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Lionel Messi erklärt Rücktritt aus Nationalmannschaft

Der beste Fußballspieler der Welt mag nach der Finalniederlage bei der Copa America gegen Chile nicht mehr für Argentinien spielen.

Lionel Messi nach seinem verschossenen Elfmeter im Finale gegen Chile

Lionel Messi nach seinem verschossenen Elfmeter im Finale gegen Chile

Foto: Jason Szenes / dpa

Mexiko-Stadt. Der wahre Schock setzte erst ein, als Lionel Messi frisch geduscht aus der Umkleidekabine kam und etwas zu verkünden hatte. „Meine Zeit in der Nationalmannschaft ist vorbei“, sagte er den verdutzten Reportern. „Ich habe drei Finale am Stück verloren. Das ist genug. Es ist für alle das Beste. Die Entscheidung steht.“

Messi, der weltbeste Fußballer, ließ ein ganzes Land und vielleicht alle Fußball-Fans auf der Welt erstaunt zurück. Für die argentinische Auswahl bestritt der 29-Jährige vom FC Barcelona 113 Länderspiele. Titel gewann er keine.

Auch Javier Mascherano und Sergio Agüero sollen die Lust verloren haben und Messi folgen wollen. In argentinischen Medien wird sogar spekuliert, dass mit Angel Di Maria, Ezequiel Lavezzi, Gonzalo Higuain and Lucas Biglia weitere Leistungsträger nicht weitermachen werden.

Ein fatales Elfmeterschießen

Die Ursache? Für sie alle war die 2:4-Niederlage nach Elfmeterschießen kurz zuvor im Finale der Copa América gegen Chile wohl zu viel. Wieder Elfmeterschießen, wieder Chile, wieder verloren. Und Messi konnte das Ende nicht mehr ertragen.

Als Francisco Silva für Chile zum letzten und entscheidenden Elfmeter anlief, vergrub er sein Gesicht in das Trikot. Der beste Fußballer der Welt war in der Elfer-Lotterie zwischen Chile und Argentinien als Erster für seine Mannschaft angetreten, hatte den Ball in den Nachthimmel von East Rutherford gedroschen und sein Team damit persönlich auf die Verliererstraße gebracht.

Argentinien ist nun schon seit 23 Jahren ohne Titel

Die argentinische Fußball-Generation um Messi, di Maria und Mascherano verliert auch das dritte Finale in Folge: WM 2014 nach Verlängerung gegen Deutschland, Copa América gegen Chile im Elfmeterschießen 2015 und ein Jahr später das Déjà-vu bei der Jubiläumsausgabe der Copa América in den USA: Zu den 23 Jahren ohne Titel kommen mindestens noch zwei hinzu.

Und ob diese Spieler, die alle um die 30 oder älter sind, in Russland 2018 noch mal um den ersten Platz mitspielen können? Eher nicht. Ohne Messi und Mascherano schon gar nicht. Wenn es sich die beiden nicht doch noch mal anders überlegen.

Als Messi sich die Haare raufend zur Ersatzbank schlich und dort minutenlang mit leerem Blick sitzen blieb, wird er geahnt haben, was daheim los sein wird. Wieder kann der Ausnahmekönner seiner himmelblau-weißen Auswahl keinen Titel bringen. Argentinier sind im Fußball keine guten Verlierer.

Fluch auf dem Superstar

Und der Schuldige ist schnell ausgemacht. Es scheint ein Fluch auf Messi im Trikot seiner Heimat zu liegen. Und auch ein Fluch auf einer der begabtesten argentinischen Nationalmannschaften aller Zeiten. „Es tut mir mehr als jedem anderen weh, dass ich nicht im Stande bin, mit Argentinien einen Titel zu gewinnen“, sagte der fünfmalige Weltfußballer.

Die 120 torlosen Minuten waren ein Endspiel für Freunde des Kampf- und Kontaktsports. Raufen, Treten, Zerren war die Devise. Fußball wurde in der ersten Hälfte zwischen dem Vize-Weltmeister und dem Amerika-Meister überhaupt nicht gespielt. Im zweiten Durchgang und der Verlängerung nur sehr wenig.

Sieben Gelbe Karten und zwei Rote standen am Ende zu Buche, deutlich mehr als die großzügig gerechneten fünf Torschüsse. Messis auffälligste Szene in der regulären Spielzeit war eine Verwarnung für den Versuch, einen Strafstoß zu schinden.

Unwürdiges Finale eines umstrittenen Turniers

Am Ende gewann nicht das bessere, sondern das glücklichere Team und das, welches bei diesem Turnier für die wenigen Highlights sorgte. Das spektakuläre 7:0 Chiles über Mexiko im Viertelfinale war das schönste Spiel der Copa.

Das Finale aber war ein unwürdiges Ende eines Turniers, das niemand so richtig wollte, das sich vor allem die korrupten Verbandsbosse des südamerikanischen Fußballverbands Conmebol und seiner nordamerikanischen Schwester Concacaf ausgedacht hatten, um noch mehr Geld zu schinden.

Bei der „Copa América Centenaria“, dem Jubiläums-Turnier zum 100. Geburtstag, spielten die zehn Teams der Conmebol und sechs Mannschaften aus der Concacaf, darunter die Gastgeber USA und Mexiko.

Unterirdisch schlechte Schiedsrichterleistungen

Am Ende aber war der Fußball sehr schlicht, den die meisten Mannschaften boten. Bis auf die USA, Argentinien und Chile waren viele Teams mit besseren B-Elfs angereist. So dominierten fußballerische Armut, ruppiges Spiel und dazu unterirdisch schlechte Schiedsrichterleistungen.

Im Gruppenspiel Chiles gegen Bolivien ließ der Schiedsrichter zehn Minuten nachspielen und erkannte Chile dann im letzten Moment einen fragwürdigen Elfmeter zu. Geradezu dramatisch erscheint der Unterschied, wenn man zeitgleich die EM in Frankreich sieht, wo der Fußball nicht immer offensiv, aber taktisch ausgereift und weitgehend fair ist.

Diese Sonderausgabe der Copa hat auch bestätigt, dass Argentinien und Chile die derzeit dominierenden Teams in Lateinamerika sind. Brasilien ist nur noch ein Team unter vielen.

Andere werden Messi folgen

Aber all dies wurde zur Nebensache angesichts des erneuten Scheiterns von Argentiniens Stars, die nun eigentlich als silberne Generation in die Fußball-Annalen eingehen müssten. Auch wenn das letzte Wort außer bei Messi noch nicht gesprochen ist:

„Es ist wahrscheinlich, dass er nicht der einzige ist, der die Mannschaft verlässt. Einige andere Spieler denken darüber nach, ob sie weitermachen sollen. Ich auch“, sagte Agüero der Zeitung „Ole“.

Andere scheinen an eine Zukunft ohne Messi immer noch nicht glauben zu wollen. Torwart Sergio Romero sagte: „Leo wird noch mal darüber nachdenken und sich beruhigen.“