Pferdesport

Isabell Werth hofft auf ihr sechstes Olympiagold in Rio

Zum Dressur-Team gehört auch der Sohn ihrer früheren Rivalen. Der CHIO in Aachen ist der letzte große Test vor Olympia.

Isabell Werth mit der elfjährigen Stute Weihegold in Aachen

Isabell Werth mit der elfjährigen Stute Weihegold in Aachen

Foto: Friso Gentsch / dpa

Aachen.  Der berufsbedingte Schnupperkurs von Isabell Werth (46) in Rio de Janeiro liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Als einzige deutsche Dressurreiterin nahm sie in der Olympiastadt damals an einem Turnier der Global Champions Tour teil – gegen überschaubar starke internationale Konkurrenz.

Auf dem Wallach Warum Nicht siegte sie in Grand Prix und Kür, behielt die Tage im September 2011 aber unabhängig davon in guter Erinnerung. „Das war toll. Ich mag Brasilien und finde insbesondere Rio eine großartige Stadt“, sagt Werth der Morgenpost. Jetzt steht ihr nächster Trip an die Copacabana kurz bevor.

Wenn es beim CHIO keine dramatischen Ausfälle oder Verletzungen gibt, wird Isabell Werth am 1. August in das Flugzeug nach Rio steigen. Gemeinsam mit Kristina Bröring-Sprehe, Dorothee Schneider und Sönke Rothenberger.

Klarer Auftrag der Bundestrainerin

Ihre abholbereiten Tickets für die Olympischen Spiele wollen die zuletzt auftrumpfenden Dressurreiter nun in Aachen einkassieren, nicht zuletzt der 22-jährige Sönke Rothenberger.

Dessen Eltern Sven und Gonnelien gewannen mit den Niederlanden 1996 olympisches Mannschaftssilber. Hinter den deutschen Reitern mit Isabell Werth – die den Shooting-Star des Teams nun wohlwollend begrüßt. „Der Mann in unserer Mitte ist jung, hat nichts zu verlieren“, findet sie. „Zudem hat Sönke ein super Pferd – und sicherlich den Vorteil der Unbedarftheit, im positiven Sinne.“

Bei der Reise über den Atlantik mit im Gepäck ist ein klarer Auftrag von Monica Theodorescu. „Wir wollen Gold mit der Mannschaft plus eine Einzelmedaille“, so die Dressur-Bundestrainerin. Die starken Auftritte bei den Deutschen Meisterschaften im Juni haben die Erwartungen nur weiter befeuert.

Zwei andere Frauen sind feste Größen

Dorothee Schneider, auf dem zehnjährigen Wallach Showtime in der Kür überraschend zu ihrem ersten nationalen Meistertitel geritten, ist seit vielen Jahren als exzellente Ausbilderin und Reiterin bekannt.

Mit der Mannschaft gewann sie 2012 olympisches Silber – ebenso wie Kristina Bröring-Sprehe, die mit ihrem Hannoveraner Hengst Desperados seit vier Jahren eine feste Größe im deutschen Team ist. „Das ist unser erfahrenstes Paar, zudem hat Kristina in den letzten Jahren sehr viel an Coolness und Erfahrung dazugewonnen“, urteilt Werth, als fünfmalige Olympiasiegerin in Sachen Routine unerreicht.

In diesem Frühjahr musste die examinierte Juristin, bei den Spielen von London nur Zuschauerin, allerdings einen sportlichen Rückschlag verkraften: Bella Rose und Don Johnson, ihre beiden besten Pferde, fielen nach Verletzungen für Rio aus. „Da war ich emotional sehr in der Schieflage, bin in ein Loch gefallen“, erzählt Werth.

Zwei neue Pferde schenken ihr wieder Hoffnung

Aus dieser Krise halfen der 46-Jährigen unter anderem zwei Vierbeiner, die in ihrem Reitstall lange etwas im Hintergrund standen: die elfjährige Stute Weihegold und der zehnjährige Wallach Emilio.

„Irgendwann hat man seine Wunden geleckt. Und wenn dann die Pferde auch noch mitspielen – als wollten sie mir sagen: Wir sind auch noch da, lass‘ dich mal nicht hängen –, kommt eben eins zum anderen“, sagt die Frau, die neben vier Olympiasiegen mit der Mannschaft 1996 in Atlanta zudem in der Einzelwertung triumphierte.

Sowohl Weihegold als auch Emilio starten in Aachen, am Mittwoch ritt Werth beim Grand Prix aber zunächst auf Belantis, einem jungen, sehr talentierten Hengst. Mit den Konkurrenten aus den Niederlanden kann sich Deutschlands Elite beim CHIO allerdings nicht messen, sie tragen zeitgleich ihr nationales Championat aus.