Schwimmen

Michael Phelps findet zurück in die Goldspur

Rekordolympiasieger Michael Phelps sichert sich das Ticket für seine fünften Spiele. Hilfe kommt von einem besonderen Glücksbringer

Michael Phelps winkt nach dem Sieg beim US-Olympiaausscheid, seinen bislang 22 Olympiamedaillen kann der US-Star nun in Rio weitere hinzufügen

Michael Phelps winkt nach dem Sieg beim US-Olympiaausscheid, seinen bislang 22 Olympiamedaillen kann der US-Star nun in Rio weitere hinzufügen

Foto: Getty Images / Getty Images Sport/Getty Images

Omaha/Köln.  Der Mann am Mikrofon verkündete mit bebender Stimme die Siegerzeit, als Michael Phelps dem Beckenrand entgegen glitt. Das Publikum röhrte vor Begeisterung, hatte der Schwimmer aus Baltimore doch soeben die Eintrittskarte für die Olympischen Spiele in Rio (ab 5. August) gelöst – vier Jahre nach seinem Rücktritt aus der Wassersportbranche.

Einen Tag vor seinem 31. Geburtstag war Phelps schnellster US-Schwimmer über 200 Meter Schmetterling – und schob nun genüsslich die rechte Hand aus dem Wasser, die Finger gespreizt. High five – das Zeichen für seine fünfte Olympia-Teilnahme.

Die Reise an den Zuckerhut soll dann auch jener junge Mann antreten, der das Leben des erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten (18x Gold) seit acht Wochen auf den Kopf stellt. Am 5. Mai kam Boomer zur Welt, der Spross von Phelps und Nicole Johnson. Die beiden sind verlobt, nach Rio steht die Hochzeit an. Und schon jetzt, bei den Trials in Omaha/Nebraska, zelebrieren sie ihr Glück. So postete Johnson, 2010 zur Miss California gekürt, bei Instagram ein Foto, das den kleinen Boomer am Rand des Schwimmbeckens zeigt.

Neue Reife dank Vaterrolle

„Team Daddy – wir lieben dich und feuern dich super laut an“, schrieb die stolze Mama dazu. Während der Papa vor allem die Schwimmwelt erstaunt. „Man kann sehen, wie glücklich er ist, selbst wenn er zum Training kommt. Er ist wie ein neuer Mensch“, erzählt Trainingspartnerin Allison Schmitt.

Auch David Marsh hat einen bemerkenswerten Wandel ausgemacht. „Durch seine überzeugende Führungsrolle und die Reife, die er im letzten Jahr gezeigt hat, stehen die anderen immer stärker hinter ihm“, sagt der Coach der US-Schwimmerinnen. Über einen Mann, der sich nach London 2012 vom Sport verabschiedet hatte – um das freie Leben abseits des Kachelzählens zu genießen und auf dem Golfplatz am Handicap zu feilen.

Es war kein ganz neues Szenario für den Allrounder mit den Propellerarmen, der mit 15 sein Olympia-Debüt gab und bereits nach dem Achter-Pack Gold in Peking lange brauchte, um sich noch einmal für das Ringe-Spektakel zu motivieren. College-Partys und ausgiebige Strandurlaube waren Phelps damals deutlich lieber, er nahm zwischenzeitlich zwölf Kilo zu, wurde drei Monate nach dem Mega-Triumph in Peking von einem Fotografen mit einem Marihuana-Pfeifchen erwischt.

Auf das Comeback folgt die Suchttherapie

„Ich bin der Erste, der zugibt, wohl tausend Fehler gemacht zu haben – aber keinen zwei Mal“, kommentierte Phelps, als es auf die Olympia-Ausgabe an der Themse zuging. Er betonte damals, die Vorbereitung auf London sei viel entspannter gewesen als vier Jahre zuvor. Nun, vor den Trials in Omaha, klang das so: „Witze machen, lachen – das ist das, was ich 2012 nicht hatte.“ Als Kompensation zum intensiven Training ebenso zu relaxen, war Phelps immer ein dringendes Anliegen. Die Gefahr, dabei aus der Kurve zu fliegen, war jedoch stets mit von der Partie.

Im April 2014 vollzog er den Rücktritt vom Londoner Rücktritt, startete in Arizona erstmals wieder bei einem Wettkampf. Diesmal hatt er gar 14 Kilo zugelegt, Heim-Coach Bob Bowman berichtete: „Es hat eine Weile gedauert, bis wir an dem Punkt waren, dass er auch in der Öffentlichkeit trainieren konnte.“

Fünf Monate nach dem Comeback in Arizona wurde Phelps in Baltimore von der Polizei gestoppt: mit 135 statt erlaubter 72 km/h, zudem mit 1,4 Promille Alkohol im Blut. Mit 19 war Phelps schon einmal wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen worden – ein Wiederholungstäter, der sich vor Scham vier Tage lang in seinem Haus verkroch, ehe er sich zu einer Suchttherapie entschloss. 45 Tage verbrachte er in einer Klinik in Arizona – und setzte danach seine Achterbahnfahrt fort.

Wieder in Kontakt mit seinem Vater

Diesmal ging es wieder aufwärts: Phelps traf sich mit seinem Vater, zu dem er zuvor kaum Kontakt hatte. Er feierte seine Verlobung. Und über die 200 Meter Schmetterling, über die er sich am Mittwoch seine fünfte Olympia-Teilnahme sicherte, schwamm er im August 2015 bei den US-Meisterschaften schneller als der ungarische Weltmeister Laszlo Cseh.

In Omaha geht Phelps nun noch über 100 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagen an den Start – doch den schwierigsten Part hat er nun bereits absolviert. „Das bedeutet mir alles. Nach allem, was passiert ist, zurückzukommen – das war wahrscheinlich härter als irgendein Rennen, das ich in meinem Leben bestritten habe“, erklärte Papa Phelps danach.