Tour de France

Froome erwartet den härtesten Kampf seiner Karriere

Titelverteidiger Froome überrascht seine Konkurrenten bei der Tour mit einer neuen Qualität. Eine alte Stärke fehlt bislang aber.

Fährt erneut in Gelb: der zweimalige Tour-de-France-Sieger Christopher Froome

Fährt erneut in Gelb: der zweimalige Tour-de-France-Sieger Christopher Froome

Foto: Chris Graythen / Getty Images

Andorra.  Bei der Frage nach dem Motordoping schmunzelte Christopher Froome (31) nur. Die Antwort überließ der Spitzenreiter der Tour de France seinem Teamchef. „Das ist so leicht nachzuweisen. Chris ist bei den Motor-Checks sicher der am meisten kontrollierte Fahrer“, sagte Dave Brailsford am ersten Ruhetag. Jemand hatte doch etwas provozierend wissen wollen, warum die erwarteten rasanten Froome-Attacken in den Pyrenäen ausgefallen waren.

Gemeint waren die an den Anstiegen. Aber Froome fährt ja trotzdem im Gelben Trikot. Weil er am Sonnabend mit einer Berg-ab-Attacke kurz vor dem Ziel alle überrascht hatte, einen kleinen Vorsprung herausarbeitete und die Etappe gewann. Bislang glaubte jeder, auf den Abfahrten nicht viel befürchten zu müssen von dem Briten. Doch nun lehnte er sich weit nach vorn, kauerte mit dem Hintern auf der Stange und trat noch in die Pedalen dabei.

Acht Konkurrenten innerhalb einer Minute

So spektakulär das war, es dürfte auch der aktuellen Situation geschuldet sein. Insgesamt acht Froome-Konkurrenten liegen im Klassement noch innerhalb einer Minute – und der Tour-Sieger von 2013 und 2015 muss sie allesamt ernst nehmen. Froome hat zwar mit seiner Abfahrt vom Peyresourde für Aufsehen gesorgt, für die er auch ein extragroßes Kettenblatt aufgelegt hatte, doch eine einschüchternde Attacke am Berg blieb er in den Pyrenäen schuldig.

Das werden auch Mitfavorit Nairo Quintana (Kolumbien), der jetzt 23 Sekunden zurückliegt, und die anderen aufmerksam vernommen haben. Bislang sicherte sich Froome durch Stakkato-Antritte am Berg seine Siege bei der Tour. Nun fahren gleich ein Dutzend Profis im gleichen Bereich. Dennoch geht der Brite sehr zuversichtlich in die nächsten Tage. „Wir haben hier die stärkste Mannschaft. Wenn die anderen Favoriten im Finale noch zwei Begleiter haben, habe ich noch fünf“, so Froome.

Deutsches Team stellt am Ruhetag neuen Geldgeber vor

Er sieht seine Widersacher nun unter Zugzwang. „Es liegt an den anderen, Zeit zurückzuholen. Ich bin glücklich über Gelb, das verschafft mir taktisch und moralisch einen Vorteil. Aber ich denke, das wird der härteste Kampf meiner Karriere“, sagte Froome am Ruhetag, den das deutsche Team Giant-Alpecin dazu nutzte, einen Wechsel des Hauptsponsors zu verkünden. Ab 2017 wird das Schweizer Reiseportal Sunweb die Rolle von Alpecin einnehmen. Ob der deutsche Geldgeber dem Team erhalten bleibt, steht noch nicht fest.

Froome blickte derweil schon auf die kommenden Tage und sieht vier Schlüsselstellen: „Das erste Zeitfahren und die Etappen 17 bis 19 in den Alpen.“ Teamchef Brailsford rechnet mit einem knappen Ausgang: „Es wird eher um Sekunden als Minuten gehen in Paris.“