Tennis

Kerber kämpft gegen Williams um Wimbledon-Titel

Angelique Kerber kämpft in Wimbledon um den ersten Titel einer deutschen Tennisspielerin seit Steffi Graf vor 20 Jahren.

Angelique Kerber und Serena Williams stehen sich gegenüber

Angelique Kerber und Serena Williams stehen sich gegenüber

Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

London.  Der Pay-TV-Sender Sky zeigt das Wimbledon-Finale von Angelique Kerber gegen Serena Williams kostenfrei im Internet. Das Endspiel des Grand-Slam-Turniers am Sonnabend können Tennis-Fans erstmals in frei empfangbaren Livestreams sehen.

Das ungewöhnliche Angebot läuft nach Angaben des Senders aus Unterföhrung unter sky.de/wimbledon und auf facebook.com/DeinSkySport. Sky hält die exklusiven TV-Rechte des Turniers für den deutschen Markt. Bisher hatte der Abonnement-Sender es stets abgelehnt, Tennisspiele frei empfangbar anzubieten.

Angelique Kerber strebt mit dem ersten Wimbledon-Triumph einer Deutschen seit 20 Jahren ihre ganz persönliche Krönung an. Und das an dem Ort im Südwesten Londons, der wohl für immer am intensivsten mit den goldenen deutschen Tennis-Zeiten von Boris Becker oder Steffi Graf verbunden bleiben wird. „Wimbledon ist etwas ganz Besonderes“, sagte die neue deutsche Tennis-Queen. „Ich will das auch genießen.“

Deutsche Tennisfans werden mitfiebern

Am Sonnabend betritt Kerber ein letztes Mal in diesem Sommer die ruhmreichste Bühne, die ihre Sportart zu bieten hat. Zum zweiten Mal in diesem Jahr greift die Kielerin nach einer Grand-Slam-Trophäe, wieder heißt ihre Gegnerin Serena Williams. Sie hat es schon einmal gegen die oft schier übermächtig auftretende Amerikanerin geschafft.

Es war am 30. Januar, als Kerber in Melbourne sensationell die Australian Open gewann und sich als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 den Titel bei einem der vier bedeutendsten Turniere sicherte. „Ich werde rausgehen wie in Australien und versuchen, ihr zu zeigen: Okay, hier bin ich, ich will das Match auch gewinnen“, sagte Kerber.

Die deutschen Tennisfans werden mitfiebern. Sie soll die Sehnsucht nach der ersten Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf 1996 stillen. Erstmals darf die Linkshänderin am finalen Tag in Wimbledon noch raus auf den Platz. Serena Williams, deren Schwester Venus Kerber im Halbfinale besiegte, kennt die Atmosphäre besser.

Serena Williams musste keine Pressekonferenz geben

Sechs Mal hat sie bei dem Rasenturnier schon triumphiert, zweimal das Endspiel verloren. „Serena ist eine der Größten, die es je gab und auf Rasen noch mal eine Extraklasse. Wenn eine Serena ihr bestes Tennis spielt, ist fast nichts zu machen“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Williams, seit 177 Wochen durchgängig die Nummer eins der Damen-Welt, fehlt ein lang ersehnter Sieg, um im Tennis-Olymp weiter nach oben zu klettern. Seit dem Vorjahr jagt sie den Grand-Slam-Rekord von 22 Titeln, der bisher Steffi Graf einzigartig macht.

Auch wegen dieser Historie müssen sich beide - Williams und Kerber - die Fragen und Vergleiche mit der deutschen Tennis-Ikone immer wieder anhören. Für die Schleswig-Holsteinerin war am Tag vor dem Endspiel eine Pressekonferenz angesetzt. Ihre Rivalin war davon befreit.

Die 34-Jährige stand ausführlicher Rede und Antwort, nachdem sie die Russin Jelena Wesnina in nur 48 Minuten im Halbfinale gedemütigt hatte. „Wenn sie in ihrer Komfortzone steht, schlägt sie alle 6:1 und 6:1“, sagte Kerber. Es ist aber die Norddeutsche, die in ihren sechs Matches bislang keinen Satz verloren hat.

„Man kann sie auch manchmal an die Wand klatschen, liebevoll“

„Angelique Kerber bekommt ein bisschen den Ruf als Spaßbremse, zumindest was die Williams-Familie betrifft“, schrieb „The Guardian“, nachdem sie den fünften Sister Act im Wimbledon-Finale verhindert hatte. „The Daily Telegraph“ erinnerte an Kerbers „Schock-Sieg“ in Melbourne.

So nah dran ist Deutschlands derzeit beste Tennisspielerin an einem Kindheitstraum. So nah dran am zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Als kleines Mädchen wünschte sie sich, wie Steffi Graf bei den großen Turnieren anzutreten, den überdimensionalen Silberteller wie in Wimbledon auch einmal in den Händen zu halten. „Ich weiß noch, wie ich Wimbledon im Fernsehen geschaut habe“, sagte Kerber. „Dass alle in Weiß gespielt haben, das wurde auch von außen immer als etwas Besonderes wahrgenommen.“

Steffi Graf bleibt ihr Vorbild, ist aber auch gelegentlich Ansprechpartner. In gemeinsamen Trainings hat die Wahl-Amerikanerin der Nachfolgerin in schwierigen Phasen Mut zugesprochen, an sich und ihr Spiel zu glauben. Denn Kerber ist eine, die trotz ihrer neun Turniersiege immer wieder mal zweifelt.

„Man kann sie auch manchmal an die Wand klatschen, liebevoll“, sagte Rittner, „weil sie dann bockig ist oder stur ist oder Zweifel anbringt, wo sie nicht angebracht sind.“ Am Samstag will Deutschlands Tennis-Liebling mit Selbstbewusstsein rausgehen. Kerber will diesen Wimbledon-Titel. Und sie lacht, wenn sie daran denkt, dass sie anschließend „vielleicht fünf bis sechs Stunden“ am Telefon hängt. Hoffentlich um Glückwünsche entgegenzunehmen.