Toto Wolff im Interview

„Nico bekommt eine mehrjährige Verlängerung“

Mercedes-Sportchef Wolff kündigt neuen Vertrag für Pilot Rosberg an. Beim Rennen in Spielberg erwartet er aber eine Rutschpartie.

Nico Rosberg (r.) soll auch künftig im Silberpfeil sitzen, daran lässt Christian „Toto“ Wolff als Motorsportchef von Mercedes keinen Zweifel

Nico Rosberg (r.) soll auch künftig im Silberpfeil sitzen, daran lässt Christian „Toto“ Wolff als Motorsportchef von Mercedes keinen Zweifel

Foto: Getty Images / AFP/Getty Images

Spielberg.  Gerhard Kuntschik

Es ist der Heim-Grand-Prix für seinen Aufsichtsratschef Niki Lauda und ein wenig auch für Nico Rosberg, der einige Jahre seiner Kindheit und Jugend im österreichischen Zell am See verbrachte. Doch auch Mercedes-Sportchef Christian „Toto“ Wolff fühlt sich in der Obersteiermark heimisch. Vor dem Grand Prix am Sonntag (14 Uhr, RTL und Sky) spricht der 44-Jährige über die neue Formel 1, die Brexit-Abstimmung und den großen Rucksack von Mick Schumacher.

Was erwarten Sie sich vom neuen Fahrbahnbelag?

Christian Wolff: Der Asphalt ist glatt wie ein Babypopo, die Autos werden mehr ins Rutschen kommen. Mit Flügeleinstellungen ist das nicht zu kompensieren. Der neue Belag wird einiges über den Haufen werfen. Unsere Erfahrungen und Daten vom DTM-Wochenende helfen uns da ein wenig. DTM- und Formel-1-Teams arbeiten eng zusammen.

Wie laufen die Vertragsverhandlungen mit Gerhard Berger, der als Berater von Nico Rosberg dessen neuen Mercedes-Deal aushandeln soll?

Wenn drei Österreicher in einem Raum um einen Vertrag verhandeln, wird es schwierig. Ich bin bis jetzt durchs Feld gelaufen, einer schoss von hinten, einer von vorn. Niki war der Mediator. Nein, mal ganz im Ernst, es ist alles bis auf Kleinigkeiten geklärt. Nico bekommt eine mehrjährige Verlängerung, aber es ist noch nichts unterschrieben.

Wie sehen Sie die Form Ihrer Fahrer?

Lewis Hamilton hatte in Baku einfach einen schlechten Tag. Aber deswegen mache ich mir keine Sorgen. Nico ist emotional keinen Schwankungen unterworfen. Er ist so stabil, dass er das Zeug zum Weltmeister hat.

Fiat-Chrysler-Konzernchef Marchionne baut ständig Druck auf das Ferrari-Team auf. Macht das Ihr Chef Zetsche auch?

Der Druck auf Teamchef Arrivabene und die Fahrer ist enorm. Aber das war bei Ferrari nie anders. Es zählen nur Siege und Titel. Ständig Druck zu machen ist Marchionnes Management-Stil. Auch ich bekomme Druck von Zetsche, aber über WhatsApp und nicht über die Medien. Und von Susie (seiner Gattin, Anm. d. Red.).

Wie gut wird die Formel 1 im Jahr 2017?

Die Autos werden besser aussehen mit den breiteren Reifen. Die Formel 1 wird deutlich schneller werden, mit höheren Kurvengeschwindigkeiten. Ich hoffe nur, ein Team wird nicht derart überlegen sein, dass es allen anderen davonfährt. Motorisch fangen wir alle wieder mit Gleichstand an.

Sind Sie ein Befürworter des schon 2017 geplanten Cockpitschutzes Halo?

Der schützt vor einem Reifenaufprall, ja, aber hat auch Nachteile. Was wäre bei anderen Unfällen, wenn das Auto kopfüber liegt oder mit den Batterien etwas passiert? Es gibt ein Horrorszenario, dass die Batterien Feuer fangen können, und dann nach einer bestimmten chemischen Reaktion nicht zu löschen sind. Ich möchte da keinen eingeklemmten Fahrer erleben. Mehr Risiko als Sicherheitspotenzial ist nicht gut.

Wird sich Mercedes bald Michael Schumachers Sohn Mick (17) vertraglich sichern?

Der Bub schleppt einen großen Rucksack mit. Wir haben keine Pläne mit ihm. Mick soll erstmal in Ruhe fahren und sich entwickeln können.

Hat die Brexit-Abstimmung auch Auswirkungen auf Ihr Team?

Kurzfristig werden die Briten bald merken, dass ihre Urlaube teurer werden. Für uns stellt sich die Frage, was wird mit unseren Mitarbeitern aus der EU in England, das sind rund 150 von 800 in Brackley. Und was passiert mit den Briten in Stuttgart und Affalterbach? Allein seinen Weg zu gehen außerhalb einer Gemeinschaft, das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Abstimmung war ein riesengroßes Missgeschick und politischer Aktionismus.