Berlin

Löw will nach Moskau

Der Fußball-Bundestrainer bekennt sich nach kurzer Auszeit zum Nationalteam und führt die Mannschaft auch zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Berlin. Er war untergetaucht, aber doch nicht so weit, dass ihn keiner mehr orten konnte. In Freiburg hielt sich Joachim Löw auf, auch in Berlin wurde er gesehen. Er machte Fotos mit Fans, ging ins Fitnessstudio – und vor allem dachte er nach. Über sich, seine Aufgabe, seine Mannschaft. Am Ende kam heraus, was viele gehofft hatten. Der 56-Jährige will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland führen.

Am Dienstag konnte Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), nach einem Telefonat mit Löw aus der Frankfurter Verbandszentrale die gute Nachricht verkünden. Der Bundestrainer glaubt nach dem Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft weiterhin an das Vermögen seines Teams, das am vergangenen Donnerstag im Halbfinale mit 0:2 gegen Gastgeber Frankreich verloren hatte. Und er glaubt daran, mit dieser Mannschaft die historische Titelverteidigung schaffen und sein Lebenswerk als Fußball-Lehrer triumphal abrunden zu können. „Ich bin sicher, sie wird uns noch viel Freude bereiten, so dass auch meine Freude weiterhin ungebrochen groß ist, mit diesen Spielern zu arbeiten und sie mit Blick auf die WM 2018 in Russland weiter zu entwickeln“, wurde Löw in einer Mitteilung des Verbandes zitiert.

Der Bundestrainer hatte bei den deutschen Fans, aber auch bei einigen Beobachtern und Experten für Irritationen gesorgt, als er unmittelbar nach dem K.o. in Marseille gegen die Franzosen seine Zukunft offen gelassen hatte. Damit pflegte er aber im Grunde nur ein schon bekanntes Ritual. Nach der EM 2012 und sogar nach dem Triumph bei der WM 2014 in Brasilien gab es das Ja-Wort auch erst mit deutlicher Verzögerung. Diesmal dauerte es nur fünf Tage. Ernsthafte Zweifel am Weitermachen des Bundestrainers, der einen Vertrag bis 2018 besitzt, mit seinem Stab um Teammanager Oliver Bierhoff gab es wohl kaum.

„Ein Turnier bedeutet immer eine Zäsur. Wir alle waren nach dem Halbfinal-Aus natürlich enttäuscht, die Wochen vor und während der EM haben viel Kraft gekostet. Da sind ein paar Tage der Ruhe und des Abstands wichtig“, begründete Löw sein Verhalten. Nach einer ersten Turnieranalyse stehe für ihn fest: „Trotz unserer Enttäuschung hat die Mannschaft nicht enttäuscht.“ Zumal das Team das jüngste im Turnier gewesen war.

Für Verbandschef Grindel war es eine Frage des Respekts, Löw „nach einem so intensiven Turnier“ ein paar Tage Zeit zu gewähren, um mit etwas Abstand die Ereignisse analysieren zu können. „Wir hatten aber nie einen Zweifel daran, dass er seinen Weg entschlossen fortsetzen möchte und die Titelverteidigung bei der WM 2018 als großes, gemeinsames Ziel anstrebt. Jogi Löw ist der beste Trainer für diese Mannschaft“, sagte der 54-Jährige. Bei allen fünf Turnieren als Chef hat Löw mit der DFB-Auswahl immer mindestens das Halbfinale erreicht.

Auch diese einzigartige Bilanz bewog Grindel wohl schon im Turnierverlauf mehrfach dazu, sogar zu äußern, über 2018 hinaus mit Löw weiter zusammenarbeiten zu wollen. „Er hat unser uneingeschränktes Vertrauen, und wir sind sicher, mit ihm an der Spitze auch in Zukunft erfolgreichen Fußball zu spielen“, äußerte der Verbandschef nun nach der Einigung auf eine Vertragserfüllung.

Löw ist seit 2006 Cheftrainer der Nationalelf. Seit 2004 arbeitet er für den DFB, zunächst als Assistent des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann. Nur die Weltmeistertrainer Sepp Herberger und Helmut Schön haben das Team in mehr Länderspielen betreut als er.

Historische Verteidigung des Titels als großes Ziel

Löw hatte die EM in Frankreich ohnehin als eine Zwischenetappe auf dem Weg nach Russland bezeichnet. Schon zum Jahreswechsel 2015/16 benannte er seine weitere und zugleich wichtigste Mission deutlich: „Ich glaube, dass es etwas ganz, ganz Besonderes ist, wenn wir es schaffen würden, den Weltmeistertitel zu verteidigen. Das hat noch keine deutsche Mannschaft in der Geschichte geschafft.“

Bis zum nächsten großen Turnier ist der Weg weit und steinig. Das erste Länderspiel nach der EM steht für Löw und das DFB-Team am 31. August in Mönchengladbach gegen Finnland an. Vier Tage später startet der Weltmeister mit einem Auswärtsspiel in Oslo gegen Norwegen in die Qualifikation für die Endrunde 2018 in Russland. Weitere Gegner sind Tschechien, Nordirland, Aserbaidschan und San Marino. Nur der Gruppenerste löst direkt das WM-Ticket.