Wasserspringerin

Christina Wassen will sich ihren Olympia-Traum erfüllen

Christina Wassen will zu Olympia. Die Spiele in diesem Jahr verpasste sie nur knapp. Ihre jüngere Schwester aber fährt nach Rio.

Wasserspringerin Christina Wassen

Wasserspringerin Christina Wassen

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Nein, verzweifelt ist sie nicht. Dabei ist Christina Wassen, 17 Jahre alte Wasserspringerin vom Berliner TSC, gerade zum zweiten Mal knapp an einem großen Championat vorbeigerutscht. 2015 verhinderte eine Ellenbogenverletzung nebst Operation den Auftritt bei der EM in Rostock, im Februar verpasste sie mit der Dresdnerin Tina Punzel als Sechste beim Weltcup in Rio den für einen Olympia-Quotenplatz nötigen fünften Rang um 19,06 Punkte.

„Das war ärgerlich, aber nach hinten schauen bringt nichts“, sagt sie: „Ich falle ganz bestimmt in kein Loch, ich habe immer gesagt, mein Ziel sind die Olympischen Spiele – egal ob 2016, 2020 oder 2024.“ Wie es war in Rio, wird sich Christina nach Olympia aus erster Hand erzählen lassen, denn die zwei Jahre jüngere Schwester Elena, mit der sie seit 2013 in Berlin lebt, hat den Sprung ins DSV-Team (Turm) geschafft.

Unter die Kandidaten zur Wahl des Nachwuchssportlers des Monats hatte sich Christina Wassen mit Turmrang sechs bei der EM Ende Mai in London gesprungen. Als das Votum für sie gefallen war, lieferte sie passgerecht noch ein paar Argumente für die Wahl hinterher. Bei der Junioren-EM in Rijeka (Kroatien) gewann sie Doppel-Gold vom Turm und mit dem Team, Bronze vom Dreimeterbrett. „Hier wollte sie unbedingt überzeugen und zeigen, was sie kann“, sagt Trainerin Anne-Katrin Hoffmann, die Wassen betreut, seitdem sie als Vierjährige in Aachen mit dem Wasserspringen begann.

Von Aachen nach Berlin

Angefangen hat alles im Freibad daheim in Baesweiler. Als Mutter Bettina und Vater Josef auffiel, dass schon bei ihren ersten Sprüngen vom Brett viel weniger Wasser umherspritzte als bei den anderen, meldeten sie die Tochter beim SV Neptun Aachen an. Trainerin Anne-Kathrin Hoffmann ist den Wassen-Mädchen seither nicht von der Seite gewichen. Als Verein und Standort den Stützpunkt-Status verloren, sagten Christina und Elena: Wir wollen weitermachen. Und die Trainerin ergänzte: „Ich gehe dahin, wohin ihr geht.“

Hoffmann ist die beste deutsche Nachwuchstrainerin, von neun deutschen Junioren-EM-Medaillen (sieben Mal Gold, zweimal Bronze) in Rijeka gewannen ihre Schützlinge acht. Christina Wassen war dabei vielfach auffällig: mit Schwierigkeit und Eleganz, Ehrgeiz und Kampfgeist, Ausstrahlung und ansteckend guter Laune. Klar habe auch sie mal schlechte Laune, gibt sie zu. „Aber nur weil mal ein Tag schlecht läuft, soll ich mich deshalb hängen lassen? Hilft mir das? Nein!“

Keine Konkurrenz zur Schwester

Recht hat sie, und allein fühlt sie sich mit diesem Prinzip absolut nicht. „Ich kriege in meiner Gruppe so viel Unterstützung, dazu stehen Trainer, Olympiastützpunkt, Schule, Sponsoren an meiner Seite, was erst den ganzen Erfolg möglich macht.“ Und nicht zu vergessen Schwester Elena, mit der sie durch dick und dünn geht, ein Herz und eine Seele ist. Für Konkurrenz ist da, obwohl beide in der gleichen Sportart aktiv sind, gar kein Platz. „Wenn wir uns streiten, dann jedenfalls nicht über Sport“, verrät Christina Wassen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zu der Wahl und die Möglichkeit zur Stimmabgabe finden Sie unter www.nachwuchssportler-berlin.de