Silverstone

Triumph mit Tragweite

Weltmeister Hamilton gewinnt Grand Prix in Silverstone und rückt Rosberg immer näher

Silverstone.  Lewis Hamilton freute sich wie ein kleines Kind, ausgelassen, voller Emotionen und sichtlich berührt ließ sich der Seriensieger von Silverstone feiern. „Das hier bedeutet mir alles“, sagte der Liebling der 120.000 Zuschauer nach seinem souveränen Erfolg vor Max Verstappen im Red Bull und seinem „In-Team-Feind“ Nico Rosberg, dann warf er den riesigen Pokal bei der Siegerehrung hoch in die Luft.

Getrübt wurde die Freude von Mercedes durch die Entscheidung der Rennkommissare, die dem ursprünglich zweitplatzierten Rosberg eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe aufbrummten und ihn damit auf Platz drei zurückstuften. Als wenige Runden vor dem Ziel das Getriebe an Rosbergs Mercedes versagte, hatte ihm sein Ingenieur über den Funk zugerufen: „Vermeide den siebten Gang.“ Die Stewards sahen darin einen Teilverstoß gegen Artikel 27.1 der FIA-Regularien, der besagt, dass der Fahrer das Auto „allein und ohne Hilfe von außen“ fahren muss. Mercedes kündigte umgehend an, Einspruch einzulegen.

Rosberg wird von Rang zwei auf Rang drei zurückgestuft

Von alldem unbeeindruckt hielt Lewis Hamilton nach seinem insgesamt vierten Sieg in Silverstone an allen Ecken und Enden Hof. „Er war unaufhaltsam“, sagte Mercedes-Sportchef Toto Wolff über seinen Weltmeister: „Lewis ist heute über das Wasser gegangen.“ Und das war durchaus wörtlich zu nehmen, denn beim Start des Rennens standen Teile der Strecke nach heftigem Wolkenbruch unter Wasser. Der Start erfolgte hinter dem Safety Car, das dann sehr zum Unmut der Fahrer fünf Runden lang draußen blieb. „Ein bis zwei Runden hätten gereicht“, sagte Wolff.

Hamilton ließ sich aber weder vom Regen noch von den Konkurrenten noch vom Safety Car stoppen: Er zementierte zum Abschluss eines für ihn perfekten Wochenendes die Machtverhältnisse bei Mercedes und badete in der ungeteilten Zuneigung seiner Fans. „Ich fühle mich gesegnet, so viel Liebe empfangen zu dürfen“, sagte er, und das war dann vielleicht doch ein bisschen zu theatralisch.

Rosberg hat auch mit dem dritten Platz immerhin seine Führung in der WM-Wertung über die Zeit gerettet. Mit 168 Punkten hat der Wiesbadener allerdings nur noch einen einzigen Punkt Vorsprung auf Hamilton, dahinter folgen mit bereits deutlichem Rückstand Kimi Räikkönen (Ferrari/106), Daniel Ricciardo (Red Bull/100) und Ferrari-Star Sebastian Vettel (98). In zwei Wochen steht der Große Preis von Ungarn als nächstes Rennen auf dem Programm. Dort kann Hamilton erstmals seit dem Saisonauftakt aus eigener Kraft die Spitze übernehmen.

Ferrari spielte in Silverstone überhaupt keine Rolle, mit den Plätzen fünf für Kimi Räikkönen und neun für den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel endete ein vollkommen misslungenes Wochenende für die Roten aus Maranello. „Wenn alles gut läuft, wird es Platz drei oder vier“, hatte Vettel vor dem Rennen gehofft, blieb jedoch von Platz elf gestartet im Mittelfeld hängen. Siebter wurde Nico Hülkenberg im Force India, Pascal Wehrlein schied im Manor aus. Eine Woche nach seinem ersten Punktgewinn für das Manor-Team rutschte der Worndorfer ins Kiesbett und musste das Rennen beenden. „Aquaplaning in der Kurve, ich hatte keine Chance“, teilte Wehrlein mit.

Sobald das Safety Car die Strecke verlassen hatte, zog Hamilton auf und davon, dahinter eröffnete Youngster Max Verstappen die Jagd auf Nico Rosberg, der wie immer bei diesen Bedingungen eher vorsichtig unterwegs war. Viel weiter hinten kämpfte Vettel sich mühsam nach vorn, spielte aber bei der Entscheidung nie eine Rolle und blieb in Positionskämpfen im Mittelfeld stecken. Nachdem er Felipe Massa im Williams von der Strecke gedrängt hatte, kassierte Vettel zu allem Überfluss auch noch eine Zeitstrafe von der Rennleitung.

In der 16. Runde schob sich Verstappen an Rosberg vorbei, der dabei nicht die allerbeste Figur machte. Verstappen war danach auf seiner Jagd nach dem souverän führenden Hamilton gelegentlich zu leichtsinnig, in Runde 23 konnte er sein Auto gerade noch abfangen, hielt Rosberg aber dennoch zunächst auf Distanz.

„Er hat zweimal die Spur gewechselt“, beschwerte sich Rosberg, als er bei dem Versuch, Verstappen zu überholen, gescheitert war. Kurz darauf gelang es ihm dann aber doch, und fortan änderte sich an der Reihenfolge nichts mehr - bis die Stewards gut drei Stunden nach Rennende ins Klassement eingriffen.