Boxen

Arthur Abraham kämpft in Berlin um seinen Ruf

Der Berliner boxt den 50. Profikampf nur im Rahmenprogramm. Warum für den gebürtigen Armenier trotzdem viel auf dem Spiel steht.

Foto: Christian Kolbert / picture alliance / kolbert-press

Berlin.  Nichts ist so, wie es Arthur Abraham sich im Vorfeld seines 50. Kampfes als Boxprofi vorgestellt hatte. Absolut nichts. Der Traum von einer Titelvereinigung in Berlin oder den USA gegen einen Champion eines anderen Weltverbandes zum Jubiläum verglühte im Frühjahr 2016 unter der sengenden Sonne von Las Vegas.

Dort deklassiert vom Mexikaner Gilberto Ramirez steht der 36 Jahre alte Ex-Champ am Sonnabend in der ausverkauften Schmeling-Halle nun dem unbekannten Norweger Tim-Robin Lihaug (23) gegenüber.

Den Hauptkampf um die Krone im Supermittelgewicht des Weltverbandes WBA bestreiten aber der italienische Titelverteidiger Giovanni de Carolis und Abrahams Teamkollege Tyron Zeuge. Abraham nur als Rahmenkämpfer – das gab es in den letzten zehn Jahren nicht mehr.

Gegen Lihaug kämpft Abraham um sein Andenken

Und doch ist Arthur Abraham hinter Schwergewichtler Wladimir Klitschko der populärste Vertreter der hiesigen Faustkampfszene. Noch. Denn der Berliner, 2005 erstmals Weltmeister im Mittelgewicht, später auch im Supermittel, hat in Las Vegas einiges an Kredit verspielt.

Zu blutleer die Vorstellung gegen einen Kontrahenten der unbequem aber nicht unbesiegbar war. Am Sonnabend (ab 22.50 Uhr bei Sat.1) steht Abraham mit dem Rücken zur Wand wie noch nie in seiner Karriere. Das Duell mit Lihaug entscheidet darüber, wie er im Gedächtnis bleibt.

Bei einem klaren Sieg gelingt vielleicht der erneute Griff nach einem Titel. Was auch für seinen Arbeitgeber, dem Berliner Team Sauerland und TV-Partner Sat.1 enorm wichtig wäre.

An ihm hängt der neue TV-Vertrag

Halbwegs zufriedenstellende TV-Quoten erreichten zuletzt nur König Arthur und mit Abstrichen noch Halbschwergewichts-Champion Jürgen Brähmer, Sauerlands wohl komplettester, aber nicht ganz so spektakulärer Boxer.

Mit dem Berliner steht und fällt vermutlich die finale Ausgestaltung des derzeit zu verhandelnden neuen TV-Vertrages. Abraham wird, so es denn zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Sat.1 kommt, als Sieger gebraucht, denn seinem designierten Nachfolger Tyron Zeuge fehlt es an Popularität und definitiv noch an Charisma. Was bei einem 24-Jährigen aber mit geschickter Führung positiv zu verändern ist.

Arthur Abraham hat es geschafft, in den 13 Jahren seiner Karriere sich vom Sparringspartner des bislang als einzigem ungeschlagen abgetretenen deutschen Weltmeisters Sven Ottke hochzuarbeiten und dann mit genialen Auftritten als Boxer mit der Schlumpfmütze, Abra-Hammer und König Arthur eine Boxfan-Generation zu begeistern.

Wie er einen Platz in den Boxbüchern ergatterte

Nie unumstritten (manche schwärmten eher von Felix Sturm), aber durchweg beliebt. Eloquent, zielstrebig (wenn er Bock hatte), mit einer Portion Schlitzohrigkeit und bei Bedarf gnadenloser Härte gegen sich selbt.

Die Schlacht von Wetzlar im September 2006 gegen den Kolumbianer Edison Miranda hat Abraham auf jeden Fall einen Platz in den Boxbüchern gesichert. Acht von zwölf Runden mit doppelt gebrochenem Unterkiefer gekämpft – und gewonnen. Das zählt ein Boxerleben lang. 44 Siege, davon 29 durch K.o. stehen fünf Niederlagen gegenüber. Seine WM-Erfolge haben den ehemaligen Radrenn-Amateur zum Millionär gemacht.

Sportlich darf er für sich in Anspruch nehmen, sowohl im Mittel- als auch im Supermittelgewicht mit seinen jeweils besten Kämpfen den Sprung in die Top Ten weltweit geschafft zu haben. Das spicht für sich. Eine unbestrittene Nummer eins zu sein, war Arthur Abraham allerdings nie vergönnt. Zum Teil auch, weil es keine regelmäßigen Vergleichskämpfe unter den Champions der Weltverbände gab und gibt. Gefehlt zum Superstar haben ihm schon immer ein Tick Technik und ein Tick Schnelligkeit.

Allgemeiner Respekt trotz Schnitzern

Sein Interesse für Geschäftliches neben dem Boxen, seine stets offene Art, sein Engagement für Benachteiligte, aber auch sein (bei Bedarf) treuer Dackelblick führten dazu, dass man dem Sohn armenischer Einwanderer Respekt entgegenbringt – und auch mal einen Schnitzer wie Tempo 231 statt 80 im schwarzen Ferrari durchgehen ließ.

Kampf Nummer 50 lässt Arthur Abraham auf die Zielgerade seiner Karriere einbiegen. Wie lang oder kurz diese sein wird, entscheidet sich in wesentlichen Teilen am Sonnabend vor seinem „Lieblingspublikum“. Seine Sicht der Dinge lässt sich kurz zusammenfassen. „Deutschland hat mir alles ermöglicht, was ich bin.

Die Chance, im Sauerlandteam Profi zu werden, war ein ganz großes Glück“, sagt Abraham, im Vorjahr noch zu Berlins Sportler des Jahres gewählt. Seine sportlichen Stärken bringt Abraham allenfalls auf Nachfrage ins Gespräch. Er hat es genossen, Boxer zu sein. Wie intensiv er das auch künftig noch tun will, muss der werdende Vater – im September erwartet seine Frau Mary den ersten Nachwuchs – nun Sonnabend zeigen.