfühlung gehen mit den Basketball-Stars aus der NBA. „Das sind Erlebnisse, die man nicht kaufen kann“, betonte auch Stark.

Doch das Hufescharren half nichts. Hrubesch (65), Züchter von Haflingern und passionierter Angler, legte die ihm eigene Ruhe an den Tag. Bei Hertha ging das Vormittagstraining ins Land. Nichts. Nachmittags Kondition bolzen. Nichts. Kurz vor halb sechs teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dann mit, dass die Kader-Nominierung auf den heutigen Freitag verschoben wird.

Kader-Nominierung verschoben

„In den vergangenen Wochen haben wir viele persönliche Gespräche und unzählige Telefonate geführt, um trotz der schwierigen Nominierung eine starke Mannschaft nach Brasilien zu schicken“, wurde Sportdirektor Hansi Flick zitiert, der „die beste Lösung für den DFB erreichen“ will.

Leichter gesagt als getan, denn trotz der Fülle an hoffnungsvollen Talenten (bis auf drei Ausnahmen müssen alle Olympia-Fußballer nach dem 31.12.1992 geboren sein) haben Hrubesch und Flick mit etlichen Hindernissen zu kämpfen.

Als erste Blockade erwies sich der Löw’sche EM-Kader. Kimmich, Draxler, Sané und Weigl, dazu Can und Tah – sie alle schieden laut DFB-Vorgabe für Rio aus. Blockade zwei: die Absprachen mit den Klubs. Spieler, die im Sommer den Verein wechseln, sollen sich optimal integrieren können. Für Timo Werner (von Stuttgart nach Leipzig) oder Yannick Gerhardt (von Köln nach Wolfsburg) gleichbedeutend mit dem Olympia-Aus.

Ungewissheit auch bei Herthas Weiser und Stark

Blockade drei: das Termin-Dilemma. Klubs, die in der Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb spielen, täte eine Abstellung besonders weh. Das betrifft Mönchengladbach (Mo Dahoud), aber auch Hertha. Die Termine für die Europa-League-Quali (28. Juli, 4. August) kollidieren mit dem olympischen Turnier (4.-20. August) und der DFB-Vorbereitung (ab 27. Juli). Und eine Pflicht zur Freigabe besteht laut Fifa-Statut ausdrücklich nicht.

„Die Chance auf Olympia hat man nur einmal im Leben“, hatte Hertha-Trainer Pal Dardai gesagt, „aber der DFB muss wissen, dass Niklas und Mitch Leistungsträger sind und es für uns um viel geht.“ Dass die Berliner ihren Jungstars eine Rio-Reise verwehren könnten, hatte sich angedeutet.

Die „herausragende Kommunikation mit den Klubs“, von der Flick schwärmte, war wohl nicht herausragend genug, anders ist die Verzögerung bei der Nominierung kaum zu erklären. Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick hatte vor Wochen angekündigt: „Wir stellen ab, wenn alle Vereine abstellen.“ Man darf gespannt sein, welche 18 Spieler Hrubesch heute nun präsentiert.

Heftige Kritik von Harting & Co.

Auf Kritik dürfen sich die Fußballer so oder so gefasst machen. Der stiefmütterliche Umgang mit Olympia sorgt bei anderen Sportlern jedenfalls nur für Kopfschütteln. „Die, die absagen, können es sich schlichtweg leisten“, sagt der Berliner Diskus-Olympiasieger Robert Harting.

Leichtathleten, Schwimmer und die meisten anderen Olympioniken können von den Einkünften eines durchschnittlichen Bundesligaprofis meist nur träumen. Für sie ist das Abschneiden beim größten Sportevent der Welt essenziell.

Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste nahm sich vor den Fußballern schon mal den britischen Golfer Rory McIlroy vor, der Rio als „belanglos“ abgetan hatte. „Rory, du bist ein Idiot“, schrieb Fürste bei Facebook. „Du bist kein Sportler. Kein echter. Du bist Geschäftsmann. Mehr nicht.“