Viertelfinale

Waliser Sommermärchen - Sieg gegen Belgien

Das Team von Gareth Bale schickt Geheimfavorit Belgien nach Hause. Im Halbfinale geht es gegen Ronaldo.

Die Freude ist ihnen anzusehen. Die walisischen Spieler jubeln.

Die Freude ist ihnen anzusehen. Die walisischen Spieler jubeln.

Foto: Filip Singer / dpa

Der EM-Neuling schreibt Fußball-Geschichte. Wales hat die hochgewetteten Belgier aus allen Titelträumen gerissen. Die Mannschaft von Nationaltrainer Chris Coleman sorgte mit dem 3:1 (1:1) gegen Belgien für die nächste Überraschung bei der EM und zog erstmals ins Halbfinale bei einem ­großen Turnier ein. Dort trifft das Team um Superstar Gareth Bale am Mittwoch in Lyon auf Portugal mit Bales Kollege von Real Madrid, Cristiano Ronaldo.

Kapitän Ashley Williams (30.), Hal Robson-Kanu (55.) und Sam Vokes (86.) machten vor 45.936 Zuschauern im Stade Pierre Mauroy mit ihren Treffern die Überraschung perfekt, nachdem Radja Nainggolan (13.) die Belgier in Führung gebracht hatte. Damit setzte es für die Mannschaft um Belgiens Superstar Eden Hazard bei ihrem „Heimspiel“ in Lille eine große Enttäuschung. Rund 150.000 Landsleute waren über die Grenze ins nahe gelegene Lille gefahren. Belgiens Axel Vitsel sagte: „Wir sind am Boden zerstört. Wir wollten ein ganz anderes Spiel spielen, haben das aber nicht hinbekommen. Und jetzt sind wir raus.“

„Wenn man im Viertelfinale steht, dann will man auch das Maximum erreichen“, hatte Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots angekündigt. Seine hochbegabten Spieler versuchten gleich die Worte des Trainers in Taten umzusetzen. Unterstützt von den vielen belgischen Fans schalteten die „Rode Duivels“ ohne großes Abtasten gleich auf Offensive und hatten schon in der siebten Minute die große Chance zur Führung, als Yannick Ferreira-Carrasco, Thomas Meunier und Hazard hintereinander drei gefährliche Schüsse auf das Tor der Waliser abfeuerten.

Bei der anschließenden Ecke verpasste Romelu Lukaku nur um Zentimeter den Ball. Die Waliser waren in der Anfangsphase überfordert mit dem hohen Tempo der Belgier. So fiel das Führungstor des Weltranglistenzweiten. Mittelfeldspieler Nainggolan traf mit einem fulminanten 28-m-Schuss.

Das Gegentor war aber der Weckruf für das Team von Trainer Chris Coleman. Plötzlich waren es die Waliser, die das Spiel an sich rissen. Es entwickelte sich eine hochklassige Partie mit Tempo und zahlreichen Torraumszenen. Nach Befinden des belgischen Startorhüters Thibault Courtois sicher einige zuviel in seinem Strafraum. Nur einer Glanztat des Keepers vom FC Chelsea war es zu verdanken, dass Wales durch Neil Taylor nach Flanke von Aaron Ramsey nicht zum Ausgleich kam (26.).

Der Ausgleich von Williams bringt Wales ins Spiel zurück

Vier Minute später war es aber passiert. Eine ungewöhnliche Variante beim Eckball brachte dem vermeintlichen Außenseiter den Erfolg. Vier Waliser Spieler versammelten sich zu einem Pulk, ehe sie blitzschnell ausschwärmten. Die Belgier waren derart verwirrt, dass sie Williams nicht im Blick hatte, so dass der Kapitän nur noch einköpfen brauchte.

In dieser Phase wurden die Personalprobleme der Belgier in der Defensive offensichtlich. War das Wilmots-Team bereits ohne die Leistungsträger Vincent Kompany und Nicolas Lombaerts nach Frankreich gereist, fielen für das Viertelfinale der gelbgesperrte Thomas Vermaelen und Jan Vertonghen aus. Für Vertonghen war nach einem Bänderriss im Abschlusstraining das Turnier gar beendet. So mussten die unerfahrenen Jordan Lukaku und Jason Denayer (beide 21) auflaufen.

Sichtlich verärgert fuchtelte Wilmots ob der vielen Probleme mit den Armen an der Seitenlinie. Nach der Pause kam Belgien mit neuem Schwung zurück. Mit einem Kopfball von Lukaku (47.) und einem Schuss von Hazard (50.) waren die Belgier der Führung wieder näher, doch es folgte der Schock. Nach Vorlage von Ramsey ließ Robson-Kanu mit einem feinen Trick gleich zwei Belgier aussteigen und auch Courtois keine Chance. Robson-Kanu spielt für den Zweitligisten FC Reading.

Die Belgier antworteten in der Schlussphase mit wütenden Angriffen und Dauerdruck. Doch Vokes machte schließlich den K.o. perfekt.

Wales Trainer Chris Coleman sagte: „Wir sind nicht ins Viertelfinale gegangen, um Spaß zu haben. Wir wollten kämpfen. Ich hatte von Belgien, gerade nach dem 1:0, mehr erwartet.“

Wales – Belgien 3:1 (1:1)

Wales: Hennessey – Chester, A. Williams, Davies - Allen, Ledley (78. King), Ramsey (90. Collins) – Taylor, Gunter - Robson-Kanu (80. Vokes), Bale.

Belgien: Courtois – Meunier, Alderweireld, Denayer, J. Lukaku (75. Mertens) - Nainggolan, Witsel - Ferreira-Carrasco (46. Fellaini), De Bruyne, Hazard – R. Lukaku (83. Batshuayi).

Tore: 0:1 Nainggolan (13.), 1:1 A. Williams (31.), 2:1 Robson-Kanu (55.), 3:1 Vokes (85.). - Schiedsrichter: Skomina (Slowenien). - Zuschauer: 49.000. – Gelbe Karten: Davies, Chester, Gunter, Ramsey (2) – Fellaini, Alderweireld.