Schwimmen

Die fabelhafte Welt der Leonie Kullmann

Das Berliner Schwimmtalent Leonie Kullmann qualifiziert sich für die Olympischen Spiele. Auch Lisa Graf kann für Rio planen.

Entdeckung der German Open: die 16-jährige Leonie Kullmann

Entdeckung der German Open: die 16-jährige Leonie Kullmann

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Berlin.  Vier Tage German Open gingen dank Leonie Kullmann von der SG Neukölln doch noch mit einem Erfolgserlebnis für die Schwimmer aus der Hauptstadt zu Ende. Zum Abschluss der Olympiaqualifikation in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee kraulte die 16-Jährige, die 2013 aus Dresden in die Hauptstadt kam und seitdem bei Alexander Römisch trainiert, die 200 Meter in 1:58,62 Minuten. Sie sicherte sich mit dieser persönlichen Bestzeit einen Staffelplatz für die Spiele in Rio (ab 5. August). Die Wahl-Berlinerin sprach nach dem Endlauf vom „besten und schönsten Rennen meiner bisherigen Karriere“.

„Du hast alles richtig gemacht. Super!“

Von Beginn an führte Kullmann, schwamm einfach vornweg und davon, hielt die Führung mit hoher Frequenz und schlug als Erste in gesteigerter Bestzeit an. Die Eltern auf der Tribüne – Mutter Anke war einst Top-Triathletin, Vater Raik Nordischer Kombinierer – waren nicht zu bändigen, Trainerchef Lambertz klatschte die von allen Seiten geherzte Sportlerin ab, Römisch lobte den Schützling übersprudelnd: „Du hast alles richtig gemacht! Super!“

Und hängte auf Nachfrage an: „Das hätte ich so nicht erwartet. Der Druck war da, und damit ist sie so mutig und großartig umgegangen. Vielleicht gibt das noch mal einen richtigen Push.“ Dass Leonie, Schülerin der zwölften Klasse im Sportgymnasium, für einen Teenager ungewöhnlich genau weiß, was sie tut und akribisch arbeitet, packt Römisch in die Charakteristik: „Sie ist relativ aufgeräumt im Kopf.“

Ihr Vorbild ist Olympiasiegerin Missy Franklin

Und auch seine weiteren Zuschreibungen klingen nach Zukunftsversprechen: „Sie ist völlig klar, clever, fokussiert, engagiert.“ Leonie Kullmann, die mit ihrer Familie im Alter von neun bis zwölf drei Jahre in den USA zugebracht und dort Missy Franklin zum Vorbild erkoren hat, lieferte mit ihrem Auftritt bei den German Open dann auch den Grund dafür, dass hinterher niemand mehr davon sprach, die lange Freistil-Staffel der Frauen erst gar nicht für Olympia zu nominieren.

Was die Sächsin bei den Frauen vormachte, gelang bei den Männern Robin Backhaus (ebenfalls Neukölln) nicht. Die vage Staffelhoffnung des im Zeitranking zuvor auf Position sieben rangierenden Berliners war mit Platz sechs (1:48,74 Minuten) nicht zu realisieren. Bliebe Rückenschwimmerin Lisa Graf als Nummer drei der Rio-Kandidaten, deren Traum sich trotz krankheitsbedingten Fehlens erfüllen sollte. Bei den Deutschen Meisterschaften im Juni hatte sie die 200 Meter Rücken mit klar unterbotener Normzeit gewonnen, dann die German Open als zweite Qualifikation gewählt.

Lisa Graf scheint auch am Ziel zu sein

Dennoch startete sie auch bei der Mare Nostrum Tour und unterbot dort, quasi inoffiziell, die Normen. Nun entging ihr plötzlich ihre zweite offizielle Chance, weil sie erkältet war – mit ärztlichem Attest. „Sie hat sich nicht gedrückt oder durchzumogeln versucht. Für die Situation kann das Mädel absolut gar nichts. Wir werden sie also zur Nominierung vorschlagen und gehen davon aus, dass der DOSB das am 12. Juli auch absegnet“, so DSV-Diagnosetrainer Frank Lamodke.