Olympia

Vier Kanuten paddeln Richtung Gold in Rio

Der deutsche Kajakvierer gehört in Rio zu den deutschen Medaillen-Hoffnungen. Obwohl die Crew bisher kaum gemeinsam antrat.

Marcus Gross, Max Hoff, Tom Liebscher und Max Rendschmidt (v.l.) gewannen bei ihrer ersten gemeinsamen Fahrt gleich den Weltcup in Racice

Marcus Gross, Max Hoff, Tom Liebscher und Max Rendschmidt (v.l.) gewannen bei ihrer ersten gemeinsamen Fahrt gleich den Weltcup in Racice

Foto: Libor Zavoral / picture alliance / dpa

Berlin.  Die vergangenen Wochen waren ziemlich vollgepackt bei den Kanuten. Vor allem trainierten die Rennsportler natürlich, sie engagierten sich allerdings auch kulturell über das normale Maß hinaus. Nebenbei beteiligten sie sich überdies daran, die Regattastrecke in Oberschleißheim zu retten. Zehn Tage lang bereiteten sich die Kanuten auf der Anlage bei München auf die Europameisterschaften in Moskau an diesem Wochenende vor.

Athleten starten in Moskau aus vollem Training heraus

Die Gegebenheiten in Oberschleißheim mögen die Sportler: klares Wasser, faire Strecke ohne großen Windeinfluss. Das gibt es kaum. Doch die Anlage, 1972 Austragungsort der olympischen Kanu- und Ruderwettbewerbe, ist in ihrem Fortbestand bedroht. Aber nicht nur aus nostalgischen Gründen setzen sich die Kanuten für den Erhalt der Strecke ein, sie werde im Training gebraucht, „um international konkurrenzfähig zu bleiben“, wie Weltmeister Max Hoff sagt. In Moskau mag sich diese Konkurrenzfähigkeit vielleicht nicht unbedingt ablesen lassen. Die EM genießt keine Priorität im Kalender dieser Saison.

„Wir werden den Wettkampf aus dem vollen Training heraus bestreiten, ohne an die EM zu denken“, sagt Chefbundestrainer Reiner Kießler. Im Vordergrund stand in Oberschleißheim der Formaufbau für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. Bis 21. August). „Wir haben uns ganz darauf konzentriert, das individuelle Leistungsniveau der Olympia-Starter auf den Stand zu bringen, auf dem es sein muss, um bei Olympia bestehen zu können. Das bedeutet überwiegend Einer-Training“, so Kießler. Lediglich, um etwas Abwechslung zu bekommen, durften die Athleten mal ins Mannschaftsboot steigen.

Bundestrainer jubelt: Im Vierer wieder da

Doch gerade ein Teamboot wird in Moskau besonders gespannt beobachtet werden. Beim zweiten Weltcup in Racice/Tschechien fuhr der neu besetzte Kajakvierer der Männer mit dem Berliner Marcus Groß überraschend auf Platz eins. Seither trainierten die Olympiateilnehmer nur, Moskau dient nun als Überprüfung der Entwicklung des einstigen Paradebootes. Nach vielen Sorgen mit dem K4 in den vergangenen Jahren freute sich Kießler nach Racice bereits: „Deutschland ist im Vierer wieder da.“ Für Olympia macht die neue Crew jedenfalls Mut.

Neben dem Training stimmte sich das gesamte Team zuletzt auch musikalisch auf die Sommerspiele ein. Am vergangenen Sonntag drehten die Athleten ein Video – für ihren Olympiasong. Unter dem Titel „RIOlympia“ arbeiteten die Kanuten in den vergangenen Wochen an einem eigenen Lied für die Spiele. Ob die hochdekorierten Sportler auch Gold in der Kehle haben, wird sich Mitte Juli zeigen, wenn der Song beim großen Sommerfest im Bundesleistungszentrum in Kienbaum seine öffentliche Premiere erlebt.