Leichtathletik

Ein wildes Honigkuchenpferd aus Dortmund

Bronze über 200 Meter: Mit Gina Lückenkemper besitzt die deutsche Leichtathletik wieder eine Sprinterin mit Starpotenzial.

Gina Lückenkemper freut sich bei der EM in Amsterdam über die Bronzemedialle im 200-Meter-Sprint. Neben ihr Siegerin Dina Asher-Smith aus Großbritannien

Gina Lückenkemper freut sich bei der EM in Amsterdam über die Bronzemedialle im 200-Meter-Sprint. Neben ihr Siegerin Dina Asher-Smith aus Großbritannien

Foto: Michael Kappeler / dpa

Amsterdam.  „Megakrass. Supergeil. Einfach Wahnsinn. Wie im Rausch.“ Sprinterin Gina Lückenkemper kam auch einen Tag nach ihrem Bronze-Coup bei der Leichtathletik-Europameisterschaften in den Niederlanden gar nicht aus dem Schwärmen heraus. „Das ging ordentlich rund“, sagte die erst 19-Jährige nach ihren beeindruckenden 22,74 Sekunden über 200 Meter.

Unbekümmert, cool, ehrgeizig – Lückenkemper gilt schon lange als außergewöhnliches Talent in der deutschen Leichtathletik, die Dortmunderin könnte in den nächsten Jahren zum neuen Star des DLV-Sprints aufsteigen. „Sie verfügt über ein unglaubliches Potenzial und ist eine Hoffnungsträgerin für die Zukunft“, sagte Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Lückenkemper hat keine Probleme, sich auf der ganz großen Bühne zu präsentieren. Mögen andere verkrampfen, sie wächst daran. Und macht direkt vor dem Start auch mal ein Tänzchen - ohne ihren Fokus zu verlieren. Auch ihre Vorliebe für Bratwürste sorgte schon für Schlagzeilen: „Wenn ich Hunger habe, dann habe ich halt Hunger und dann muss etwas Vernünftiges her.“ Ihre Lockerheit ist Lückenkempers große Stärke.

Abitur mit 2,6 bestanden

„Ich bin ein Honigkuchenpferd“, sagte Lückenkemper, die gerade ihr Abitur mit dem Schnitt 2,6 bestanden hat und in Amsterdam nur von Dina Asher-Smith (Großbritannien/22,37 Sekunden) und Iwet Lalowa-Collio (Bulgarien22,52) geschlagen wurde. Zwar kamen die anderen Konkurrentinnen auf den letzten Metern noch einmal heran, aber da dachte sie sich nach eigenen Aussagen aber: „Nee Leute, nicht mit mir.“

Lückenkemper wird von ihrem Trainer Ulrich Kunst behutsam aufgebaut, in Amsterdam verzichtete sie trotz erfüllter Qualifiaktionsvorgabe auf die 100 Meter. „Sonst hätten mir meine Beine den Vogel gezeigt“, sagte sie. Ohnehin liebt sie ihre 200 Meter: „Kurvenlaufen ist so ziemlich das Coolste auf der Welt.“ Auch bei den Olympischen Spielen in Rio will sie „nur“ ihre Lieblingsstrecke und die Staffel rennen.

Nach der Rückkehr aus Rio will sie sich ein Pferd kaufen

Kunst und Lückenkemper legen im Training sehr viel Wert auf die Technik, biomechanische Analysen und spezielles Krafttraining. „Umfänge sind nicht entscheidend, sondern Inhalte“, sagte Kunst, der seine Läuferin nur fünf Mal pro Woche zum Training zitiert. Doch Lückenkemper weiß genau, was sie will. „Sie hat eine klare Vorstellung von allem im Leben“, so Kunst.

Immer geht es bei Lückenkemper um Geschwindigkeit. „Ich rede schnell, ich esse schnell. Und manchmal fahre ich auch schnell Auto“, sagte sie. Auch beim Reiten drückt sie aufs Tempo, nach den Spielen in Rio will sie sich zusammen mit ihrer besten Freundin ein eigenes Pferd kaufen. Picasso, vier Jahre alt, ist schon ausgesucht.

Außerdem will sie ein Wirtschaftspsychologie-Studium aufnehmen. Doch zunächst liegt der Fokus ganz auf den Olympischen Spielen. „Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht“, sagte Lückenkemper. Rio soll auch supergeil werden.