Doping

Kaum Hoffnung für Russlands Leichtathleten auf Rio

Das Schlupfloch für eine Teilnahme an Olympia ist klein. Der russische Verband kündigt eine Klage vor dem Sportgericht Cas an.

Doping-Kronzeugin Julija Stepanowa will wieder an Wettkämpfen teilnehmen

Doping-Kronzeugin Julija Stepanowa will wieder an Wettkämpfen teilnehmen

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  – Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat am Donnerstag Verfahrensrichtlinien für russische Athleten veröffentlicht, die trotz der Suspendierung des nationalen Verbandes an internationalen Wettbewerben teilnehmen wollen. Darin betonte die IAAF erneut, dass die Sportler bei Gewährung der Ausnahmegenehmigung als „neutrale Athleten“ an den Start gehen würden.

Solche Athleten, deren Antrag bewilligt würden, hätten „immer noch eine Einladung zu erhalten, um an dem fraglichen internationalen Wettbewerb teilzunehmen, im Einklang mit den Regeln der Organisatoren der Veranstaltung“, hieß es in den neuen „Guidelines“ der IAAF. Der Veranstalter der Olympischen Spiele ist das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Unter anderem die Whistleblowerin Julija Stepanowa hatte bereits angekündigt, eine entsprechende Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Die IAAF stellte ihr einen Start bei den Europameisterschaften in Amsterdam (7. bis 10. Juli) in Aussicht.

Athleten müssen ausreichend lange Zeit „außerhalb des Landes“ sein

Die 29-Jährige hatte 2014 zusammen mit ihrem Mann Witali in der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping“ das flächendeckende Betrugssystem in Russland aufgedeckt und floh danach mit ihrer Familie. Die 800-Meter-Läuferin lebt inzwischen in den USA.

Darüber hinaus machte die IAAF in den Richtlinien erneut klar, dass das Schlupfloch für russische Athleten sehr klein ist. Die betreffenden Sportler müssten einen „ausreichend langen“ Zeitraum nachweisen, in dem sie unter dem Einfluss eines Anti-Doping-Systems „außerhalb des Landes“ gestanden hätten.

Ein konkreter Zeitraum wurde nicht genannt. Die Verfahrensrichtlinien der IAAF verlangen von den Sportlern, „alle Dokumente“ beizubringen, die die Unabhängigkeit vom russischen System beweisen könnten.

Sammelklage vor dem Cas

„Wir wissen, dass einige russische Athleten erwägen, einen Antrag zu stellen, um an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu dürfen“, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe: „Es ist also wichtig, dass ihnen die Kriterien klar sind, unter denen ihr Antrag überprüft wird.“

Da Stepanowa in den USA lebt, stehen ihre Chancen gut. Die IAAF hat den russischen Verband ARAF wegen zahlreicher Dopingskandale auf unbestimmte Zeit auch über den Zeitraum der Olympischen Spiele in Rio (5. bis 21. August) suspendiert.

Russland will aber gleichzeitig wegen dieses Olympia-Ausschlusses seiner Leichtathleten in der kommenden Woche vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne ziehen. Das bestätigte Michail Butow, Präsident des russischen Leichtathletik-Verbandes, der Nachrichtenagentur Tass.

„Eine oder mehrere Klagen werden in der kommenden Woche eingereicht“, sagte Butow. Es werde eine Sammelklage und möglicherweise auch Einzelklagen geben. „Wir haben eine Gruppe von Anwälten beauftragt, sich mit dem Fall zu beschäftigen“, sagte der Funktionär und kündigte für die nächsten Tage Gespräche mit den Juristen an.