Tennis

Die Versagensangst ist bei Angelique Kerber weg

Angelique Kerber zeigt in Wimbledon wieder stabile Leistungen und hat das frühe Aus bei den French Open verarbeitet.

Kann fröhlich in die zweite Wimbledon-Woche schauen: Angelique Kerber

Kann fröhlich in die zweite Wimbledon-Woche schauen: Angelique Kerber

Foto: ANDY COULDRIDGE / REUTERS

London.  Es ist kein Schauspiel, für das man Vergnügungssteuer bezahlen müsste: dieses Wimbledon 2016, diese frustrierende Regenarie im britischen Sommer. Doch in den herausfordernden Bedingungen an der Church Road zeigt sich dieser Tage auch die Klasse jener Athleten, die Wind, Wetter und Stop-and-Go-Tennis mit eisernen Nerven trotzen.

Angelique Kerber gehört zu dieser Elite von Spielern und Spielerinnen; die Australian-Open-Siegerin hat im Laufe ihres Berufslebens auf der Tour gelernt, mit allen möglichen Widrigkeiten umzugehen – und daraus wichtige Erfahrungen zu schöpfen.

Die 28-jährige Kielerin ist auch in den Londoner Grand-Slam-Turbulenzen der letzten Tage der stabile deutsche Faktor gewesen, die einzige Frau, die höheren Ambitionen beim wichtigsten Turnier der Saison folgen kann. „Das Selbstvertrauen ist da.

Die Kraft, die mich auch in Melbourne stark gemacht hat“, sagte Kerber nach dem hart erkämpften 7:6 (13:11), 6:1-Drittrundensieg gegen Landsfrau Carina Witthöft.

Im Achtelfinale fängt das Turnier erst richtig an

Kerber ist also wieder einmal in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers dabei, dann, wenn die Ausscheidungsspiele noch einmal größere Brisanz besitzen. „Es ist wie ein Turnier im Turnier“, sagt Kerber, „der Thrill ist viel stärker.“ Gleich am Montag, dem Achtelfinaltag, dem spannungsgeladensten Tag im ganzen Tennisjahr, ergibt sich für sie eine ganz besondere Pointe.

Das Wimbledon-Drehbuch führt Kerber mit dem kleinen japanischen Energiebündel Misaki Doi zusammen, jener Gegnerin, die in der ersten Australian-Open-Runde im Januar einen Matchball gegen sie vergab. „Wenn ich an Melbourne denke, dann denke ich natürlich auch immer an dieses Spiel“, sagt Kerber, „es gehört zu der ganzen Story einfach dazu.“

Zur Story, wie aus einem Beinahe-Erstrundenuntergang schließlich die märchenhafte Krönung der ersten deutschen Grand-Slam-Königin seit Steffi Graf wurde. Kerber hat nach den zwei verrückten Wochen von Melbourne Monate gebraucht, um sich wieder zu stabilisieren, um, wie sie selbst sagt, „ihre Mitte zurück zu finden.“

In Paris litt sie noch unter dem Ergebnisdruck und Versagensängsten, aber in Wimbledon wirkte sie von vornherein punktgenau auf ihre Aufgabe fixiert. Bereit, wieder Größeres zu leisten. „Ich spüre, dass ich auf einem guten Weg bin“, sagt Kerber.

Zverev wird nach Niederlage von Gegner Berdych gepriesen

Wohin der Weg der Weltranglistenvierten in diesem turbulenten Wimbledon-Jahr noch führen kann, ist eine gute Frage. „Nichts ist unmöglich für sie. Aber das gilt auch für sechs, sieben andere Spielerinnen“, sagt die amerikanische Tennislegende Chris Evert.

Wohin der Weg der deutschen Hoffnung bei den Männern führt, ist dagegen klar: heim. Alexander Zverev kämpfte tapfer, aber vergeblich um die Wende auf dem bekanntesten Tennisplatz der Welt. Der Hamburger Teenager (19) begeisterte das Publikum mit zahlreichen Kostproben seines immensen Potenzials.

Der elf Jähre ältere Tomas Berdych aus Tschechien, Finalist von 2010, spielte in den entscheidenden Momenten jedoch abgeklärter. Nach 2:40 Stunden unterlag Zverev 3:6, 4:6, 6:4, 1:6, erntete aber großes Lob seines Kontrahenten: „Er ist ein zukünftiger Grand-Slam-Sieger. Von ihm werden wir noch viel hören.“