Tennis

Mit Ivan Lendl als Trainer ist Andy Murray wieder Champion

Im Finale gegen den kanadischen Tennisprofi Milos Raonic hatte der Schotte keine Probleme. Erfolgsgarant ist sein prominenter Trainer.

Der Schotte Andy Murray stemmt den Siegerpokal hoch

Der Schotte Andy Murray stemmt den Siegerpokal hoch

Foto: TONY O'BRIEN / REUTERS

London.  – In der Royal Box saßen sie alle. Die Legenden von einst, Björn Borg, Stefan Edberg, Jan Kodes, auch Boris Becker. Filmstars wie Benedict Cumberbatch. Politprominenz wie Premier David Cameron. Sogar Prinz William mit Gemahlin Kate. Es war alles angerichtet für einen großen Tennis-Tag – und der Mann, um den sich die Hoffnungen drehten, enttäuschte niemanden.

Mit einer souveränen Finalvorstellung schlug sich Andy Murray zum zweiten Mal nach 2013 auf den Wimbledon-Thron, beim 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:2) über Debütant Milos Raonic (Kanada) geriet der Schotte nie in ernsthafte Schwierigkeiten. „Oft habe ich hier schwere Enttäuschungen erlebt. Deshalb fühlt sich dieser Sieg richtig gut an“, sagte Murray.

Als er auf seinem Pausenstuhl gesessen hatte, direkt nach dem verwandelten Matchball, da löste sich nicht nur der eigene massive Erwartungsdruck in einem Tränenausbruch. Auch zwei verlorene Grand-Slam-Endspiele in dieser Saison hatten Murray auf der Seele gelegen, in Melbourne wie in Paris hatte er gegen Novak Djokovic verloren. Doch weder dieser ewige Spaßverderber noch der alte Meister Roger Federer oder der formstarke Raonic konnten ihn stoppen, den Drinbleiber Murray, der nach dem Ausscheiden hochgehandelter Konkurrenz seine Chance nutzte. Nix war’s mit einem Exit des Braveheart.

"Ich habe einfach richtig gutes Tennis gespielt"

„Ich habe einfach richtig gutes Tennis gespielt, das ganze Turnier durch“, sagte der 29-Jährige, der sich rechtzeitig wieder mit Erfolgscoach Ivan Lendl zusammengetan hatte. Alle drei Grand-Slam-Titel hat Murray mit dem stoischen Lendl gewonnen, somit immerhin jetzt drei von elf erreichten Major-Finals für sich entschieden.

Warum er das Endspiel gegen Raonic gewann, war leicht zu beantworten: weil Murray der bessere, komplettere und auch kreativere der beiden Gegenspieler und weil er stets in den brisanten Situationen auf der Höhe des Geschehens war.

Murray imponierte aber erst recht als Verteidigungskünstler, als Mann mit magischer Antizipation. Noch nie hat ein Rivale den derzeit härtesten Aufschläger der Welt entzaubert wie der Schotte. Selbst das zweitschnellste Service der Wimbledon-Geschichte, ein 237 km/h-Geschoss, neutralisierte der Champion scheinbar mühelos, machte sogar den Punkt. Nur acht Asse des Kanadiers ließ Murray zu. „Es war Andys Tag, seine Stunde“, sagte Raonic.