Tennis

Sabine Lisicki spürt die Magie von Wimbledon

Die Berlinerin brilliert in Wimbledon in Runde eins und zeigt neues Selbstvertrauen. Dsa hat seinen guten Grund.

Die Berlinerin setzt sich gegen Shelby Rogers durch

Die Berlinerin setzt sich gegen Shelby Rogers durch

Foto: STEFAN WERMUTH / REUTERS

London. Es war eigentlich wie in den besten Zeiten: Die Asse und Gewinnschläge knallten serienweise ins gegnerische Feld, die Fans jubelten über schnörkelloses Bum-Bum-Tennis, und Sabine Lisicki lächelte mit der Sonne über dem All England Club um die Wette.

Wimbledon und Lisicki – selbst in der schärfsten Krise ihrer Karriere scheint das Turnier der Turniere besondere Kräfte und Emotionen bei Lisicki freizusetzen, beim beinahe makellosen 6:1, 6:3-Auftaktsieg über die Amerikanerin Shelby Rogers spielte die Berlinerin endlich wieder mit Mut, Wucht und Willen.

Und mit einem Selbstvertrauen, das aus vergangenen Glanzauftritten auf den grünen Spielfeldern herrührt: „Dieser Ort ist magisch für mich. Er holt immer das Beste aus mir heraus“, sagte Lisicki. Mehr Gegenwehr als bei der Startaufgabe wird die 2013er Finalistin allerdings schon in der nächsten Runde erwarten, gegen die Australierin Samantha Stosur.

Ziel: Freien Fall aufhalten

Zwar liegt Lisicki im direkten Vergleich mit der früheren US Open-Siegerin mit 2:5 im roten Bereich, aber bei jenem famosen Siegeslauf vor drei Jahren schlug sie auch Stosur in der dritten Runde aus dem Rennen.

Lisicki, damals großer Publikumsliebling der Briten, verfolgt jetzt in Wimbledon zunächst eine bescheidenere Mission: Nach den Horrormonaten mit Verletzungen, privaten Enttäuschungen und sportlichem Absturz bis auf Platz 81 der Weltrangliste geht es für die Berlinerin zuallererst darum, den freien Fall aufzuhalten und wieder neue Zuversicht am Arbeitsplatz zu finden. „Ich will hier gut spielen, ein gutes Ergebnis mitnehmen. Aber ich muss auch bescheiden sein“, sagt Lisicki, „ich darf mir jetzt keinen unnötigen Druck machen.“

Möglich, dass Lisicki sehr klammheimlich an ein kleines Wimbledon-Wunder glaubt, an einen Vorstoß bis tief in die zweite Wettbewerbswoche, aber sie verbietet sich neuerdings eisern, darüber zu reden. Stattdessen ist zu hören: neuer Realismus, neue Nüchternheit, neuer Pragmatismus. „Ich bin froh über jede Runde, die ich hier gewinne. Ich weiß, wo ich stehe.“

Kohlschreiber bereits ausgeschieden

Kein Ort, kein anderer Schauplatz als Wimbledon eignet sich besser für einen Neustart, für den Beginn einer anderen Karriere nach den turbulenten Achterbahnfahrten der Vergangenheit. „Nach Wimbledon bringt Sabine etwas mit, was ihr anderswo zuletzt immer gefehlt hat: Selbstvertrauen. Das Wissen, dass sie hier gut und erfolgreich Matches bestreiten kann“, sagt Bundestrainerin Barbara Rittner. Lisicki hat für den Neubeginn auch einen neuen Partner an ihrer Seite: Den 39-jährigen Salvador Navarro, einen ehemaligen Profi.

„Er ist total locker, für jeden Spaß zu haben. Aber auch einer, der viel verlangt“, sagt Lisicki. Die letzten beiden Wochen hatte sie sich komplett aus der Welt ausgeklinkt und in Spanien nur noch auf die Vorbereitung für Wimbledon konzentriert.

Schlafen, Training, Kraftraum, Massagen, Schlafen – und dann alles wieder von vorn. „Zurück zum ganz einfachen Leben“ sei die Devise gewesen, sagt Lisicki, „ich hatte kein Internet. Es gab kein Facebook, kein Twitter, gar nichts.“ Aber dafür hat sie jetzt neues Selbstbewusstsein.

Im Gegensatz zu Philipp Kohlschreiber. Nach seiner Hüftverletzung ist der Augsburger in der ersten Runde in London gescheitert. Er verlor gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert 5:7, 3:6, 6:3, 3:6.