Leichtathletik-EM

Jetzt kann Rio kommen für Julia Fischer

Robert Hartings Freundin ist glücklich über ihr EM-Silber. Auch die anderen deutschen Diskuswerferinnen überzeugen. Das macht Mut.

Freude in Amsterdamm: Shanice Craft und Julia Fischer (l.) nach dem Wettkampf

Freude in Amsterdamm: Shanice Craft und Julia Fischer (l.) nach dem Wettkampf

Foto: Michael Kappeler / dpa

Amsterdam.  Während die holländischen Fans mit lauten Gesängen und rhythmischem Klatschen immer noch ihre Sprintkönigin Dafne Schippers feierten, die über 100 Meter bei den 23. Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam die Konkurrenz in 10,90 Sekunden deklassiert hatte, legte Julia Fischer in den Katakomben des altehrwürdigen Olympiastadions von 1928 einen Interview-Marathon hin.

Fernsehreporter, Radiostationen und schließlich am Ende der langen Reihe die Zeitungsjournalisten wollten von der Berlinerin wissen, wie sie an diesem Abend ihren Diskus zum Silber geworfen hatte.

Mit 65,77 Metern ließ sich Fischer nur von der Kroatin Sandra Perkovic (69,97 Meter) bezwingen. Wie stark die deutschen Diskuswerferinnen sind, zeigt ein Blick auf die Ergebnisliste: Bronze gewann Shanice Craft (63,89 Meter) vor Nadine Müller (62,63 Meter).

Ihr Freund Robert Harting hilft mit einem guten Tipp

„Leute, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wahnsinnig gut dieses Gefühl ist“, sagte Julia Fischer. Obwohl sie es schon ein Dutzend Mal erzählt hatte, sprudelten die Worte nur so aus ihrem Mund heraus. „Es ist die erste Medaille für mich bei einem großen Wettkampf.

Das macht mich stolz und glücklich.“ Im Juniorenbereich hat die Diskuswerferin vom SC Charlottenburg dagegen schon einige Titel und Medaillen gewonnen. Ihr erstes Gold holte sie 2007 bei den U18-Weltmeisterschaften in Ostrava. Zweite wurde damals in Tschechien mit einem Rückstand von 14 Zentimetern die Siegerin des Freitagabends: Sandra Perkovic.

Als Julia Fischers Lebensgefährte, Diskus-Olympiasieger Robert Harting, erfuhr, dass seine Partnerin den Wettkampf eröffnen würde, schickte er ihrem gemeinsamen Trainer Torsten Schmidt eine Nachricht aus Berlin. Julia solle direkt im ersten Wurf volles Risiko gehen, um die Konkurrenz vielleicht zu schocken, empfahl Harting, der auf die EM verzichtete, um sich konzentriert auf Rio vorzubereiten. Und Julia Fischer langte wirklich direkt voll hin: 65,77 Meter.

Lange lag sie sogar auf dem Spitzenplatz

Das saß: Drei Versuche lang durfte die 26-jährige Berlinerin sogar vom Gold träumen. Aber dann hatte Sandra Perkovic ihren Rhythmus gefunden und schickte den Diskus bis nahe an die 70-Meter-Marke. „Dass Sandra ein hohes Leistungsniveau hat, ist mir klar“, erzählte Julia Fischer und verriet: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich das Ding gewinne.“

Aber die Taktik der Europameisterschaft möchte sie auch beim noch größeren Höhepunkt in Rio anwenden: „Man hat schon häufiger gesehen, wenn Sandra relativ früh einen vorgelegt bekommt, hat sie Probleme und wird erst einmal fest. Das kann man in Rio versuchen.“

Auch bei den Sommerspielen in Brasilien werden die deutschen Diskuswerferinnen in Dreier-Formation auf Medaillenjagd gehen. Die starke Konkurrenz im eigenen Land wirkt sich äußerst positiv aus. Aber obwohl sie im Ring Konkurrentinnen sind, verstehen sie sich außerhalb bestens.

Konkurrentinnen gönnen der 26-Jährigen ihre Medaille

„Ich liebe meine Mädels“, sagte Julia Fischer. „Es ist toll, mit ihnen unterwegs zu sein. Wir treiben uns gegenseitig an.“ In Amsterdam war die Berlinerin die Nummer zwei in Europa und die Nummer eins des deutschen Trios. Ihre beiden Teamkolleginnen freuten sich mit ihr.

„Jule hat sich die Medaille wirklich verdient“, sagte Shanice Craft. „Ich freue mich, dass ich zusammen mit ihr auf dem Podest stehen kann.“ Und auch Nadine Müller fand trotz aller Enttäuschung über ihren vierten Platz nur nette Worte für Julia: „Ich bin glücklich, dass Julia ihre erste internationale Medaille bei den Erwachsenen gewonnen hat. Darauf hat sie lange hingearbeitet.“

Hart arbeiten wird Julia Fischer auch in der verbleibenden Zeit bis zu den Olympischen Spielen. Die Würfe hätten sich schon ganz gut angefühlt, erzählte sie. Aber das Feingefühl habe noch ein wenig gefehlt. „Das wird jetzt kommen. Dann geht noch mehr.“ Julia Fischer ist bereit für Rio.