Tennis

„Ich hoffe, Du wirst so bald wie möglich sterben“

Nach dem Erstrundenaus in Wimbledon wird Philipp Kohlschreiber im Internet aufs Übelste beschimpft.

Philipp Kohlschreiber schied in Wimbledon in vier Sätzen gegen den Franzosen Herbert aus

Philipp Kohlschreiber schied in Wimbledon in vier Sätzen gegen den Franzosen Herbert aus

Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

London.  Seit ein paar Monaten ist Philipp Kohlschreiber in den Weiten des Internets immer wieder die Zielscheibe übelster Beschimpfungen. Es sind offenbar Wettgruppierungen, manchmal aber auch einzelne Trolle, die der deutschen Nummer 1 jede Niederlage krumm nehmen und die ihre flammende Wut unflätig loswerden müssen.

Auch nach Kohlschreibers jäher Erstrunden-Niederlage in Wimbledon gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert dauerte es nicht lange, bis sich etwa auf Kohlschreibers Facebook-Seite der bizarre Shitstorm entfaltete: Als „Clownschreiber“ wurde der 32-jährige Bayer da gegeißelt, als „Gayschreiber“ beleidigt und schließlich auch noch als „Nazi“ tituliert. Und auch das war zu lesen im versammelten Hasskonzert auf Kohlschreiber: „Ich hoffe, du wirst so bald wie möglich sterben.“

Es waren die bitteren, schrecklich schiefen und schrillen Nebentöne eines Grand-Slam-Abschieds, der Kohlschreiber abseits der Trolltiraden schwer schmerzen musste. Denn ausgerechnet nach einem der besten Spielabschnitte seiner Karriere, einem Frühling und Sommer des puren Tennis-Vergnügens, kassierte der deutsche Frontmann im All England Club eine Erstrunden-Niederlage aus heiterem Himmel – gegen den alles andere als rasenaffinen Franzosen Pierre-Hugues Herbert (5:7, 3:6, 6:3, 3:6).

Schleppte Hüftverletzung aus Halle mit sich

„Ich bin enttäuscht. Auch wenn die Vorbereitung alles andere als optimal war, habe ich hier doch mehr erwartet“, sagte Kohlschreiber hinterher. Die Hüftverletzung, die ihn letztens in Halle zur Turnieraufgabe vor der Viertelfinalpartie gegen den österreichischen Shootingstar Dominic Thiem gezwungen hatte, wollte Kohlschreiber nicht als Ausflucht herbeizitieren: „Es war problematisch alles in den Tagen vor dem Turnierstart, aber das soll keine Entschuldigung sein.“

Dumm für Kohlschreiber, dass er ausgerechnet beim tradtionellen Saisonhöhepunkt in Londons Südwesten Kontinuität aus den falschen Gründen bewies: Denn auch bei den Grand-Slam-Wettbewerben in Melbourne und Paris hatte er sich schon im Auftaktspiel gleich verabschieden müssen.

„Auf Rasen klappt es mal, und mal klappt es nicht. Heute hat es nicht geklappt“, sagte der Augsburger später. Tatsache ist, dass der Davis-Cup-Führungsspieler mit dem schnöden Abschied von Wimbledon 2016 jene Kritiker vortrefflich befeuerte, die ihm gerne, wenn auch nicht immer historisch präzise, vorwerfen, er zeige seine Talente nur bei kleineren Turnieren. Und nicht dort, wo es zählt, bei den Grand-Slam-Turnieren.

„Hör sofort mit dem Tennis auf“

Viel hatte der Kohlschreiber, der sich in London redlich, aber vergeblich abmühte, nicht mit dem Mann gemein, der in München als Titel-Held gestrahlt hatte, der in Stuttgart auf Rasen auch ins Endspiel eingezogen war – und der in Halle vor seiner Aufgabe immerhin noch einen Kontrahenten wie Ivo Karlovic, den Herrn der Asse, niedergerungen hatte.

Physisch schien Kohlschreiber nicht ganz auf der Höhe, aber was ihm vielleicht noch mehr fehlte, waren die unbedingt selbstbewusste Ausstrahlung und die zuversichtliche Körpersprache. Nach 116 Minuten war auch schon alles vorbei für Kohlschreiber – und damit zunächst auch die Hoffnung, dass die deutsche Nummer eins dem deutschen Männertennis die dringend benötigten positiven Schlagzeilen verschaffen könnte.

Nächstes großes Ziel für Kohlschreiber sind nun die Olympischen Spiele in Rio – dort wird er natürlich antreten, ganz anders, als von einem der Beschimpfer gefordert, der „Shitschreiber“ nahegelegt hatte: „Hör sofort mit dem Tennis auf!“